Ein 16-Jähriger, der Millionen fordert

Barcelona verliert mit Xavi Simons eines seiner grössten Talente an Paris. Wirklich traurig ist bei den Spaniern aber niemand. Oder wird der Transfer schöngeredet?

Sieht aus wie Puyol, hat die Technik von Ronaldinho und die Übersicht von Iniesta. So wird Xavi Simons in den sozialen Medien gefeiert. Video: Twitter

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es gibt ein Bild von Xavi Simons, auf dem er mit Captainbinde und im Barcelona-Trikot inmitten seiner Teamkameraden steht und eine energische Ansprache hält. Das Bild ist schwarzweiss. Eigentlich. Nur Simons erstrahlt in Farben, das Foto ist auf seinem Instagram-Profil zu sehen. Dort findet man auch: ein eigenes Logo, 1,7 Millionen Follower, Bilder mit Neymar und eine lange Abschiedsbotschaft. Normales Fussballer-Profil eben.

Ein solcher ist auch Simons. Allerdings einer, der die ganz grosse Bühne noch nicht erklommen hat. Simons ist 16 und ziemlich talentiert, er eifert Namensvetter Xavi Hernandez nach, nachdem er auch benannt ist. Tricks mag er nicht, sagt er, er würde auch lieber Tore vorbereiten, als solche zu erzielen. In naher Zukunft wird er das aber nicht in Spanien tun, sondern in Frankreich, Simons wechselt auf diese Saison hin zu den Junioren von Paris St.-Germain. Darum die Abschiedsbotschaft, vermutlich vom eigenen Medienteam verfasst.

16 Jahr, Instagram-Star

Auf den ersten Blick ist es ein Wechsel, der Fragen aufwirft. Zwar dürfen Spieler ab 16 Jahren Profiverträge unterschreiben, aber warum bemüht sich Barcelona kaum, eines seiner grössten Talente zu behalten? Und lässt es zu einem Verein gehen, der sich selbst schon seit Jahren als zukünftiger Gewinner der Champions League – und somit als direkter Konkurrent – sieht? Nun, der Wechsel hat so seine Gründe.

Bei den Katalanen, so erzählen es die Zeitungen, ist man sich nämlich sicher, bei diesem Geschäft nicht der Verlierer zu sein. Es sei nicht ganz einfach gewesen mit Simons, dem holländisch-spanischen Doppelbürger, der seit Jahren eine grosse Fangemeinde hinter sich weiss und zum Instagram-Star wurde. Gelinde gesagt soll ihm seine Popularität etwas zu Kopf gestiegen sein, der junge Mann sei ein Star neben dem Platz, aber keiner darauf, sagt ein Junioren-Trainer.

Wo Forderungen sind, ist Raiola

In Barcelona haben sie sich gar überlegt, ihm keinen neuen Vertrag anzubieten, taten es dann aber doch. Als vierte Priorität, drei Spieler wurden in den Zukunftsplänen als wichtiger eingestuft. Barça bot 200'000 Euro, das Standardgehalt für Spieler der Jugendakademie La Masia. Simons wollte mehr.

Und da kommt ein altbekannter Kerl ins Spiel: Mino Raiola, der Berater unter den Beratern, wer einen Spieler von ihm im Kader hat, der weiss, dass schnell mal ein Wechselwunsch oder eine Gehaltsforderung kommt. Zu Raiolas Klientel gehören unter anderem Zlatan Ibrahimovic, Paul Pogba und Mario Balotelli. Aber auch talentierte Jungspunde wie Gianluigi Donnarumma, Moise Kean oder Justin Kluivert. Und eben Xavi Simons.

Mit den Vertretern von PSG soll Raiola für Simons ein Bruttogehalt von einer Million Euro jährlich ausgehandelt haben. Zu viel für Barcelona, das Simons nun ziehen lässt. Ohne Herzschmerz oder mit viel Schöngerede. Denn neue Xavis, Messis und Ronaldos gibt es immer wieder. Wie Martin Ödegaard. Oder Bojan Krkic. Oder Alen Halilovic. Oder Freddy Adu. (mro)

Erstellt: 25.07.2019, 12:09 Uhr

Artikel zum Thema

Messis Sohn jubelt für Real und Liverpool

Hängt da der Haussegen etwas schief? Der Zauberfloh gesteht in einem Interview, der dreijährige Mateo feiere jeweils die Tore der Gegner von Barcelona. Mehr...

Die Gründe für das erneute Barça-Debakel

Video Wie vor einem Jahr macht sich der FC Barcelona in der Champions League lächerlich. Die Parallelen und Unterschiede zu damals. Mehr...

Die zwei ungewöhnlichen Helden von Liverpool

Video Divock Origi und Georginio Wijnaldum waren in dieser Saison keine Hauptdarsteller bei den Reds. Gegen Barcelona trumpften sie auf. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Kommentare

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Kampf gegen das Aussichtslose: In Kalifornien versuchen die Feuerwehrleute immer noch das Ausmass der Buschfeuer einzugrenzen. (11. Oktober 2019)
(Bild: David Swanson) Mehr...