Ein schwacher Abgang

Lucien Favre stösst mit seinem Rücktritt in Mönchengladbach seine Unterstützer vor den Kopf.

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Für Lucien Favre kreierte Max Eberl jüngst einen neuen Begriff: Er erklärte den Trainer für «unentlassbar». Gladbachs Sportdirektor sagte auch, Favre könnte jeden Verein auf Topniveau trainieren.

Fachlich ist das keine Frage, Favre kann das. In Mönchengladbach hat er das während viereinhalb Jahren bewiesen, zuletzt mit dem Sturmlauf in die Champions League. Mit der Borussia zeigte er vor allem im Frühjahr teilweise spektakulären Fussball, der auf einer durchdachten Organisation basierte.

Aber um nun Bayern München zu trainieren oder «jeden Verein auf Topniveau», wie Eberl auch sagte, braucht es mehr als fachliche Qualitäten, mehr als akribische Arbeit im Training. Es braucht Robustheit und Willensstärke, es braucht die Fähigkeit, allen möglichen Einflüssen und Drucksituationen zu widerstehen, um ein wirklich grosser Trainer zu sein.

Favre verschwindet durch die Hintertüre.

Hat Favre das alles? Hält er durch, wenn etwas nicht nach seinem Gusto läuft? Reagiert er gelassen, wenn er einmal anders beurteilt wird, als ihm lieb ist? Das sind nun die Fragen nach diesem Sonntag. Und die erste Antwort heisst: nein.

In Gladbach wurde er auf Händen getragen, die Medien feierten ihn, die Teilnehmer an den diversen Diskussionssendungen ebenso. In Gladbach traf er Verhältnisse an, die im Vergleich zu den Grossclubs idyllisch sind. Mit seinem Rücktritt hat er im Verein all die vor den Kopf gestossen, die sich für ihn eingesetzt hatten.

Natürlich liesse sich sagen, er habe in einer schwierigen Situation Grösse gezeigt und Konsequenzen gezogen. Das Gegenteil trifft zu. Favre zeigt Schwäche und läuft davon, er verschwindet durch die Hintertüre. Das ist kein Zeichen von Stärke, sondern schwach.

Favre ist 57, er braucht sich keine Sorgen um seine Zukunft zu machen. Irgendein Club wird ihn bestimmt wieder wollen. Irgendeiner halt.

Erstellt: 21.09.2015, 09:43 Uhr

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