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Die Zerreissprobe der Bayern

Nach der Blamage in Rostow spitzt sich die Krise beim deutschen Rekordmeister zu. Rummenigge wettert und Ancelotti wird bereits hinterfragt.

Der Tiefpunkt der aktuellen Saison: Die Bayern verlieren in Rostow 2:3.
Der Tiefpunkt der aktuellen Saison: Die Bayern verlieren in Rostow 2:3.
Keystone
Deutsche Medien sehen das Team vor einer Zerreissprobe. Nach der Niederlage in Dortmund zeigte sich die Mannschaft nicht als Einheit – nur vier Spieler bedankten sich bei den Fans.
Deutsche Medien sehen das Team vor einer Zerreissprobe. Nach der Niederlage in Dortmund zeigte sich die Mannschaft nicht als Einheit – nur vier Spieler bedankten sich bei den Fans.
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Nach wenigen Monaten wird Trainer Carlo Ancelotti bereits kritisiert. Er sei im Umgang mit den Spielern zu sanft.
Nach wenigen Monaten wird Trainer Carlo Ancelotti bereits kritisiert. Er sei im Umgang mit den Spielern zu sanft.
Keystone
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Karl-Heinz Rummenigge war sichtlich bedient. «Jérôme muss wieder ein bisschen mehr zur Ruhe kommen. Seit dem letzten Sommer ist mir das ein bisschen zu viel», polterte der Bayern-Boss nach dem 2:3 in Rostow in Richtung des Weltmeisters Jérôme Boateng und schob nach: «Es wäre im Sinne von ihm und des ganzen Clubs, wenn er mal wieder ein bisschen back to earth runterkommt.» Viel deutlicher hätte Rummenigge seine Unzufriedenheit mit dem verletzt ausgewechselten Innenverteidiger kaum zum Ausdruck bringen können.

Die Nervosität bei den Bayern wächst. Zwar hat sich der deutsche Rekordmeister für die Achtelfinals der Champions League qualifiziert, wird die Gruppe aber hinter Atlético Madrid auf dem zweiten Platz abschliessen. Und nach dem 0:1 von vergangenem Samstag bei Dortmund mussten die Bayern auch in der Bundesliga die Leaderposition abgeben. Der neue Tabellenführer Leipzig kann heute mit einem Sieg in Freiburg sogar für mindestens eine Nacht auf sechs Punkte davonziehen. Captain Philipp Lahm schlägt Alarm: «Noch ist nichts Dramatisches passiert, aber wir müssen Dinge einfach ändern, sonst wird es ungemütlich.»

Auch für Trainer Carlo Ancelotti wird es immer weniger kuschlig. In den ersten Spielen nach seiner Ankunft in München wurde er dafür gefeiert, die taktischen Fesseln seines Vorgängers Pep Guardiola zu lösen, nun macht sich immer mehr die Kritik breit, er würde seine Stars nicht hart genug anfassen. Einen Vorwurf, den sich der italienische Lebemann bereits während seiner Zeit in Madrid hatte anhören müssen.

Ancelotti wird hinterfragt

Zuletzt reagierten gestandene Spieler wie Arjen Robben und Thomas Müller pikiert auf Nichtberücksichtigungen, Lahm sagte nach der Niederlage in Dortmund, als er auf seine Auswechslung angesprochen wurde, sichtlich genervt: «Da müssen Sie den Trainer fragen, ich bin nicht für Auswechslungen zuständig.» Ohnehin sei die Stimmung im Team angespannt, haben die FAZ, die «Süddeutsche Zeitung» und der «Stern» unisono erkannt.

Die «Bild» sieht sich sogar veranlasst, zu hinterfragen, ob Ancelottis Methoden veraltet seien. Gegen die Generation von «Laptop-Trainern», wie ARD-Experte Mehmet Scholl die jungen Coaches nannte, habe Ancelotti grosse Mühe. Als Beispiel fungieren Ralph Hasenhüttl und Julian Nagelmann von den Überraschungsteams Leipzig und Hoffenheim. Eine Statistik von überspielten Gegenspielern der Firma Impect führt Hoffenheim mit 48 Gegnern an, gefolgt von Leipzig (47). Erst danach kommen die Bayern, mit 45 überspielten Gegenspielern pro Spiel. Ein Signal, wie schwer sich die Münchner aktuell tun.

Mit Bayer Leverkusen gastiert am Samstagabend ein Team zum Topspiel, das mit seinem aggressiven Pressing und schnellem Umschalten die Ingredienzien mitbringt, um den wankenden Riesen auszuknocken. Insbesondere, wenn die Bayern nicht ein von Lahm angesprochenes Problem sofort abstellen: «Wir sind auch im eigenen Ballbesitz nicht konzentriert. Da hat man gegen jeden Gegner Mühe.»

Die «Süddeutsche Zeitung» glaubt, Ancelottis Code für eine Wende zum Guten entschlüsselt zu haben: «Er versucht, mit seinen Spielern ein derart persönliches Verhältnis aufbauen, dass jeder Einzelne bereit ist, sich für den Trainer ‹zu zerreissen›.» Postwendend folgt aber die Frage: «Funktioniert der moderne Fussball noch so?» Das Heimspiel gegen Leverkusen wird also gleich in doppelter Hinsicht zu einer wahren Zerreissprobe.

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