Diese grossen Gefahren lauern auf Favre

Gladbachs Schweizer Trainer erntet nach dreieinhalb Jahren erstmals Pfiffe, liegt auf dem letzten Tabellenrang und spricht von Leiden.

Ein nachdenklicher Lucien Favre.

Ein nachdenklicher Lucien Favre. Bild: Keystone

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Nach zwei Runden liegt Borussia Mönchengladbach auf dem letzten Tabellenrang. Es gibt gewisse Parallelen zur letzten Saison von Borussia Dortmund. Der BVB, der sich damals wie Gladbach heute für die Champions League qualifiziert hatte und als Titelfavorit gehandelt wurde, legte in der Meisterschaft einen Fehlstart hin, wie ihn zurzeit Lucien Favre mit seiner Mannschaft erlebt.

Nach der 0:4-Demontage in Dortmund und der 1:2-Niederlage zu Hause gegen Mainz droht Gladbach am kommenden Sonntag beim schweren Auswärtsspiel in Bremen die nächste empfindliche Niederlage. Und schon lauert die nächste Gefahr: Denn aus einer Negativspirale herauszukommen, ist ungemein schwer.

«Aber dazu muss man auch bereit sein zu leiden»

Favre, der nach dem Spiel in Dortmund anderntags ein 90-minütiges Straftraining angesetzt hatte, wechselt diesmal seine Strategie und will seine Mannschaft mit viel Arbeit und Streicheleinheiten wieder aufbauen. Man müsse positiv bleiben, auch wenn dies zurzeit nicht leicht sei. «Ich spreche richtig, wir müssen viel arbeiten. Aber dazu muss man auch bereit sein zu leiden», sagt der Romand.

Favre, der seit dreieinhalb Jahren Cheftrainer in Gladbach ist und dort eine hervorragende Arbeit abliefert, erntete im Heimspiel gegen Mainz erstmals Pfiffe von den eigenen Fans. Und dies ausgerechnet bei seinem 150. Jubiläumsspiel als Bundesligatrainer. Als der Romand, der in Deutschland auch schon Hertha BSC coachte, in der 81. Minute Hrgota für Herrmann einwechselte, machten die Zuschauer ihrem Ärger Luft. Favre zeigte dafür Verständnis: «Ich kann verstehen, dass es nicht viele verstehen konnten.»

«Das ist schon verwunderlich»

In der vergangenen Saison war Gladbach laut offiziellen Messungen noch das laufstärkste Team der Liga. Was zu denken gibt: In den beiden Startspielen gegen Dortmund und Mainz spulte die Mannschaft laut Messungen je sieben Kilometer weniger ab als der Gegner. Und es besteht die nächste Gefahr, dass sich das in nächster Zeit nicht ändert.

Denn der Mann, der in der vergangenen Saison massgeblich an den Erfolgen Gladbachs beteiligt gewesen war, galt als laufstärkster Spieler der Borussia. Weltmeister Christoph Kramer, der nach Leverkusen zurückkehrte, spulte im Schnitt sage und schreibe 12,7 Kilometer pro Spiel ab. Ein absoluter Spitzenwert, der dem Team jetzt schmerzlich fehlt.

«Wir müssen alle viel mehr laufen»

Das räumt auch der Schweizer Nationalspieler Granit Xhaka ein, der mit Kramer das defensive Mittelfeld Gladbachs geordnet hatte. «Alle haben letzte Saison gesehen, dass ich mich mit Christoph super verstanden habe. Aber es war klar, dass man Kramer und auch Max Kruse nicht eins zu eins ersetzen kann. Ich bin überzeugt, dass es aber auch mit Lars Stindl oder einem anderen Spieler passen wird. Wir müssen alle viel mehr laufen.»

«Dass diese Stärke jetzt offenbar etwas abhandengekommen ist, birgt schon eine gewisse Gefahr in sich. Christoph Kramer war der Spieler, der die Löcher stopfte und somit für eine Überzahl sorgte. Die Laufbereitschaft Gladbachs war in der letzten Saison beeindruckend. Aber ich hoffe nicht, dass die Mannschaft in dieselbe Negativspirale gerät wie Dortmund», sagt der ehemalige Goalie und Captain in Mönchengladbach, Jörg Stiel.

«Im Fussball muss man höllisch aufpassen»

Es gäbe tatsächlich Parallelen. Dortmund sei wie Gladbach heute für die Champions League qualifiziert gewesen und ebenfalls als Titelanwärter in die Saison gestartet. «Das Team des damaligen Trainers Jürgen Klopp, der den BVB zu zwei Meisterschaften und einem Pokalsieg geführt hatte, hatte nach einem miserablen Saisonstart dann prompt die grössten Probleme und steckte am Tabellenende zwischenzeitlich sogar vorübergehend in akuter Abstiegsgefahr. Im Fussball geht alles so schnell, da muss man höllisch aufpassen. Das gilt auch für Gladbach», sagt der ehemalige Nationalspieler.

Doch Stiel ist überzeugt, dass Gladbach den Turnaround schon bald schaffen wird. «Manager Max Eberl hat schon immer in weiser Voraussicht davor gewarnt, dass es einmal nicht so laufen könnte. Dass kein Spiel in der Bundesliga ein Selbstläufer sei. In Gladbach weiss man sehr wohl, dass es auch schwierige Zeiten geben kann. Und deshalb ist man darauf auch vorbereitet und nicht überrascht, so wie man das in Dortmund war. In Gladbach gerät deswegen keiner in Panik.»

Erstellt: 29.08.2015, 07:26 Uhr

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