Die verspätete Revolution

Mit zwei Jahren Verzögerung soll die Super League reformiert werden. Es geht um Geld, Spannung – und auch um den Platz der Schweiz im europäischen Wettbewerb.

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Jetzt kommt sie also doch noch, die grosse Ligareform, die eigentlich bereits 2017 erwartet worden war. Damals war sie schon durchgerechnet worden, bloss verliess die Clubs der Swiss Football League (SFL)

im letzten Moment der Mut. Aber jetzt ist der Leidensdruck offenbar noch grösser ge­worden. Da ist etwa der neue Fernsehvertrag, der bald ausgeschrieben wird und ab Sommer 2021 gilt. Er soll der SFL im Jahr mehr einbringen als wie bislang 40 Millionen Franken. Dazu aber müsste die Liga einen Wettbewerb anbieten können, der mehr Spannung und Qualität bietet als die heutige Super League.

Der 2003 eingeführte Modus mit je zehn Clubs in der Super und der Challenge League hat dem Schweizer Fussball gute Dienste geleistet. Das Nationalteam erlebt seine stärkste Periode, der Zuschauerschnitt der höchsten Schweizer Liga hat sich im Vergleich zum Jahr 2000 verdoppelt. Und doch ist zuletzt das Gefühl gewachsen, dass sich die Zehnerliga überlebt hat. Und dies nicht allein, weil kein Fan und kein TV-Sender jubelt, wenn er viermal pro Saison Thun gegen Lugano schauen oder übertragen darf.

Der gleiche Modus wie in Österreich

Auch sportlich hat die Super League Probleme. In den letzten vier Jahren hat sich der Abstand des Meisters zum Rest der Liga ins Absurde vergrössert. Un­abhängig davon, ob der Erstplatzierte nun aus Basel oder aus Bern kam. Dahinter herrscht Beliebigkeit auf tiefem Niveau. Die sinkende Qualität schlägt sich direkt im Uefa-Ranking nieder, das darüber bestimmt, wie viele Clubs international starten dürfen. Seit 2015 ist die Schweiz hier von Rang 11 auf derzeit Platz 21 abgestürzt.

Das sind alles Gründe, warum die Vereine die Liga gebeten haben, doch noch eine Reform auszuarbeiten. Der Vorschlag ist wenig überraschend. Neu sollen zwölf statt zehn Teams in der Super League spielen. In der Challenge League wird es bei zehn Teilnehmern bleiben. Für mehr Profifussball gibt es in der Schweiz schlicht keinen Platz. Schon mit der geplanten Aufstockung wird es schwierig, genügend Clubs zu finden, die ein Budget für die Challenge League stemmen können.

Zur Erhöhung der Spannung wird die Super League nach 22 Runden geteilt. Sechs Teams spielen um den Titel und die Europacupplätze. Sechs in der «Platzierungsrunde» gegen den Abstieg. Dort steigt der Letzte direkt ab, der Zweitletzte spielt die Barrage gegen den Zweiten der Challenge League. Und der Sieger der Platzierungsrunde kämpft in einem Playoff mit einem Team aus der Finalrunde um den letzten Platz in der Europa League.

Es ist der Modus, der seit 2018 in Österreich gespielt wird. Dort werden nach 22 Runden zudem die Punkte geteilt. Darüber wird in der Schweiz zwar noch diskutiert. Aber der finanzielle Anreiz spricht für diese künstlich erzeugte Spannung. Als die Firma Hypercube die österreichische Reform durchrechnete, versprach sie den Clubs elf Millionen Franken an Mehreinnahmen nur dank der Punkteteilung. Dieses Geld können auch die Schweizer Clubs brauchen: Mit dem neuen Modus haben sie zwei Heimspiele weniger als heute.

Die 20 Vereine der SFL stimmen am 22. November über die Reform ab: Die Änderungen samt Punkteteilung dürften durchkommen. Dann gilt der neue Modus ab Sommer 2021.


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

Die Sendung ist zu hören auf Spotify, bei Apple Podcasts oder direkt hier:

Erstellt: 22.08.2019, 10:41 Uhr

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