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War das Murat Yakins letztes Spiel?

Das 1:1 im Derby befreit GC nicht davon, diese Woche die Frage endgültig zu klären, ob Murat Yakin Trainer bleibt.

Thomas Schifferle
Die Tore des 270. Zürcher Derbys: GC und FCZ trennen sich 1:1. (Video: Tamedia/SRF)

Als Murat Yakin sein erstes Derby als Trainer von GC bestritt, endete das im Hochgefühl eines 4:0. Und mit seiner Zielsetzung, GC zum ersten Verfolger von YB und Basel zu machen.

Das war im Oktober. Jetzt ist April und alles ganz anders. Da gibt es nach dem 1:1 im jüngsten Derby keinen Blick mehr nach vorne in der Rangliste, sondern nur noch nach hinten. Und vor ­allem eine Frage: War das schon Yakins letztes Spiel bei GC?

Yakin: Zuerst regunglos, dann aktiv

Zum 22. Mal sitzt Yakin am Samstag bei einem Meisterschaftsspiel von GC auf der Bank. Er tut es eine Halbzeit lang wirklich. Ganz links aussen, weit weg vom 4. Schiedsrichter, hat er sich niedergelassen. Er bleibt regungslos bis auf zwei Momente: Einmal wirft er eine Flasche weg, einmal bequemt er sich kurz an die Seitenlinie. Sonst verkriecht er sich schon provokativ in seinem Sitz. «Haben Sie das Spiel nicht angeschaut?», wirft er dem Teleclub-Reporter an den Kopf, als der ihn nach seiner Passivität fragt.

In der ersten Halbzeit ist der Auftritt von GC kümmerlich. In der Pause ordnet Yakin Umstellungen an, er zieht Sainsbury ins Mittelfeld, bringt Jeffrén, stellt das System um und wechselt von einem 5-4-1 zu einer Offensive mit drei Stürmern. Jetzt coacht er aktiv. Und seine Mannschaft ist dominant, lebendig, ­gefährlich. Sie hat Chancen, durch ­Kodro, immer wieder durch ihn, kommt durch ihren bosnischen Stürmer nach einer Stunde zum Ausgleich und vergibt in den allerletzten Sekunden zwei grosse Chancen zum Sieg:

Mit diesen zwei Paraden rettet Yanick Brecher dem FCZ das 1:1. (Video: Tamedia/SRF)

So ist das Spiel aus Sicht von GC. Es ist kein Befreiungsschlag. Die Anspannung bleibt, weil es um Yakins Position geht, um die Frage, ob er wirklich der richtige Trainer für diesen Verein ist.

Die Ratlosigkeit von Yakin und der Plan B seiner Vorgesetzten

Yakin gilt intern als fachlich guter Trainer. Er tut so, als wüsste er auf jedes Problem die Antwort. Auf die Niederlage in St. Gallen reagierte er gegen Thun mit einem neuen System und fünf neuen Spielern. Auf die Niederlage gegen Thun reagierte er mit einem neuen System und vier neuen Spielern. Solche Änderungen können aber auch für etwas ganz anderes stehen: für seine Ratlosigkeit. Er hat bislang schon 30 Spieler eingesetzt und keine Mannschaft gefunden.

Und es gibt ein Problem: Der Umgang mit ihm ist schwierig, er tritt mit einem ausgeprägtem Selbstbewusstsein auf und neigt zuweilen dazu, seine Vorgesetzten zu ignorieren. Er leistet sich wiederholt verbale Aussetzer gegenüber seinen Spielern. Das führt dazu, dass sich der Verein mit Alternativen beschäftigt, mit einem «Plan B», wie das Sportchef Mathias Walther frank und frei nennt. Plan B kann nur heissen: Man weiss, was man macht, wenn es mit Yakin keine ­Zukunft gibt, man hat eine interimistische Lösung im Kopf.

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Bilder: Die Stationen von Murat Yakin

Wurde bei GC entlassen: Murat Yakin ist seit 26 Jahren im Fussball aktiv.
Wurde bei GC entlassen: Murat Yakin ist seit 26 Jahren im Fussball aktiv.
Samuel Schalch
Schweiz 1994–2004: Yakin lief insgesamt 49-mal für die Schweiz auf. Im Bild: Murat Yakin gewinnt ein Kopfballduell gegen Omans Mohamed Mubarak al-Araimi.(10.2.1999)
Schweiz 1994–2004: Yakin lief insgesamt 49-mal für die Schweiz auf. Im Bild: Murat Yakin gewinnt ein Kopfballduell gegen Omans Mohamed Mubarak al-Araimi.(10.2.1999)
Michele Limina, Keystone
FC Basel 2000/2001–2006: Seine Spielerkarriere beendete Yakin beim FCB, wo er insgesamt dreimal die Meisterschaft gewann. Im Bild: Murat gegen seinen Bruder Hakan. (4.3.2000)
FC Basel 2000/2001–2006: Seine Spielerkarriere beendete Yakin beim FCB, wo er insgesamt dreimal die Meisterschaft gewann. Im Bild: Murat gegen seinen Bruder Hakan. (4.3.2000)
Andy Müller
FC Thun 2009–2011: Seinen ersten Grosserfolg als Trainer konnte Yakin bei den Bernern feiern, als er sie in seiner ersten Saison wieder in die Super League brachte. Im Bild Yakin auf dem Trainingsplatz. (17.11.2009)
FC Thun 2009–2011: Seinen ersten Grosserfolg als Trainer konnte Yakin bei den Bernern feiern, als er sie in seiner ersten Saison wieder in die Super League brachte. Im Bild Yakin auf dem Trainingsplatz. (17.11.2009)
Severin Nowacki
FC Basel 2012-2014: Nach einem Jahr in Luzern kehrte Yakin zu Basel zurück und brachte ihnen gleich zwei Meisterschaften. Im Bild: Yakin (vorne) bei der Europa-Liga-Heimniederlage gegen Chelsea. (25.4.2013)
FC Basel 2012-2014: Nach einem Jahr in Luzern kehrte Yakin zu Basel zurück und brachte ihnen gleich zwei Meisterschaften. Im Bild: Yakin (vorne) bei der Europa-Liga-Heimniederlage gegen Chelsea. (25.4.2013)
Ennio Leanza, Keystone
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Um diese Frage zu klären, gibt es diese Woche ein Gespräch der Führung mit dem Trainer. Der Ausgang ist offen, die Prognose klar: Wenn sich Yakin nicht überzeugend bereit erklärt, auf den Verein zuzugehen und sich vom Auftreten her zurückzunehmen, hält ihn auch der bis 2019 laufende und mit rund 500'000 Franken dotierte Vertrag nicht im Amt.

Es gibt noch ein ganz profanes Argument, das nicht zwingend für Yakin spricht. Das sind die Resultate. Von insgesamt 22 Meisterschaftsspielen unter ihm gewann GC 7, von den letzten 13 nur 2. Und das, obschon die Führung ihm im Winter gestattete, gleich sieben Spieler auszuwechseln. Sein Pech ist, dass Neue wie Lika, Taipi oder Kapic bislang durchgefallen sind oder dass Rhyner nicht besser ist als der suspendierte Vilotic, und Kodro nicht tor­gefährlicher als Munsy oder Kamberi, die abgeschoben wurden.

Magnins Fantasie, Dwamenas Tor und die tiefe Nacht

Die erste Halbzeit dieses Derbys ist spielerisch lahm, die zweite bietet dank der Steigerung von GC etwas Unterhaltung. Yakin genügt das, um von einem «interessanten Fussballabend» zu reden. ­Ludovic Magnin dagegen sagt: «Ich habe kein interessantes Spiel gesehen.»

Magnin, der Trainer des FCZ, steht ganz offensichtlich unter dem Eindruck der Leistung seiner Mannschaft. Und die ist wirklich nicht interessant, sondern einfach schlecht. Zum Gesamturteil führen eine erste Halbzeit, in der der FCZ von den eklatanten Schwächen von GC nur einmal profitiert, und eine zweite Halbzeit, in der er komplett von der Rolle ist.

Die Bilder des 270. Derby

Mirakulöse Rettungstat: FCZ-Goalie Yanick Brecher verhindert einen Lucky-Punch von GC gleich doppelt.
Mirakulöse Rettungstat: FCZ-Goalie Yanick Brecher verhindert einen Lucky-Punch von GC gleich doppelt.
Christian Merz, Keystone
Viel Lärm um nichts: Ludovic Magnin findet gegen GC kein Mittel.
Viel Lärm um nichts: Ludovic Magnin findet gegen GC kein Mittel.
Christian Merz, Keystone
Beim dritten Versuch: Kenan Kodro trifft in der 59. Minute zum 1:1.
Beim dritten Versuch: Kenan Kodro trifft in der 59. Minute zum 1:1.
Christian Merz, Keystone
Umkämpfte erste Halbzeit: Beiden Mannschaften gelingt nicht viel.
Umkämpfte erste Halbzeit: Beiden Mannschaften gelingt nicht viel.
Walter Bieri, Keystone
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Dass Magnin sagt, seine Mannschaft hätte bis zur Pause 2:0 führen können, muss seiner Fantasie entspringen. Denn sie hat genau eine Chance, keine mehr. Die nutzt sie immerhin auch. Marchesano, der erneut alles andere als ein Meister der stehenden Bälle ist, leitet mit seinem einzigen feinen Pass des Abends den Konter ein, den Dwamena dank Bergströms Stellungsfehler mit dem 1:0 nach 27 Minuten abschliesst.

Ansonsten ist Lindner im Tor von GC vor keine ernsthafte Prüfung gestellt. Das sagt angesichts der Nicht-Leistung seiner Vorderleute alles über die Gefährlichkeit des FCZ. Was seine Spieler nach der Pause bieten, das verstört endgültig auch Magnin. Sie lassen sich widerstandslos in die ­Defensive drängen und sind erst recht wirkungslos in der Offensive. Der Trainer vermisst jegliche Aggressivität, jede Zweikampfhärte, und darum bilanziert er, das sei einem Derby nicht würdig ­gewesen.

Basel, YB, St. Gallen, Luzern: Das nahrhafte Programm für die Jugend

Der FCZ ist auf einem schwierigen Weg, das bestätigt das Derby. Es ist eine nette Idee, auf Junge setzen zu wollen. Aber wenn sie so kompromisslos durch­gesetzt wird wie jetzt unter Magnin und die Routine nicht mehr gefragt scheint, wenn mit dem fehlerhaften Rüegg und mit dem unauffälligen Domgjoni zwei 19-Jährige das Zentrum des Mittelfelds besetzen müssen, dann ist sie so zweifelhaft wie gefährlich.

Magnins bisherige Bilanz ist geschönt durch das 2:1 im Cup-Halbfinal gegen GC. Nun folgen ab übermorgen Mittwoch innert elf Tagen vier Spiele in ­Basel, in Bern, gegen St. Gallen und in Luzern. Das ist nahrhaft für die Zürcher Jugend.

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