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Ein Brasilianer schiesst die Schweiz zum Sieg

Dank einer geschlossenen und kämpferischen Mannschaftsleistung besiegt die Schweiz die Seleção mit 1:0. Den einzigen Treffer erzielt ein Brasilianer: Dani Alves trifft in der 48. Minute mit dem Kopf ins eigene Tor.

Jubel über das einzige Tor des Abends: Shaqiri (l.) und Flankengeber Seferovic.
Jubel über das einzige Tor des Abends: Shaqiri (l.) und Flankengeber Seferovic.
Keystone
Der Superstar konnte sich in Basel nicht entfalten: Senderos (r.) bremst Neymar.
Der Superstar konnte sich in Basel nicht entfalten: Senderos (r.) bremst Neymar.
Reuters
Geschlossene Mannschaftsleistung: Das Team bedankt sich nach dem Sieg bei den Fans.
Geschlossene Mannschaftsleistung: Das Team bedankt sich nach dem Sieg bei den Fans.
Keystone
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Siege gegen grosse Nationen sind für die Schweiz gar nicht mehr so selten. Sie hat vor drei Jahren an der WM Spanien geschlagen und vor 14 Monaten Deutschland bezwungen. Aber ein Sieg gegen Brasilien ist immer noch etwas ganz Grosses für die SFV-Auswahl. Entsprechend ausgelassen feierten die 31'100 Fans im St.-Jakob-Park die Mannschaft – und die Spieler begaben sich auf eine Ehrenrunde. Das ist in einem Testspiel nicht die Norm. Es war der Schweiz vorbehalten, den fünffachen Weltmeister und Confederations-Cup-Sieger nach dessen Serie von sechs Siegen als erstes Team nach elf Partien ohne Niederlage wieder zu schlagen. Und die Schweizer selbst verlängerten ihre Serie der Ungeschlagenheit auf zehn Partien. «Wir sind sehr kompakt gestanden und haben gute Defensivarbeit geleistet», analysierte Coach Ottmar Hitzfeld. Sein Team ist nun schon seit 391 Minuten ohne Gegentreffer.

Der Sieg war absolut verdient, auch wenn er letztlich glückhaft zustande kam, weil das Tor ganz und gar nicht alltäglich war. Haris Seferovic setzte sich auf der rechten Seite durch und seine Flanke von der Grundlinie köpfte Dani Alves unbedrängt aus acht Metern mit dem Kopf unter die Latte ins eigene Tor. Ausgerechnet dem mit 70 Länderspielen und zwei Champions-League-Siegen routiniertesten Spieler auf dem Rasen war dieser Fehler unterlaufen. Das Tor fiel in der besten Viertelstunde der Schweizer. Sie setzten nach dem Treffer nach und den Gegner nachhaltig unter Druck. «Wir haben uns nicht versteckt», sagte Ottmar Hitzfeld.

Trikottausch zur Pause

Schon zur Pause wechselten die ersten Schweizer mit der Prominenz aus Brasilien die Trikots. Blerim Dzemaili bekam das Shirt des brasilianischen Captains Thiago Silva. Xherdan Shaqiri tauschte mit seinem Bayern-Clubkollegen Luiz Gustavo. So freundschaftlich wie beim Pausentrott ging es auf dem Rasen sonst nicht zu. Die beiden Mannschaften setzten um, was ihre Trainer vor dem Spiel angekündigt hatten. Dieses Duell war kein Freundschafts-, sondern ein wichtiges Testspiel. Das Spiel wurde von beiden Seiten hart geführt, die Grenzen der Fairness wurden oft mehr als bloss geritzt. Die Intensität in den Zweikämpfen kam den Schweizern, etwas unerwartet, mehr entgegen. Sie kamen nach einer zögerlichen ersten Viertelstunde zu ihren Chancen und begegneten den Brasilianern auf Augenhöhe. Blerim Dzemaili hatte nach einem Zuspiel von Valentin Stocker eine erste Gelegenheit (15.), sein Schuss wurde jedoch abgeblockt. Eine gute Viertelstunde später warfen sich gleich zwei Brasilianer erfolgreich in die Abschlüsse von Stocker und Dzemaili, davor und danach versuchte es Xherdan Shaqiri mit Weitschüssen, einmal zwang er Goalie Jefferson zu einer Parade (43.). Nach dem Führungsstor hatten die einzige gefährliche Chance nicht die zur Reaktion gezwungenen Brasilianer, sondern Haris Seferovic, der nach einer Slapstickeinlage von Jefferson kurz vor der Torlinie noch abgedrängt wurde (52.).

Alle diese Szenen sind Dokument einer über fast die ganze Spielzeit guten Leistung der Schweizer. Shaqiri war der auffälligste Schweizer, Valon Behrami mit seiner Zweikampfstärke der effizienteste und beste. Blerim Dzemaili, der anstelle des im nächsten WM-Qualifikationsspiel gesperrten Gökhan Inler von Beginn weg spielte, versuchte Dynamik aus dem Mittelfeld heraus zu erzeugen, er kam tatsächlich zu seinen Chancen, streute aber auch zwei, drei gefährliche Abspielfehler in der eigenen Platzhälfte ein. Dzemaili selbst bewertete sein Spiel als «eines der besten» in der Nationalmannschaft. Seine Leistung war stark, doch den Nachweis, dass er neben dem grossen Kämpfer Behrami der Stratege im Schweizer Spiel sein kann, lieferte er noch nicht.

Der Einfluss von Granit Xhaka war überschaubar, der Gladbach-Professional fiel einzig bei drei, vier Distanzschüssen auf. In der Innenverteidigung blieb Timm Klose ohne Fehler. Partner Philippe Senderos hatte in der starken Startphase der Brasilianer Mühe mit dem schnellen und wendigen Neymar. Nach der Pause kam Fabian Schär zu seinem Debüt, eine Beurteilung ist schwierig, weil die Brasilianer in den zweiten 45 Minuten wenig zustande brachten. Seferovic hatte im Sturmzentrum kaum brauchbare Bälle, versuchte aber das prominente gegnerische Innenverteidigerduo Thiago Silva und Dante mit viel Laufarbeit zu beschäftigen. Und er war es, der von der Grundlinie die Flanke schlug, die Dani Alves ins eigene Tor köpfte.

Neymar erfüllte die Erwartungen nicht

Die Brasilianer waren im St.-Jakob-Park mit einer Mannschaft angetreten, die zu 9/11 identisch war mit dem Team, das am 30. Juni mit dem 3:0 gegen Spanien den Confederations-Cup gewonnen hatte. Es kam mit der Statistik von sechs Siegen in Folge und 11 Partien ohne Niederlage im Gepäck in die Schweiz. Diesen Zahlen wurde die Seleção aber nur in der Startviertelstunde gerecht. Es war die Phase, in der Neymar seine Tricks zelebrierte, Paulinho und Luiz Gustavo im Mittelfeld das Spiel der Schweizer im Keime erstickten und Stürmer Hulk zu zwei frühen Chancen kam.

Doch just als Neymar und Marcelo mit unnötigen Scharmützeln die Atmosphäre aufheizten, entglitt den Brasilianern die Kontrolle. Vor allem der neue Barcelona-Superstar Neymar, auf den so viele Augen gerichtet waren, verschwand zunehmend aus dem Fokus. Als überragender Akteur des Confederations-Cups war er gekommen, als etwas missmutige und vom Publikum nach der Pause wiederholt ausgepfiffene Diva verliess er den St.-Jakob-Park.

Schweiz - Brasilien 1:0 (0:0)

St.-Jakob-Park. - 31'100 Zuschauer. - SR Aytekin (De). - Tor: 48. Dani Alves (Eigentor/Seferovic) 1:0.

Schweiz: Benaglio; Lichtsteiner (62. Lang), Senderos (46. Schär), Klose, Rodriguez; Behrami, Dzemaili (75. Schwegler); Shaqiri (86. Mehmedi), Xhaka, Stocker (46. Barnetta); Seferovic (75. Gavranovic).

Brasilien: Jefferson; Dani Alves (67. Jean), Thiago Silva, Dante, Marcelo (57. Maxwell); Paulinho, Luiz Gustavo (57. Fernando); Hulk (62. Lucas), Oscar (59. Hernanes), Neymar; Fred (57. Jo).

Bemerkungen: Schweiz ohne Djourou (verletzt), Derdiyok, Drmic, Ziegler, Emeghara (alle nicht im Aufgebot). Nicht eingesetzt: Wölfli, Sommer, Von Bergen, Inler. Länderspiel-Debüts von Schär und Lang. 38. Kopfball von Paulinho gegen die Latte. Verwarnungen: 11. Senderos (Foul), 23. Neymar und Behrami (unsportliches Verhalten). 83. Fernando, 90. Schwegler (Foul).

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