Seferovic-Pfiffe überschatten Quali-Erfolg

Die Schweiz reist an die WM 2018! Einige Fans aber sollten mal kurz die Luft anhalten und in sich gehen.

Ein unschöner Abgang: Seferovic wird bei der Auswechslung ausgepfiffen.
Video: SRF/Tamedia-Webvideo

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Wahrscheinlich muss man sich zuerst ein paar Gedanken dazu machen: Da qualifiziert sich die Schweiz zum vierten Mal in Serie für eine Weltmeisterschaft. Und unten in der Garderobe sitzt ein Schweizer Stürmer und weint nicht aus Freude. Sondern weil ihn das eigene Publikum ausgepfiffen hat.

«Die Pfiffe gegen Seferovic sind sehr frech»: Das sagen die Schweizer nach dem Spiel gegen Nordirland. Video: Fabian Sanginés.

Natürlich hätte Haris Seferovic an diesem nassen Abend ein, zwei, vielleicht sogar drei Tore erzielen können. Doch dass er es nicht tat, lag ja nicht an seiner mangelnden Einstellung oder an fehlendem Kampfgeist. Er ist einfach nicht der grosse Skorer. Pfiffe des eigenen Anhangs dürften daran nichts ändern. Sie sind nur der erneute Beweis, dass einige Schweizer eine merkwürdige Vorstellung davon haben, was es bedeutet, Fan zu sein. Sie dürfen gerne mal kurz die Luft anhalten und in sich gehen.

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Dabei beweisen die von Seferovic vergebenen Chancen ins Positive gewendet: Diese Mannschaft kann noch wachsen. Sie macht bereits heute vieles richtig. Sie erhält wenig Gegentore, sie erarbeitet sich Torgelegenheiten. Sollte sie jetzt auch noch kaltblütig vor dem Tor werden, dann kann sie ihr grosses Ziel tatsächlich erreichen: die Viertelfinals eines grossen Turniers.

Video: Seferovics Grosschance schon in der 5. Minute

Das war der erste Ball, der schon hätte drin sein können.

Und noch in einem weiteren Punkt können die Schweizer zulegen: Immer wieder geraten sie für 15 bis 20 Minuten aus dem Tritt. Läuft es gut, wirken sie manchmal plötzlich genügsam. Und haben sie etwas zu verlieren, scheinen ihre Schritte immer wieder mal gehemmt. So, wie in den beiden Schlussviertelstunden der Spiele gegen Nordirland.

Trotzdem ist es Vladimir Petkovic gelungen, eine Mannschaft aufzubauen, die nicht nur erstaunlich stabil auftritt. Der Nationaltrainer hat auch ein Team beisammen, das seinem bei Amtsantritt formulierten Ziel immer näher kommt: Die Schweiz kann inzwischen Spiele bestimmen. Und sie kann tatsächlich Gegner ausspielen, die sich in ihrer Defensive zu verstecken versuchen.

Am Ende brauchte es gegen die untröstlichen Nordiren einen geschenkten Handspenalty, um die Entscheidung zu erzwingen. Aber das ändert nichts daran, dass sich die Schweizer Chancen zur Genüge erarbeitet haben, um beide Spiele mit mindestens 2:0 zu gewinnen. Sie waren über 180 Minuten gesehen die klar bessere Mannschaft.

Die Bilanz erzählt keine Lügen

Natürlich waren die Gegner in der Schweizer Qualifikationsgruppe mit Ausnahme von Portugal keine Übermannschaften. Trotzdem erzählt die Schweizer Bilanz von zehn Siegen, einem Unentschieden und nur einer Niederlage keine Lügen. Wie oft sind früher Schweizer Nationalmannschaften an sogenannten «kleinen» Fussballnationen verzweifelt?

Weit entfernt scheinen heute jene Zeiten. Die Schweiz ist eine Fussballnation, die von jedem Gegner ernst genommen werden muss. Was noch fehlt, ist der Beweis, dass diese Generation tatsächlich eine goldene ist. Der Beweis, dass Petkovic und seine Männer auch in einem grossen Spiel gegen einen grossen Gegner bestehen können.

Ab dem 14. Juni 2018 haben sie die Chance, den nächsten Schritt zu nehmen. Könnte es eine schönere Aufgabe geben? (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.11.2017, 07:14 Uhr

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