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Ein Abstieg, der glücklich macht

1860 München hat sich in der Viertklassigkeit neu erfunden. In der 2. Bundesliga eine graue Maus, begeistert der Traditionsverein wieder.

Ständig ausverkauft: 12'500 Fans dürfen noch ins Grünwalder Stadion - früher waren es doppelt so viele.
Ständig ausverkauft: 12'500 Fans dürfen noch ins Grünwalder Stadion - früher waren es doppelt so viele.
Keystone

Erst war der Sturz von 1860 München in die viertklassige Regionalliga Süd ein Schock für die Fans. Inzwischen aber ist er vor allem eines: ein Segen. Die in der riesenhaften Allianz-Arena draussen in Fröttmaning unglücklichen Sechziger sind zurück im angestammten Grünwalder Stadion im Stadtteil Giesing. Dort, wo auch ihre Anhänger leben. Dort, wo sich der legendäre Trainer Karsten Wettberg 1991 nach dem Aufstieg in die 2. Bundesliga bis auf die Unterhosen auszog und knapp bekleidet dem Bayerischen Rundfunk ein Interview gab.« Mit der Rückkehr zu seinen Wurzeln hat der Club ein ganzes Stadtviertel wieder für sich entdeckt», schreibt die Tageszeitung «tz».

War der TSV 1860 im Profibereich trotz Finanzspritzen des eigenwilligen jordanischen Investors Hasan Ismaik und grosser Namen wie Ivica Olic im Team nur mehr eine graue Maus, begeistert er in der Regionalliga die Massen. 40 Treffer haben die Löwen in den ersten 16 Partien erzielt, der Vorsprung auf den ersten Verfolger, die Zweitvertretung des FC Ingolstadt, beträgt vor dem heutigen Stadtderby gegen die Amateure des FC Bayern acht Punkte. Doch mit dem Aufsteigen hat es niemand eilig.

1860 München geniesst es, einmal so aussergewöhnlich wie die ungeliebten Bayern zu sein. Wenn auch drei Klassen tiefer. Wann immer die Sechziger in der Provinz zu einem Auswärtsspiel auftauchen, herrscht Volksfeststimmung. Zudem würde spätstens bei einer Rückkehr in die 2. Bundesliga die Stadionfrage wieder zum Problem. Das Grünwalder Stadion ist zwar romantisch, aber eben auch veraltet und schon jetzt gar nicht nach dem Geschmack des DFB. Die Löwen-Fans halten sich bis jetzt allerdings vorbildlich an die vor der Saison selbst auferlegte Verpflichtung, auf jegliche Randale zu verzichten.

Die Ultras riefen in einem offenen Brief sogar dazu auf, das Viertel ums Stadion sauber zu halten. «Wir nehmen Rücksicht auf die Anwohner, deren Lebenssituationen und Eigentum. Dies gilt es zu respektieren! Ganz konkret: Wir vermüllen unser Viertel nicht mit Flaschen, Pizzakartons oder Verpackungsmaterial von Fastfoodimbissen! Wir zerdeppern keine Glasflaschen, kleben keine Aufkleber auf Privateigentum und biesln nicht in Hauseinfahrten oder an Gartenzäune», heisst es dort.

Die Stimmung beim TSV 1860 ist bestens in diesen Tagen, und die bunt gemischte Mannschaft erfüllt die in sie gesetzten Erwartungen ausgezeichnet. Zum erfolgreichen Regionalliga-Kader zählen ehemalige Bundesligaprofis wie der latent übergewichtige Torjäger Sascha Mölders oder Mittelfeldmann Timo Gebhart, aber auch ein Schweizer: Nicolas Andermatt. Der Sohn des früheren Nationalspielers und Ulmer Bundesliga-Coachs Martin Andermatt stiess im Sommer 2015 von Zug 94 zu den Münchnern und hat sich nach der Zwischenstation Burghausen unter Trainer Daniel Bierofka zum Leistungsträger entwickelt.

An die Bayern-Amateure hat Andermatt gute Erinnerungen. Beim letzten Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften in der vergangenen Saison erzielte er einen der beiden Treffer zum 2:0-Sieg seiner Elf. Immerhin 5646 Zuschauer wollten das kleine Derby damals sehen. Heute wird das Grünwalder Stadion mit 12'500 Fans ausverkauft sein, der Sender Sport 1 überträgt das Spiel zudem live im Fernsehen.

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