Die Lehre des Stars

Inti Pestoni war der König der Leventina, nun ist der ZSC-Neuling einer unter vielen. Heute trifft der Stürmer zum Saisonstart ausgerechnet auf Ambri.

«Es ist eine Ehre, hier zu sein»: Inti Pestoni an seinem neuen Arbeitsort, dem Zürcher Hallenstadion. Foto: Dominique Meienberg

«Es ist eine Ehre, hier zu sein»: Inti Pestoni an seinem neuen Arbeitsort, dem Zürcher Hallenstadion. Foto: Dominique Meienberg

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Der Weg zum Glück führe über Veränderungen, heisst es immer wieder, auch wenn diese mühevoll sein können, nicht nur angenehme Erfahrungen mit sich bringen und Mut erfordern.

Ob er diesen Weg beschreiten wolle, musste sich auch Inti Pestoni fragen, als vergangene Saison das Ende seines Vertrags nahte. Sollte er dort bleiben, wo er geboren und aufgewachsen ist – direkt neben der Valascia – und weiter für den Club seines Herzens spielen?

Vieles sprach dafür: Er würde weiterhin der Held des ganzen Tales bleiben, das ­immer mehr gegen Abwanderung kämpft und dessen Eishockeyclub eigentlich der letzte verbliebene Stolz ist. Sein Name würde weiterhin in einem Atemzug genannt mit früheren Grössen wie Dale McCourt, Corey Millen, Oleg Petrow, Paul Di Pietro oder Peter Jaks. Die Fans würden voller Inbrunst weiter seinen Namen skandieren und immer wieder fordern, er solle doch ein Tor für sie schiessen, er, der «giovane» Pestoni.

«Hatte alles, was ich brauchte»

Oder sollte er, zwar noch jung, aber doch schon bald 25, eine neue Herausforderung annehmen bei einem Spitzenteam – und das zwingend in einem anderen Sprachgebiet, weil der Name des Kantonsrivalen in Ambri nicht einmal ausgesprochen werden darf? Das würde seine Chancen auf Erfolge massiv erhöhen, er müsste dann nicht mehr temporär die Farben wechseln, um einen Titel zu gewinnen wie 2013 im Spengler-Cup mit Genf-Servette, wäre nicht immer ­Zuschauer, wenn im April der Meisterpokal vergeben wird.

«Es war ein unglaublich schwieriger Entscheid», blickt Pestoni zurück, «in Ambri hatte ich alles, was ich brauchte.» Von klein auf und in den ersten Profi­jahren hatte sich diese Frage nie gestellt, gab es für ihn nur weiss und blau. Erst 2015 schlichen sich Zweifel ein, ob er wirklich tun solle, was viele als selbstverständlich annahmen, nämlich einen neuen Vertrag zu unterschreiben. Er besprach sich mit seiner Familie und seinem Agenten Hnat Domenichelli. Den Entscheid wegzugehen fällte er aber ­selber: «Es ist ja meine Zukunft.»

Neubeginn mit Nummer 91

Bereut hat er ihn auch fünf Monate nach seinem letzten von 273 Nationalliga-A-Spielen für Ambri Piotta nicht, in denen ihm 64 Tore und 122 Assists gelangen. In Zürich hat er sich gut eingelebt: «Alles verläuft bestens. Ich habe nette Teamkollegen, die Stadt gefällt mir.» Auch seine Erwartungen an den neuen Arbeitgeber sind erfüllt worden: «In meinen Augen war der ZSC immer das beste Team der Schweiz und die beste Organisation. Alles ist so, wie ich es mir erhofft hatte. Es ist eine Ehre, hier zu sein.» Als äusseres Zeichen für den Neubeginn hat er sich für die Nummer 91 entschieden, sein Geburtsjahr, und gegen die 18, die er in Ambri trug und frei gewesen wäre.

In Ambri hatte er Eiszeit à discrétion, in Zürich-Nord wird er sich jede Minute hart erarbeiten müssen. 15 Topstürmer balgen sich um die Plätze im Angriff. Einen solchen Konkurrenzkampf hatte sich Pestoni erhofft: «Ich wollte die Herausforderung in einem Spitzenverein. Wenn ich mehr spielen will, muss ich beweisen, dass ich es verdiene. Ich will meine Grenzen ausloten.» Auch seinen privilegierten Status im Gruppengefüge hat er aufgegeben, er hat aber keine Probleme damit, dass Roman Wick oder ­Robert Nilsson in der Hierarchie viel weiter oben stehen als er: «Von ihnen kann ich jeden Tag etwas lernen.» ­Immer wieder gebraucht Pestoni das Wort ­«imparare», lernen, und sagt, dass er in ­allen Bereichen des Spiels besser ­werden wolle.

Abseits des Eises habe die Anony­mität der Grossstadt ohnehin ­Vorteile, er könne nun auch einmal einen Kaffee trinken gehen, ohne erkannt zu werden. In der Stadt war er noch nicht oft, hat sich während der Vorbereitung primär zwischen Stadion und Wohnung bewegt. Daran dürfte sich in Bälde kaum etwas ändern, bis zur Länderspielpause im November stehen mindestens 23 Pflichtspiele an. Verständlich, dass «Schwizerdütsch» für ihn noch keine Priorität geniesst. «Es ist eine sehr intensive Zeit», sagt er schmunzelnd.

«Die ex-Kollegen foppen»

Und nun erfolgt also das erste Spiel ­seiner Profikarriere in einem anderen Dress ausgerechnet gegen die Leventiner; zum ersten Mal möchte Pestoni nicht, dass am Spielende die Montanara erklingt, die kultige Siegeshymne. Er ist froh, dass sich Spielplangestalter Willy Vögtlin für diese Ouvertüre entschieden hat: «Die ersten zwei Einsätze werden ­sicher speziell, aber insgesamt finde ich es lustig und es ist mir lieber so, als wenn das Spiel in Ambri wäre. Ich freue mich, und hoffentlich kann ich nach der Partie meine Ex-Kollegen mit ein paar SMS foppen.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.09.2016, 20:54 Uhr

Regeländerung

3-gegen-3-Verlängerung. Die fünfminütige Overtime der Qualifikation wird neu mit 3 gegen 3 statt 4 gegen 4 Feldspielern bestritten. Sollte es nicht zum Tor kommen, gibt es Penaltyschiessen. Im Playoff wird wie gehabt eine Verlängerung à 20 Minuten bei Vollbestand gespielt. Fällt kein Tor, kommt es zu einer fünfminütigen Zusatzschlaufe bei 3 gegen 3. Danach folgt das Penaltyschiessen.

Coaches Challenge. Der Trainer hat neu – ­vorausgesetzt, er hat noch kein Timeout bezogen – das Recht, bei einem Tor mittels Videokonsultation überprüfen zu lassen, ob diesem ein Abseits vorausgegangen ist. Sollte sich das bestätigen, bleibt sein Recht auf eine Challenge oder ein Timeout bestehen, andernfalls verfällt es. Beim spielentscheidenden Tor in der Verlängerung kann immer eine Challenge gezogen werden. (sis)

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