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Die Rückkehr der Banane muss uns alle aufrütteln

Aus der Fankurve des FC Zürich fliegt eine Banane. Das erinnert an düstere Tage in den frühen 1990er-Jahren.

Er spielte nach dem Bananenwurf, als sei nichts geschehen: Aldo Kalulu, rassistisch angefeindeter Spieler des FC Basel.
Er spielte nach dem Bananenwurf, als sei nichts geschehen: Aldo Kalulu, rassistisch angefeindeter Spieler des FC Basel.
Keystone

Er klagte nicht, tobte nicht und weinte nicht. Für all das hätte Aldo Kalulu Grund gehabt im Spiel seines FC Basel gegen den FC Zürich. Als der Franzose eine Ecke treten wollte, wurde er aus dem FCZ-Sektor mit einer Banane beworfen. Eine Geste, die nur als rassistischer Angriff auf den 22-Jährigen mit ruandischen Wurzeln verstanden werden kann.

Die Rückkehr der Banane in den Schweizer Fussball darf nicht nur den FCZ treffen, der die Aktion «aufs Schärfste» verurteilt. Sie muss uns alle aufrütteln. In all den Debatten um Fan-Gewalt ging zuletzt eines fast immer vergessen: dass es dem Schweizer Clubfussball gelungen ist, den einst spieltäglichen Rassismus aus seinen Stadien zu vertreiben.

All die unerträglichen Affen­laute von den Rängen Ende der 1980er und Anfang der 1990er. All die Bananen, mit denen 1990 Basler den FCZ-Stürmer August Makalakalane beleidigten, bis er als Selbstverteidigung in eine der Früchte biss. 18 Jahre später erzählte der Südafrikaner: «Eine schwächere Person hört nach so einem Erlebnis schlicht auf, Fussball zu spielen. Das war der ­traurigste Tag meines Lebens.»

Seither haben sich die Fan-Kurven verändert. Sie verstehen sich in der Schweiz als politisch neutral und sind deswegen kein Ort mehr, an dem rechtsextremes Gedankengut gebrüllt werden darf. Und jetzt diese Banane in Basel. Sie zeigt, dass Fussballspiele ohne Rassismus nicht als gegeben angenommen werden dürfen. Nein, gegen Rassismus muss gearbeitet, diskutiert, angegangen werden. In jedem Fussballstadion dieser Welt genauso wie in unserem Alltag, in dem sich populistische Politiker darin gefallen, im Kampf gegen die ihnen so verhasste politische Korrektheit die Grenzen des Erlaubten immer weiter aufzuweichen.

Eben hat Englands dunkelhäutiger Nationalspieler Raheem Sterling zwei Storys der «Daily Mail» geteilt: Zwei Spieler kaufen ihrer Mutter ein Haus. Ein Titel lautet: «Jungstar kauft für 2 Millionen Haus für Mami». Der andere: «Junger Fussballer mit 25'000 Pfund Wochenlohn lässt sich nicht lumpen, als er für 2,5 Millionen ein Anwesen für seine Mutter kauft, ohne je in der Premier League gespielt zu haben.» Erraten Sie, wer der beiden die weissere Haut hat?

Rassismus entsteht in einer Fankurve nicht losgelöst von gesellschaftlichen Strömungen. Aber er kann dort, in diesem klar definierten Rahmen, verhindert werden. Der Südkurve ist zuzutrauen, dass sie den Wurf von Basel intern aufarbeitet. Und allen, die nicht in einer Kurve stehen, dass wir bei der nächsten Grenzritzung des Lokalpolitikers oder der Nachbarin nicht einfach weghören.

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