Diese Stars versauerten bei Manchester United

Der englische Rekordmeister hat Millionen in «Transferflops» investiert, die eigentlich riesiges Potenzial haben sollten.

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Der englische Rekordmeister Manchester United steckt in der Krise. Nach acht gespielten Runden in der Premier League stand der reichste Fussballverein der Welt nur auf dem zwölften Tabellenplatz – zwei Punkte vor einem Abstiegsplatz. Der letzte Meistertitel liegt bereits sechs Jahre zurück. 2013 feierte man den letzten Erfolg unter Coach Sir Alex Ferguson. Seit Ende der Ferguson-Ära läuft der Club seinen glorreichen Zeiten hinterher. Der Club leistete sich zudem in der Vergangenheit diverse Fehlentscheidungen in der Transferpolitik.

So zum Beispiel Paul Pogba, den der englische Rekordmeister 2012 ablösefrei zu Juventus Turin abgab, um ihn vier Jahre später für 105 Millionen Euro zurückzuholen. Der Franzose überzeugte seither aber nicht immer und gab im Sommer gar bekannt, den Verein bereits wieder verlassen zu wollen.

Oder Alexis Sanchez, der wettbewerbsübergreifend gerade mal 45 Spiele in zwei Saisons absolvierte und ein fürstliches Gehalt von rund 567’000 Pfund pro Woche verdient. Mittlerweile kickt er leihweise für Inter Mailand. Auch der Brasilianer Fred, der für rund 60 Millionen Euro von Schachtar Donezk kam und mehr Kreativität ins Spiel bringen sollte. Bisher schmort der 26-Jährige aber meist auf der Bank und kommt nur selten zum Einsatz – und wenn, weiss auch er nicht zu überzeugen.

Eine Milliarde seit 2013

Seit dem Rücktritt von Ferguson 2013 hat United über eine Milliarde Euro in neue Spieler investiert. Einige dieser Spieler erhielten das Prädikat «Transferflop» und trugen zur jahrelangen Krise bei. Darunter diverse Stars. Sie alle konnten die Erwartungen entweder nicht erfüllen oder ihre Leistungen auf dem Platz nicht abrufen.

Doch an den Spielern lag es nicht immer, denn viele der sogenannten «Transferflops» haben ihre Form nach ihrer Zeit bei Manchester United wiedergefunden und sind für ihre derzeitigen Clubs unabdingbar.

Memphis DepayOlympique Lyon

Auf die Saison 2015/16 holte der damalige United-Trainer Louis Van Gaal Memphis Depay für 34 Millionen Euro aus Eindhoven. Der Wechsel erfolgte zu einer Zeit, in welcher der Verein bereits Mühe bekundete, mit den besten Premier-League-Teams mitzuhalten. Ein Druck, mit dem der 21-Jährige noch nicht umzugehen wusste. In der Vorsaison hatte er mit dem PSV Eindhoven den Meistertitel geholt und war zudem Torschützenkönig in der holländischen Eredivisie geworden. Sein Talent liess er auch bei den Red Devils einige Male aufblitzen, doch meistens war er ein Schatten seiner selbst. In insgesamt 54 Spielen gelangen dem niederländischen Nationalspieler gerade einmal sieben Tore und neun Assists.

Doch seit dem Wechsel zu Olympique Lyon im Januar 2017 geht die Karriere des in Manchester gescheiterten Depays wieder steil nach oben. In der Rückrunde erzielte er in 18 Spielen fünf Tore und bereitete weitere acht Treffer vor. In der darauffolgenden Ligue-1-Saison traf der Flügelstürmer 19 Mal und bediente 13 Mal einen seiner Mitspieler. Nicht mehr ganz so stark, aber dennoch auffällig, präsentierte er sich in der Saison 2018/19. Er erzielte zehn Tore und ebenso viele Assists.

Aller Erwartungen entgegen, wechselte er zur Saison 2019/20 nicht erneut zu einem Top-Verein, trotz offenkundiger Wechselwünsche. Auch in der aktuellen Saison hat er bereits vier Treffer und eine Vorlage auf dem Konto. Zudem erweist sich der Niederländer auch im Nationalteam als wichtige Stütze. Gegen Nordirland leitete er mit dem späten Ausgleichstreffer die Wende ein und reüssierte ein weiteres Mal zum 3:1-Endstand.

Ángel Di MaríaParis St. Germain

Aussortiert bei den Königlichen aus Madrid wechselte Di María im August 2014 für die Rekordablöse von 75 Millionen Euro zu Manchester United. Leistungstechnisch spielte der trickreiche Flügelstürmer eine grundsolide Saison: Drei Tore und elf Assists. Es wurde ihm jedoch vorgeworfen, nicht seine volle Leistung abrufen zu können und er verstand sich auch nicht mit Trainer Louis Van Gaal.

Probleme bekundete der Argentinier aber nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz. Während des einjährigen Engagements beim Rekordmeister wurde zweimal in sein Haus eingebrochen. Di María und seine Familie wollten wieder weg aus England.

So erhielt er die Freigabe und wechselte zur Saison 2015/16 zu Paris St. Germain. In seiner ersten Saison in der französischen Hauptstadt schoss er zehn Tore und bereitete weitere 18 vor. Seit seinem Wechsel nach Paris erzielte der Argentinier in 127 Pflichtspielen 41 Tore und 45 Assists.

Romelu LukakuInter Mailand

Der belgische Vollblutstürmer hatte eine schwere Bürde, musste er doch den nach Amerika abgewanderten Zlatan Ibrahimovic ersetzen. In der Saison 2017/18 bewies Lukaku noch seine Stürmerqualitäten. Er erzielte trotz José Mourinhos Defensivfussballs wettbewerbsübergreifend 27 Tore und sorgte für sieben Torvorlagen.

In seiner zweiten Saison war er zwar immer noch für die meisten Tore verantwortlich, hatte aber mit Kritik an seiner Person und teilweise mit Übergewicht zu kämpfen. Der Belgier war auch einer der Spieler, der den Rauswurf Mourinhos beklagte. Beim neuen United-Trainer Ole Gunnar Solskjaer stand er schnell auf dem Abstellgleis.

Nun hat sich Lukaku Inter Mailand angeschlossen. Bereits im ersten Freundschaftsspiel traf er viermal beim 8:0-Sieg über das unterklassige Virtus Bergamo. In der aktuellen Saison steht der Belgier bereits bei drei Toren in sieben Spielen. Ein fader Beigeschmack bleibt aber: Lukaku wurde bereits zweimal Opfer von rassistischen Angriffen in Italien. Die Form auf dem Platz scheint aber wieder zu stimmen, während bei United mit Hochdruck ein neuer Stürmer gesucht wird.

Alexis SanchezInter Mailand

Von Liga-Konkurrent Arsenal holte Manchester United auf die Saison 2017/18 Alexis Sanchez und zahlte dem Chilenen wöchentlichen 567’000 Euro. Der wirblige Flügel hatte aber während seiner Zeit bei United immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen. Ähnlich wie bei Di María wurde auch ihm mangelnde Einsatzbereitschaft vorgeworfen, wenn er mal spielte. In nur 45 Pflichtspielen sammelte der chilenische Nationalspieler gerade einmal 14 Skorerpunkte.

Auf diese Saison hin wechselte der 30-jährige Sanchez per Leihe zu Inter Mailand. In Italien angekommen, überzeugte er zwar bei seinem Debüt für die Nerazzurri mit zwei Toren, doch musste er den Platz vorzeitig aufgrund eines Platzverweises verlassen.

Zurück zu den Wurzeln

Im Sommer hat United insgesamt 160 Millionen Euro in neue Spieler investiert. Unter anderem wurde mit Harry Maguire der teuerste Verteidiger der Welt für 85 Millionen Euro geholt. Von Crystal Palace wurde Aaron Wan-Bissaka für 55 Millionen und von Zweitligist Swansea City Daniel James für 17 Millionen Euro eingekauft.

Vor allem mit James und Wan-Bissaka hat der Verein zu seinen Wurzeln zurückgefunden. Beides sind Spieler, die sich mit guten Leistungen in kleinen Clubs in den Vordergrund spielten und nun den nächsten Schritt in ihrer Karriere wagten. Ein Rezept, das sich in der Ferguson-Ära bewährt hat. Beispiele dafür sind Rio Ferdinand, Nemanja Vidic, Nani oder Edwin Van der Sar. Spieler, die den Verein über Jahre hinweg mitgeprägt haben.

Nun kommt mit der Partie gegen Liverpool, dem bisher ungeschlagenen Leader der Premier League, ein richtungsweisendes Spiel, welches offenbaren wird, wie es beim kriselnden Rekordmeister weitergehen wird, oder wer die Red Devils aus der Krise schiessen kann.

Erstellt: 20.10.2019, 14:32 Uhr

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