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«Don Hennes» und der Zyniker

Der Stardirigent Karajan bei GC – und beim FCZ einer in der Après-Ski-Kleidung.

1983 Meister und Cupsieger mit GC - drei Wochen später starb Hennes Weisweiler an einem Herzinfarkt. (Bild foto-net)
1983 Meister und Cupsieger mit GC - drei Wochen später starb Hennes Weisweiler an einem Herzinfarkt. (Bild foto-net)

Ein Name, Hennes Weisweiler, ist plötzlich wieder präsent. Weil er in diesen Tagen seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte. Weil er auch sonst ständig erwähnt wird im Zusammenhang mit Borussia Mönchengladbach, bis zum Sonntag überraschender Leader in der Bundesliga und der Verein, der romantische Gefühle weckt. Er machte den Club einst zu dem, was er heute ist, elf Jahre war er dort gewesen – ein Rekord. Gladbach ist heute fast ein Schweizer Team, mit 4 von 11, die zum Stamm gehören. Und er, Weisweiler, hat eine Schweizer Vergangenheit.

Er war einer der Trainer, die den Fussball wie nur wenige prägten, ein Prophet des kreativen und schönen Spiels. Als ihn 1982 die Grasshoppers verpflichteten, stand im «Tages-Anzeiger», es sei so, als käme der Stardirigent Karajan zur Metallharmonie Oberholzheim, als Anspielung auf den Präsidenten Karl Oberholzer, der diesen Coup möglich gemacht hatte.

«Don Hennes» wurde er genannt. Weisweiler, als Spieler ein beinharter Verteidiger und Zerstörer, war als Trainer ein Visionär, förderte die Jungen, von einem Lehrer des Fussballs sprach man, er dozierte an der Kölner Sporthochschule und schrieb viel beachtete Kolumnen. Eine grössere Persönlichkeit gab es im Schweizer Fussball kaum einmal.

Es war für Weisweiler nur eine kurze Zürcher Zeit, eine erfolgreiche, weil GC damals noch ein erfolgreicher Club war, er wurde Meister und Cupsieger, aber leider auch eine traurige: Zürich blieb Weisweilers letzter Ort, er starb mitten im Leben, erst 63 – sein Herz hörte plötzlich auf zu schlagen, drei Wochen, nachdem er Cupsieger geworden war.

In der Zeit mit Weisweiler gab es auch diese kurze Episode im Zürcher Fussball. Der FCZ war in Not. Max Merkel, das Gegenteil von Weisweiler – ein Sprücheklopfer, Zyniker und Selbstdarsteller, der Fussball nur als Unterhaltung sah –, machte mit seiner Familie Skiferien auf der Lenzerheide. Er bekam an einem Abend einen Anruf, einer meldete sich mit «Honegger»; und Merkel dachte an den damaligen Staatschef der DDR und fragte sich, was er denn jetzt wieder verbrochen habe, dass sie ihn da suchen würden. So erzählte er es wenigstens. Am Telefon war Roland Honegger, der Finanzchef des FC Zürich.

In Après-Ski-Kleidung stand Merkel anderntags auf dem Trainingsplatz im Letzigrund – 30 Tage später war er wieder entlassen, nach einem 1:5 im Cup gegen das GC von Hennes Weisweiler. «Warum liessen sie mich nicht in Ruhe Ski fahren, statt hier den Lukas zu spielen, auf den Hennes draufhaut», lästerte er zum Abschied.

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