Die ZSC Lions sind ein Team auf einer Mission

Die Zürcher sind rechtzeitig zum Playoff zu einer Mannschaft zusammengewachsen. Die wohl wichtigste Tugend, um Zug und Bern zu schlagen.

Mathias Seger nach dem letzten Spiel der Halbfinal-Serie. Video: Tamedia

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Playoff ist eine der besten Erfindungen im Sport. Es verzeiht keine Halbheiten, deckt Schwächen schonungslos auf. Es bietet Teams aber auch eine zweite Chance. Das Playoff kann grausam sein oder wunderbar. Die ZSC Lions loteten jüngst die ganze Palette aus.

2016 prallten sie, nachdem sie mit Jungstar Auston Matthews die Liga verzückt hatten, im Viertelfinal hart auf. Der leidgeprüfte SCB fegte sie mit 4:0 vom Eis. Nun war es umgekehrt: Waren die Berner souverän durch die Regular Season gesegelt, erlebten die Zürcher ihre turbulenteste Saison seit langem. Doch im Playoff treten sie auf wie verwandelt, eliminierten nach dem Zweiten Zug nun auch den Ersten Bern – 4:1 und 4:2.

Favoriten im Final

Spielerische Klasse garantiert einem im Playoff nichts mehr, es rücken andere Qualitäten in den Vordergrund. Es gewinnt der, der bereit ist, sich mehr für den Erfolg und die Kollegen aufzuopfern. Die Nummer 1 der Qualifikation hat in den letzten sieben Jahren den Titel nur zweimal geholt – 2014 die ZSC Lions, 2017 der SCB. Die Zürcher spielten in den letzten Wochen mit Wut im Bauch. Sie entdeckten die Tugenden des Mannschaftssports wieder. Jedem geblockten Schuss oder Check wurde auf der Bank applaudiert. Und so wuchsen sie von Spiel zu Spiel. Waren sie gegen den EVZ anfangs noch leicht aus der Bahn zu werfen gewesen, traten sie zuletzt auf wie eine gut geölte Maschine.

Das entscheidende Tor von Pius Suter. Video: Tamedia mit Material von SRF.

Grosses Lob gebührt dabei Coach Hans Kossmann, der es verstanden hat, die Last auf viele Schultern zu verteilen. Auch im Wissen darum, dass der aufwändige, temporeiche und körperbetonte Stil, den sie im Playoff pflegen, viel Kraft kostet. Der 56-Jährige hatte auch den Mut, einen Teenager wie Tim Berni ins kalte Wasser zu werfen oder auf den verspielten Inti Pestoni zu verzichten. Schien Kossmann, der die ZSC-Cracks mit seinem Vertrauen stark gemacht hat, schon auf dem Abstellgleis, hat er zuletzt markant an Profil gewonnen.

Die Meisterprüfung steht für ihn aber noch aus. Im Final gegen Lugano müssen die Zürcher aufgrund ihrer bisher glänzenden Playoff-Leistungen als Favoriten gelten. Doch nichts wäre falscher, als wie solche aufzutreten. Denn genau das hat die Lions zuletzt stark gemacht: zu spielen wie Underdogs, die es allen zeigen wollen – zu spielen wie ein Team auf einer Mission.

Erstellt: 08.04.2018, 14:19 Uhr

Artikel zum Thema

Diese Parade rettet die Lions in den Final

Video Kurz vor Suters Siegtor hat der Berner Arcobello die Entscheidung auf dem Stock. Wäre da nur nicht der ZSC-Goalie. Mehr...

«Wer ein Team täglich erlebt, spürt, was funktioniert»

Hans Kossmann über sein goldenes Händchen, mit dem er die ZSC Lions in den Playoff-Final führte. Und wieso er trotz aller Turbulenzen ganz ruhig blieb. Mehr...

Der ZSC steht im Final und trifft auf Lugano

Dank Pius Suter: Die ZSC Lions schlagen den SCB in der Verlängerung und stossen in den Playoff-Final vor. Lugano überfährt Biel 6:2. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Kommentare

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Spielvergnügen: Kinder spielen in einem 20'000 Quadratmeter grossen und zwei Kilometer langen Maislabyrinth bei «Urba Kids» in Orbe, Waadt. (22. August 2019)
(Bild: Laurent Gillieron) Mehr...