Ein Fussballclub für eine Verschwörungstheorie

Ein 32-jähriger Präsident tauft seinen Fussballverein um. Weil er glaubt, die Erde sei eine Scheibe.

In einem Video präsentierte Javi Poves seine Idee.

In einem Video präsentierte Javi Poves seine Idee.

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Fast acht Minuten dauert das Video, das Javi Poves unlängst auf Youtube publiziert hat. Javi Poves ist 32 Jahre alt, das Haar gepflegt zerzaust, die Augen strahlend blau, bis 2011 war er Berufsfussballer. Der Titel des Videos lautet «Presentación Flat Earth FC». Doch während sechseinhalb Minuten ist nur Javi Poves zu sehen, als Baby mit seinem Vater, als Kind im Superman-Kostüm, als Jugendlicher im Fussballdress. Es geht in diesem Video also vor allem um: Javi Poves. Und der hat in Mostoles gerade eine Bestmarke in Sachen Absurdität gesetzt, wohl weltweit.

Poves' stellt seine Idee vor. (Video: Youtube)

Mostoles ist eine Schlafstadt, 18 Kilometer südwestlich von Madrid. Ein klein wenig bekannt wurde die Stadt mit 200000 Einwohnern, weil ihr berühmtester Sohn Weltmeister war, Europameister, mehrfacher Champions-League-Sieger: Iker Casillas, spanischer Übergoalie vergangener Jahre. Sonst interessieren sich Aussenstehende kaum für Mostoles. Oder für den lokalen Fussballverein, der im Schatten von Real, Atlético, Getafe oder Rayo Vallecano steht.

«Nur Geld und Korruption»

Also sind Ideen gefragt. Und da ist Poves der richtige Mann; einer, der sich nie angepasst hat. 2011 spielte er mit Sporting Gijon elf Minuten in der Primera Division. Im gleichen Jahr beendete er mit 25 seine Karriere. Nicht nur, weil ihm der Durchbruch versagt blieb, sondern weil er sich nie mit dem System identifizierte.

«Der Profifussball ist nur Geld und Korruption. Er ist Kapitalismus. Und Kapitalismus bedeutet Tod», sagte Poves im Jahr seines Rücktritts. Er glaubt nicht an das Bankensystem, deshalb holte er bei Gijon seinen Lohn im Clubbüro ab. Bar auf die Hand. Und das Auto, das ihm der Verein zur Verfügung stellte, gab er zurück. Poves verliess das System, das ihm feind ist, und kehrte später in den Amateurfussball zurück. Dort ist er Präsident und Spieler des Viertligisten CD Mostoles Balompie – respektive des Flat Earth FC. So heisst der Verein nämlich neuerdings. Weil Poves glaubt, dass die Erde eine Scheibe ist.

Ein Teil des Vereins hat sich deswegen abgespalten und baut eine eigene, neue Struktur auf. Derweil will Poves den ersten Club führen, der nicht einen Ort als gemeinsame Grundlage für die Fans hat, sondern eine Idee. So soll ein Teil der Millionen von Anhängern dieser Verschwörungstheorie mit seinem Flat Earth FC mitfiebern. Die Vermutung liegt nahe, dass es Poves bei diesem Namenswechsel vor allem um Aufmerksamkeit geht. Und vielleicht auch ein klein wenig um sich selbst.

Erstellt: 03.07.2019, 16:48 Uhr

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