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Ein Exil, zwei Coups und etwas Bohnen

Die erste Cuprunde bietet wieder einmal eine Handvoll wunderbarer Geschichten aus dem fruchtbaren Boden des Amateurfussballs.

Die Gäste führen nach 69 Minuten bereits mit 10:0, der Finger von GC-Spieler Albion Avdijaj (links) steigt entsprechend selbstbewusst in die Höhe.
Die Gäste führen nach 69 Minuten bereits mit 10:0, der Finger von GC-Spieler Albion Avdijaj (links) steigt entsprechend selbstbewusst in die Höhe.
Keystone

Cup ist, wenn die Grossen gegen die Kleinen spielen, wenn es unerwartete Derbys und noch unerwartetere Sieger gibt. All dies war dieses Wochenende der Fall. Ein Überblick.

FC Zürich

Die Angstfrage

Drei Tage vor dem Spiel gegen den FC Zürich treffen sich die Fussballer von Chippis noch im Wohnzimmer eines ­Mitspielers, um den FCZ am Fernseher zu scouten. Der umtriebigen Offensive bloss keinen Raum zur Entfaltung ­lassen, lautet eine Erkenntnis. Vor der Partie befragt zudem die Lokalpresse die Spieler, vor welchem FCZ-Akteur sie denn am meisten Angst hätten.

Ein paar wenige nennen Andris ­Vanins, weil der Goalie mit Sion-Vergangenheit der ihnen einzig präsente Zürcher ist. Das Gros der Amateure aber antwortet: «Dwamena.» Der junge Stürmer also, für den Premier-League-Aufsteiger Brighton 10 Millionen Franken ausgeben will. Dass die Dwamena-­Phobie des Unterklassigen nicht unbegründet ist, beweist der 21-Jährige ziemlich schnell. Nach 35 Minuten steht er bei drei Toren und zwei Assists.

Der FCZ kombiniert, und Chippis kollabiert. 0:6 steht es aus Sicht des Teams aus der 2. Liga interregional zur Pause, nach 55 Minuten verabschiedet sich Dwamena. Der Favorit gewinnt 10:0. Und vielleicht würden einige Chippis-Spieler bei der Angstfrage nun gar einen anderen Namen nennen. Nämlich jenen von Dzengis Cavusevic. Er trifft an diesem Nachmittag fünfmal. (cst)

GC

Hattrick innert drei Minuten

Den Anstoss im freiburgischen Romont übernimmt Johann Vogel, der einstige GC- und Nationalspieler. Und als der 40-Jährige samt Sprössling wieder vom Rasen eilt, kann da bei einem GC-Fan schon einmal Wehmut aufkommen. Denn einen wie ihn könnte der Rekordmeister gegenwärtig gut gebrauchen.

Einen Spieler, der es versteht, das Mittelfeld zu dirigieren. Einen, den es seit dem Abgang von Kim Källström bei GC nicht mehr gibt. Die Entstehung des ersten GC-Treffers an diesem Nach­mittag sagt dann auch viel über das Selbstvertrauen des Rekordmeisters aus: Da steht Stürmer Albion Avdijaj alleine vor dem gegnerischen Goalie; statt aber selbst zu schiessen, entscheidet er sich, auf Valon Fazliu zu warten und diesen per Querpass zu bedienen.

Uneigennützig, kann man sagen. Dass er nicht schon wieder scheitern wollte, ist wohl die passendere Erklärung. Die Führung gegen den Club aus der 2. Liga interregional tut gut, bald fallen die Tore zwei und drei. Und weil später Florian Kamberi innert drei Minuten auch noch ein Hattrick gelingt, siegen die Grasshoppers letztlich 10:0. Johann Vogel wird es freuen. Nächster Gegner ist Biel. (cst)

Die Derbys

Bern feiert, Luzern schmollt

Eigentlich darf der FC Breitenrain keine Instrumente oder Megafone in sein Stadion lassen, seit sich einige Anwohner über den Lärm an Spieltagen beklagt haben. Doch am Samstag sind Lärmsorgen für einmal unbegründet, für das Cup-Derby hatte die Gewerbepolizei eine Ausnahmebewilligung erteilt.

YB hat sich angekündigt, der grosse Nachbar, mit einem Bus nimmt die Super-League-Equipe die fünfminütige Strecke in den Spitalacker auf sich – dort, wo YB Anfang des 20. Jahrhunderts einst selbst zu Hause gewesen war. 6000 Menschen kommen und feiern, zig andere schauten aus ihren Fenstern zu, wie YB mitten im Wohnquartier 3:0 gewinnt.

Etwas neidisch dürften darum die Menschen aus der Stadt Luzern nach Bern geblickt haben. Auch sie können sich über ein Derby freuen, und doch zeigen sich viele erzürnt darüber. Die Geschichte geht so: Der Stadionsprecher in der Swisspor-Arena begrüsst im ­Namen des Gastgebers Kriens den Gast FC Luzern. Ist doch verkehrt herum? Richtig.

Doch Kriens renoviert gerade sein Stadion, spielt im Exil in Emmenbrücke und hat wegen der Sicherheitskosten für die eine Partie ins (zu) grosse Super-League-Stadion gewechselt.

150 FCL-Fans boykottieren das Spiel, weil sie den Cup mit einem netten Ausflug in die Provinz verbinden. Nur liegt es wohl auch an ihrem Verhalten in der Vergangenheit, dass die Krienser den Mut nicht aufbringen, ein Fussballfest in der Agglo zu organisieren. An der Luzerner Hierarchie ändert sich an diesem Tag nichts. Der FCL gewinnt knapp 1:0.

Das dritte Derby ist in seiner Dimension wieder etwas kleiner. Concordia ­Basel spielt gegen Old Boys, 2. Liga gegen Promotion League. Drei Kilo­meter liegen die beiden Clubs in Basel auseinander – leistungsmässig etwas mehr. Old Boys gewinnt 7:2. (tmg/czu)

Die Grossen

4 Millionen für Sion

Tatsächlich – wie angekündigt ist für Christian Constantins Ferrari hinter dem Clubhaus von Gränichen ein Parkplätzchen reserviert, ein Schildchen mit seinem Namen weist daraufhin. Also parkiert der Sion-Präsident darin sein rotes Gefährt und sieht wenig später, wie seine Mannschaft Gränichen 9:1 schlägt.

Wichtiger ist da eine andere Nachricht. Moussa Konaté fehlt, der Stürmer wechselt zu Amiens in die Ligue 1. Vier Millionen Franken sollen die Walliser für den Transfer bekommen. Ersatz ist bereits gefunden, von Bastia kommt der guinesische Nationalspieler Sadio Diallo.

Cupverteidiger Basel reist nach Bonstetten. Dort nimmt der unterklassige Gegner vor dem Spiel im Restaurant Löwen Reis, Bohnen und Schnitzel zu sich (der Beaujolais bleibt ungenossen in der Flasche). Das Mahl soll Kraft geben, das tut es – nur nicht stark genug. Trotz zäher Gegenwehr gewinnt Basel 2:0. (czu)

Die Kleinen

Der idealistische Boykott

Am Anfang des Sommers stand eine Schifffahrt auf dem Greifensee, es folgte ein Kurztrainingslager vergangenes Wochenende, und wie das so ist mit Motivationsübungen, manchmal helfen auch sie.

Bassersdorf gelingt der Einzug in die nächste Runde mit einem 2:1-Sieg gegen Taverne. Damit darf der Club auf weitere Ausflüge in die Welt der kleinen Psychoplanspielchen hoffen. Gegner ist nun der FC Zürich. Wie im Jahr 2013, damals noch in der ersten Cuprunde.

Etwas Übung hatten sie ja für solche Volksaufläufe. Die Rede ist von den Spielern des Rütemer «Fanionteams» (ja, das ist prächtiger Amateurfussballjargon). Vor Wochen war der FC Zürich zu Gast bei einem Plauschkick, 1050 Leute ­kamen, nun sind es 850 gegen den FC Schaffhausen. Hoffnungen gibt es ­zuhauf, doch sie sind schnell zunichte, bereits nach sieben Minuten führt der Favorit 2:0. Am Ende taucht Rüti 0:5.

Die Kleinsten an diesem Wochenende sind die Fussballer aus Montfaucon, ein Club aus der 5. Liga, der durch die Fairplay-Wertung in die Cup-Hauptrunde gerutscht ist. Die Mannschaft ist voll von Querdenkern, die dem Cup-Trubel wenig abgewinnen können.

Der Konsequenteste unter ihnen sagte dem «Blick»: «Der Match gegen Xamax widerspricht unserer Clubphilosophie. Mit dieser Begegnung, dieser Show werden wir ein Teil des Fussballbusiness. Ein Geschäft, bei dem sich alles nur ums Geld dreht. Das ist nicht meine Welt­anschauung. Deshalb werde ich gegen Xamax nicht spielen.» Offenbar hat der Mann gefehlt, sein Team ging mit 0:21 unter. (czu)

Die Überraschungen

Der arme Aargau

Dem Ticker der «Aargauer Zeitung» geht noch während des Spiels das Temperament durch, derart stark erschüttert ihn die Leistung des FC Aarau. Leserkommentare werden dort in Echtzeit aufgenommen, es ist also zu lesen: «In Aarau werden erst noch drei Trainer entlassen, ehe auch irgendeiner mal auf die Idee kommt, dass es eher an der sportlichen Leitung liegt.»

Und als das Ausscheiden gegen Echallens noch etwas näher rückt: «Ich sehe es positiv, nun kann man sich besser auf die Mission Ligaerhalt konzentrieren ...» Den Fatalismus werden die Anhänger des FCA in der Bewältigung der Niederlage brauchen. Aarau verliert gegen den Erstligisten Echallens 1:2 und scheidet aus.

Die Mannschaft hat seit fünf Spielen nicht mehr gewonnen, Trainer Jurendic ist angezählt. Es wird sich nun zeigen, ob das Ticker-Orakel in Erfüllung geht. Die zweite Überraschung des ­Wochenendes kommt ebenfalls aus dem Kanton Aargau. Linth (2. Liga interregio) gewinnt mit Trainer Roland Schwegler (Ex-GC) gegen Wohlen aus der Challenge League. (czu)

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