Wie Behrami für Petkovic zum Problem wurde

Die Hintergründe der Krise rund um die Nationalmannschaft: Behramis Attitüden, Petkovics Versagen und was es nun braucht.

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Als er seine heutige Frau, Lara Gut, im Mannschaftshotel ­haben wollte, war sie vor Ort: im März in Athen, im Mai in Lugano.

Als ihm das Training während der Vorbereitung im Tessin gerade nicht passte, attackierte er den Konditionstrainer verbal. Er habe keine Ahnung von seiner Arbeit. Als er vor dem Abflug an die WM in Russland schlechte Laune hatte und ihm das Traineroberteil nicht passte, warf er es hin.

Details. Nur Details? Manchmal sind es Kleinigkeiten, die tiefer schliessen lassen. Wie jetzt im Fall von Valon Behrami, diesem vielsprachigen Kopf, der sich in Interviews so differenziert ausdrücken kann und darin viel und gern von Integration redet, von diesem Schweizer aus dem Kosovo, der vor der WM sagte: «Verantwortung zu übernehmen, ist für mich sehr wichtig. Sie hilft mir auch, ein Vorbild zu sein.»


Bilder: So reagierten die Medien auf den «Fall Behrami».


Aber jetzt gibt es von ihm ein anderes Bild. Es ist das Bild des Fussballers, der seine privilegierte Stellung zum eigenen Wohl ausnutzt. Des Leaders, der den Schlüssel für den Bus in der Hand hält, wie es der frühere Nationalspieler Stéphane Henchoz in einem Interview mit der SonntagsZeitung wunderbar formuliert.

An diesem Valon Behrami hat sich in dieser Woche der jüngste Konflikt bei der Nationalmannschaft entzündet. Die Konsequenz davon ist, dass einige nun unter besonderer Beobachtung stehen, angefangen beim Präsidenten des Verbandes, Peter Gilliéron. Aber keiner ist es mehr als Vladimir ­Petkovic. Er ist ein Nationalcoach auf Bewährung.

Petkovics Kommunikation passt zum Schweizer Verband

Petkovic, das ist der oftmals arbeitsscheu wirkende Trainer, der nach dem Ausscheiden der Schweiz an der WM während 31 Tagen abtauchte, bevor es am 32. von ihm ein Lebenszeichen gab. Das war vergangenen Montag, an dem er Behrami anrief, um mit ihm über dessen Zukunft zu reden. Das tat er so, dass Behrami danach dem Tessiner Fernsehen in aller Ausführlichkeit seinen Rücktritt aus dem Nationalteam erklärte.

Petkovic, das ist auch der Trainer, der in der Kommunikation ­alles andere als ein Meister ist. Gut, damit ist er eigentlich geradezu prädestiniert für eine führende Rolle beim Schweizerischen Fussballverband, bei dem es in Sachen Kommunikation einige Defizite gibt. Aber so ungeschickt sollte sich selbst Petkovic nicht anstellen, um mit Behrami am Telefon die Zukunft besprechen zu wollen statt in einem persönlichen Gespräch.

Disput mit Miescher nach dem Brasilien-Match

Denn gerade er müsste Behrami kennen, sein Denken, seine Empfindlichkeit. Vor allem müsste er seine Rolle kennen, denn er selbst liess es zu, dass sie in dieser Mannschaft eine überragende Bedeutung bekam. Er war es, der gern wegschaute, wenn sich Behrami nicht im Sinn der Gruppe benahm. Am Bankett nach dem Match gegen Brasilien gab es einen Disput zwischen Behrami und Alex Miescher, der damals noch der Generalsekretär des Verbands war. Miescher fragte Behrami, wer denn diese Leute seien, die er bei sich habe. Worauf Behrami ihn anfauchte, das gehe ihn nichts an.

Dieser Miescher war es, der Tage später die Doppelbürger-Diskussion lancierte. Behrami wiederum war es, der in seiner Rücktrittserklärung sagte: «Ich habe mich gegen Leute gewehrt, die nicht verstehen, was der Fussball bedeutet. Sie haben nie Fussball gespielt.» Er meinte Miescher, den früheren Schwimmer.

Am Freitag gab der Verband den Rücktritt von Miescher als ­Generalsekretär bekannt. Das war nett zu lesen für den Angestellten, aber entsprach nicht der Wahrheit. Er wurde zu seinem Glück gezwungen, damit er «beruflich neue Wege» gehen kann.

Eine Million für einen Trainer, der sich gut ersetzen lässt

Statt des eloquenten Miescher schaut fürs Erste der Jurist Robert Breiter nach den Geschäften des SFV. Damit ist das Problem nicht gelöst. Die grundsätzliche Frage ist geblieben: Wer führt Petkovic? Wer zeigt ihm den Weg in die Zukunft?

Vor zwölf Monaten wurde Petkovics Vertrag vorzeitig um zwei Jahre bis Ende 2019 verlängert. Es war ein Entscheid ohne zeitliche Not, wenigstens war er nach der EM in Frankreich und einer bis dahin erfolgreichen WM-Kampagne sportlich begründbar und stiess darum auch nicht weiter auf Kritik.

Jetzt aber hängt er wie ein Klotz am Bein des SFV. Der Trainer ist teuer, auch für einen Verband, dem es finanziell gut geht. Eine Million Franken beträgt sein Jahressalär, das ist respektabel angesichts der Belastung von bisher 44 Spielen in vier Jahren. Da überrascht nicht ­weiter, dass in seinem Schlepptau Assistenztrainer Antonio Manicone 300'000 Franken erhält.

Es braucht Sulsers harte Hand

Der Vorgesetzte von Petkovic ist Claudio Sulser. Er hat Petkovic in seinen zwei Jahren als Delegierter nicht so weit gebracht, die Hierarchie zu respektieren. Er wusste jedenfalls nichts von dessen Gespräch mit Behrami und weiteren Spielern. Genau dieser Sulser soll es nun sein, der gegenüber dem Coach eine harte Hand zeigt.

Wenn nicht? Dann ist die Frage, an wem das liegt. An Sulser, weil er nicht führen kann? Oder an Petkovic, weil er sich nicht führen lässt? Oder wenn sich keiner ändert, dann ist die Antwort einfach: ­Beide sind ersetzbar.

Petkovic hat seine Ideen, wenn es um die Neuausrichtung der Mannschaft geht. Es braucht frisches Blut und Umstellungen, ja. Aber es bräuchte auch einen Trainer, der seinen Stil ändert. Es gibt genug Spieler, die ihm gegenüber sehr kritisch eingestellt sind.

Erstellt: 11.08.2018, 20:25 Uhr

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