Die Liga der Abstiegskandidaten

Der Hälfte der Super-League-Teams droht der Abstieg. Keines ist besser als das andere. Und genau das macht ihren Kampf so spannend.

Miese Laune: Sion-Präsident Christian Constantin. Foto: Bott (Keystone)

Miese Laune: Sion-Präsident Christian Constantin. Foto: Bott (Keystone)

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GC: Wenigstens ein 1:0. Ein entbehrungsreicher Weg liegt hinter den Grass–hoppers – mit sechs Spielen in der Meisterschaft ohne Sieg und der Niederlage im Cup-Viertelfinal. Umso verständlicher war die Erleichterung, die sie am Samstag ergriff. Das 1:0 gegen Luzern war ihr erster Erfolg seit dem 22. November und zugleich unter Pierluigi Tami als Trainer. Dass er sie für ihren Kampf und Charakter lobte, sei ihm unbenommen. Dabei machten sie damit nur, was für sie Pflicht ist: angesichts ihrer Situation und ihrer ebenso prekären spielerischen Mittel. Was gefragt ist, brachte Stéphane Grichting vorbildlich mit seiner Kompromisslosigkeit im Zweikampf ein. Was dagegen Verpflichtungen eines Vadocz, Brown oder nun eines Fedele bringen sollen, bleibt nach den ersten Eindrücken einmal dahingestellt.

Caios Tor war haltbar, im Gegenzug brauchte es eine starke Parade von Goalie Vasic und den Pfosten, um Schaden abzuwenden. GC tut mit Blick auf die nächsten Wochen gut daran, die Umstände des Sieges nicht zu vergessen.

Vaduz: Mit Händen und Füssen. Als die Vaduzer 2008/09 erstmals in der ­Super League spielten, verabschiedeten sie sich gleich als abgeschlagener Tabellenletzter wieder. Jetzt, bei ihrem zweiten Anlauf, sind sie ein weit zäherer Widersacher. Dazu passt eine Aussage von Trainer Giorgio Contini nach dem 2:2 gegen den FCZ: «Wir wehren uns gegen den Abstieg mit Händen und Füssen, einfach mit allem, was wir haben.» Das taten sie auch gestern, als sie spät zweimal in Rückstand gerieten und die Moral ­dennoch nicht verloren. Contini sprach denn auch von einem «guten Punkt».

Sion: Constantin warnt. Didier Tholot versprühte Selbstbewusstsein, Sions Trainer interessierte der Hinweis nicht, dass die Walliser in Bern seit 1996 kein Meisterschaftsspiel mehr gewonnen hatten. YB besiegen, das war sein einziges Ziel – aber am Ende gab es die nächste Niederlage in der Hauptstadt. 2:3 verlor der FC Sion, und das nach einer ersten Halbzeit, «in der wir überhaupt nicht Fussball gespielt haben», wie Präsident Christian Constantin schimpfte.

Der Clubchef hat das Kader im Winter mit Salatic, Ziegler und Zverotic für viel Geld verstärkt, aber das reicht nicht, um ihn schon vor Sorgen zu verschonen. «Wir haben ein ernsthaftes Problem in der Innenverteidigung», sagte er, «und wir bekommen ein grundsätzliches Problem, wenn wir es nicht schaffen, immer so aufzutreten wie nach der Pause.» Die Bilanz seit dem Start in die Rückrunde: 1 Sieg, 2 Remis, 1 Niederlage. Und alles in allem hat Sion bloss 4 von 22 Spielen gewonnen. Das ist für Constantin Grund genug für eine Warnung: «Wenn wir nicht aufpassen, könnte es für uns ziemlich unangenehm werden.»

Luzern: Unberechenbar. Markus Babbel glaubte seine Mannschaft nach einem Sieg und drei Remis zu Beginn der Rückrunde auf gutem Weg. Am Samstag in Zürich stellte sie ihren Trainer jedoch vor das Rätsel, wieso sie erst in der zweiten Halbzeit wach und präsent war. Kaum hatte sie ihre Lethargie abgestreift, kam sie zu guten Szenen. Dass es schliesslich nur zur 10. Niederlage reichte, lieferte einen weiteren Hinweis, warum sie in derartigen Nöten ist: Sie ist defensiv noch immer nicht gefestigt genug, offensiv noch immer zu wenig effizient und darum unberechenbar. «Nichtsdestotrotz, es geht weiter», sagte Babbel am Samstag. Es bleibt ihm auch nichts anderes übrig.

Aarau: Christ in Not. Sie rannten an, sie hatten ein halbes Dutzend Chancen, aber am Ende war es so wie meistens: Die Aarauer waren die Verlierer, diesmal nach dem 0:2 gegen St. Gallen. Die Niederlage eingeleitet hatten Goalie Mall und Verteidiger Nganga, die sich nicht einig waren, wer den Ball übernehmen sollte. Bunjaku profitierte. Und in der Nachspielzeit doppelte Rodriguez nach.

Sven Christ hat früh in dieser Rückrunde gesagt: «Wenn die Resultate nicht stimmen, gibt es automatisch eine Trainerdiskussion.» Nach gestern werden die Kritiker nicht verstummen. Aarau, nach 11 Runden noch Sechster mit 9 Punkten Vorsprung auf Luzern, brachte seit dem 3:2 am 5. Oktober gegen YB das Kunststück fertig, keine der folgenden 12 Partien zu gewinnen. Und aus dem Cup flog der Tabellenletzte gleich auch noch. Präsident Alfred Schmid erklärte nach der jüngsten Enttäuschung: «Der Verwaltungsrat wird die Lage analysieren.» Ein bedingungsloses Bekenntnis zum Trainer tönt anders.

(pmb, ths)

Erstellt: 08.03.2015, 22:37 Uhr

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