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Die Schwäche, die zur Stärke wurde

Der FC Zürich hat die beste Abwehr der Liga und einen nur mässig erfolgreichen Angriff. Genau umgekehrt als vor der Saison prophezeit. Nun kommts zum Duell gegen Meister FC Basel.

Erfolgreiche Kommandos: Zürichs Abwehrroutinier Alain Nef. Foto: Melanie Duchene (EQ)
Erfolgreiche Kommandos: Zürichs Abwehrroutinier Alain Nef. Foto: Melanie Duchene (EQ)

Es braucht wenig, und die Welt gerät aus den Fugen. Ein langer Ball etwa. Beim Spiel des FCZ zuletzt in Lausanne haut der Waadtländer den Ball aus dem eigenen Halbfeld über die Zürcher Spieler hinweg, die im Vorwärtsgang sind. Aus dem System wird in einem einzigen ­Augenblick Chaos, Zuordnung zu einem Fremdwort. Es folgt eine weitere Ball­berührung, und Alain Nef steht am falschen Ort. Dann legt sich Margiotta den Ball vor und schiesst. Tor. Schachmatt nach vier Zügen.

Es ist die Szene, die am Mittwoch zum 1:1 geführt hat. Eine Szene, wie sie in ihren Grundzügen noch vor Saisonstart angekündigt wurde. Der FCZ habe eine talentierte Offensive mit tollkühnen Stürmern, wenn aber eine Schwachstelle existiere, dann in der Verteidigung. Sie sei zu alt, zu langsam, zu anfällig. Nun sind 8 Spiele gespielt, und auf dem Rasen ist alles andersherum. 9 Tore hat der FCZ bisher geschossen, nur 9. Lediglich Sion und Lugano haben seltener getroffen. Aber: Der Stadtclub hat auch erst 4 Gegentore kassiert und damit die beste Defensive der Liga. Täuscht die Statistik? Oder ist die Szene aus Lausanne nicht repräsentativ?

Forte beschwichtigt

Die Antwort liegt irgendwo dazwischen. Auch Trainer Uli Forte braucht einen Moment, um sich seine Replik zurechtzulegen. «Vorne sind wir nicht so schlecht, wir kommen zu Chancen, ­machen aber die Tore nicht», sagt er. Tatsächlich sind seine Offensivkräfte verspielt, doch sie schiessen kaum, lieber tüdeln sie mit dem Ball vor dem Strafraum herum. Auch die Statistik belegt das: Keine andere Mannschaft hat in der Super League weniger oft auf das gegnerische Tor geschossen.

In der Defensive hat die Mannschaft mit dem Transfer des Dänen Rasmus Thelander an Talent und Kopfballstärke gewonnen, doch das Grundproblem besteht weiterhin. Seit dem Saisonstart lässt sich der FCZ mit wenigen Pässen aus den Angeln heben. Zischt also der Ball durch die Linien, stehen plötzlich die Verteidiger in der Dreierkette alleine da, sie müssen einen übergross wirkenden Raum zu dritt verteidigen.

Die Gründe dafür sind personen­bedingt, einerseits: Alain Nef wird nicht mehr schneller, Jagne Pa Modou ist noch nicht die erhoffte Verstärkung im Rückwärtsgang, Adrian Winter muss seine Funktion auf der Aussenposition noch finden. Andererseits ist die Durchlässigkeit auch systembedingt. Trainer Uli Forte weiss davon, er sagt, dies sei eine Folge seines offensiv ausgerichteten 3-4-3-Systems.

Forte konterkariert

Doch Forte konterkariert das Risiko und hat zu einem aggressiven Schachzug gegriffen. Er lässt seine Spieler hoch stehen und früh angreifen, um den Ball weit weg vom Tor zu halten. Es hat etwas vom Schäferzug im Schach, wie seine Spieler sofort den Gegner attackieren. Michael Frey ist dabei der erste Verteidiger. Man hat manchmal beinahe Erbarmen mit seinen Gegenspielern, wenn der Stürmer einer langhaarigen Furie gleich selbst aus aussichtsloser Position noch jedem Ball nachgrätscht. Es ist ein Zeichen an den Gegner – wir geben euch keine Zeit und Ruhe. Denn hinter Frey stossen bereits die nächsten Kollegen nach. Weil die FCZ-Spieler dies bisher vorzüglich ausführen, bleibt dem Gegner nur noch der lange Pass und damit der unkontrollierte Spielaufbau – auch Lausanne wusste sich zuletzt nicht anders zu helfen.

Doch das Spiel ist hoch riskant, denn wie beim Schäferzug und der heraus­rückenden Dame entstehen in der Abwehr Lücken, durch die der Gegner seinerseits wieder angreifen kann. Doch bisher scheint das Unterfangen meist aufzugehen. Auch, weil die meisten Mannschaften nicht in der Lage sind, das aggressive Pressing des FCZ spielerisch zu entkräften. Etwas übrigens, das der Aufsteiger seinerseits immer besser kann. Zwei Wochen lang hat Forte den Fokus auf den Spielaufbau gelegt. Wie sich der FCZ gegen Lausanne auch gegen Pressingattacken mit One-Touch-Ball­stafetten herauskombinierte, war ­sehenswert.

Nach dem ersten Viertel der Meisterschaft steht fest, dass Uli Forte dem FCZ ein Kleid verpasst hat, das ihm nicht schlecht steht. Zugleich ist da auch die Frage: Wie gut ist der FCZ wirklich? Ein guter Zeitpunkt also, nun einmal beim Meister in Basel vorbeizuschauen.

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