Ein schwerer Schlag

Wie will Gökhan Inler auf ein EM-Aufgebot hoffen, wenn er selbst bei zwei Testspielen nicht mittun darf?

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es hat gedauert, bis Vladimir Petkovic an diesem Freitagnachmittag bereit war, den Entscheid zu verkünden. Und es ist nachvollziehbar, dass er sich damit schwer tat, weil es einer ist, den in diesem Fall kein Coach gerne trifft: Petkovic hat sich dazu durchgerungen, seinen Captain Gökhan Inler für die beiden Länderspiele vom nächsten Freitag in Irland und in der Woche darauf in Zürich gegen Bosnien-Herzegowina nicht aufzubieten.

Und es ist ein Entscheid mit Tragweite. Wenn Inler jetzt nicht dabei ist, selbst bei zwei relativ unwichtigen Testspielen, wie will er dann auf ein Aufgebot für die EM im Sommer hoffen? Natürlich kann sich die Situation bis dahin noch entscheidend ändern. Inler kann auf einmal im Verein, bei Leicester City, wieder zum Einsatz kommen. Denkbar, aber nicht realistisch, solange sein Clubtrainer Claudio Ranieri keinen Anlass sieht, auf sein bewährtes Duo im Mittelfeldzentrum zu verzichten.

Inler glaubte letzten Sommer, mit dem Wechsel von Neapel nach Leicester einen «sensationellen Entscheid» getroffen zu haben. Und er sagt das jetzt noch, obschon die Midlands für ihn selbst sportlich nicht zum Paradies geworden sind. Er hat bislang nur 715 von 2970 möglichen Minuten gespielt, er ist keine Stammkraft, wie er das zuvor in Udine oder Neapel war. Er ist der Spieler mit der Nummer 30, der zuletzt sogar mehr auf der Tribüne sass als auf der Bank.

«Ich will an die EM», hat Inler vor ein paar Tagen in der «SonntagsZeitung» erklärt, «als Captain, als Spieler, als Repräsentant der Schweiz». Und er hat versprochen: «Ich bin bereit, egal, was passiert.» Er ist beseelt gewesen von der Vorstellung, nach den Endrunden von 2008, 2010 und 2014, als er keine Minute verpasste, noch einmal zu einem grossen Turnier zu fahren.

Die Ausbootung durch Petkovic trifft ihn umso härter. Er ist ja nicht irgendein Mitglied dieser Nationalmannschaft, sondern 89-facher Internationaler und eben ihr Captain seit dem 4. Juni 2011. Kommunikativ ist er in dieser Zeit nie an seinen Vorgänger Alex Frei herangekommen, aber er hat seine Rolle immer voller Stolz ausgefüllt, voller Leidenschaft; und wenn er einmal nicht spielen konnte, weil er verletzt war, sang er auf der Tribüne aus voller Brust die Nationalhymne mit.

Stephan Lichtsteiner ist der natürliche Ersatz für Inler. Oder besser: der natürliche Nachfolger gar?

Erstellt: 18.03.2016, 23:36 Uhr

Artikel zum Thema

Petkovic streicht Inler aus dem Kader

Der Schweizer Nationaltrainer verzichtet für die kommenden Testspiele auf seinen Captain. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Grosser Sammelspass für die ganze Familie

Perfekt für kalte Wintertage: Bei jedem Einkauf Marken sammeln und gegen exklusive «Disney Winterzauber»-Prämien von Coop eintauschen!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Nichts wie weg: Ein Känguru flieht vor den Flammen in Colo Heights, Australien, die bereits 80'000 Hektaren Wald zerstört haben (15. November 2019).
(Bild: Hemmings/Getty Images) Mehr...