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Die grossen Unterschiede zum EM-Jahr 2016

Das Schützenfest gegen Panama beweist, dass die Schweiz sorgenfrei auf die WM blicken kann.

Die Schweizer Tore gegen Panama. (Video: SRF/Tamedia)

Doch, doch, auch die Schweiz spielt mit einem Goalie. Einmal fliegt Roman Bürki, um einen Schuss abzuwehren, das ist kurz vor der Pause und der Moment für ihn, Feierabend zu machen. Er wird danach so gefordert wie vorher: gar nicht.

Bürkis Kollegen im Feld draussen kontrollieren Spiel und Gegner an diesem Dienstagabend, wie es ihnen gefällt. Das tun sie zum einen, weil sie die Aufgabe mit viel Ernst angehen, und zum anderen, weil der Gast aus Mittelamerika sehr bieder auftritt. Dass Panama an die WM fahren darf, ist zumindest aufgrund der Eindrücke von Luzern nicht mehr als eine Laune des Schicksals. «So dürfen wir nicht nochmals auftreten», hält Trainer Hernan Dario Gomez schonungslos fest, «wir müssen hoffen, dass es bei der WM kein Fiasko gibt.»

6:0 steht es am Ende für die Schweiz, es ist der 13. Sieg im 15. Spiel seit der EM. Es ist ein Sieg, der den Klassenunterschied perfekt zum Ausdruck bringt, und vor allem ist es einer fürs Gemüt und Selbstvertrauen. Trainer und Spieler können Ende Juni die unmittelbare Vorbereitung auf die WM sorgenfrei beginnen (sofern sich bis dahin keine zentrale Kraft verletzen sollte). Das ist kein Vergleich mehr zu 2016, als einige Arbeit nötig war, um vor der EM die Unruhe in der Mannschaft und um sie herum aus der Welt zu schaffen.

Ohne diese Unruhe hätte das Ausscheiden im Achtelfinal verhindert werden können, ist Vladimir Petkovic bis heute überzeugt. Jetzt sagt er: Die Struktur der Mannschaft sei besser als damals und auch der Teamgeist.

Das Zeichen der B-Auswahl

Gegen Panama entschliesst sich der Coach im Vergleich zum Match am ­Freitag in Griechenland zu acht Um­stellungen. Nur Xhaka, Dzemaili und ­Embolo bleiben im Team. Vom eigentlichen Stamm, der die Schweiz durch die Qualifikation getragen hat, steht neben Xhaka und Dzemaili nur Djourou auf dem Platz. Das System ist diesmal ein sehr variables 4-1-4-1 und steht dafür, wie Petkovic die Mannschaft weiter entwickeln will.

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Video: Die Schweizer Stimmen zum Kantersieg

«Die Zuschauer haben unsere Dominanz gespürt»: Breel Embolo über den perfekten Abend in Luzern. (Video: Sebastian Rieder)

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Und das Ergebnis: Die vermeintliche B-Auswahl gibt sich keine Blösse, spielt konzentriert, zielstrebig und kann lernen, wie ein Gegner zu bearbeiten ist, der zu neunt verteidigt. Sie tut das immer wieder mit Bällen in die Tiefe oder kurzen schnellen Pässen. Nach 4 Minuten und Gavranovics Vorarbeit hat ­Embolo die erste Chance. Nach 22 Minuten ist der Bann gebrochen, als Dzemaili nach Fernandes’ Steilpass und dem Ableger von Gavranovic das 1:0 gelingt.

Dass Mario Gavranovic beteiligt ist, das ist kein Zufall. Der Stürmer von ­Dinamo Zagreb ist vom Willen beseelt, die Chance, die ihm Petkovic bietet, unter allen Umständen zu nutzen. Er läuft viel, bewegt sich gut und schafft so Räume. Er ist auch am 4:0 beteiligt. Und das 5:0 erzielt er, indem er sich mit einem schnellen Haken Raum verschafft. Es ist sein erster Treffer für die Schweiz seit dem Oktober 2012.

Petkovic als Mahner

Auch andere tun etwas für ihr Selbstvertrauen und ihre Bilanz. Granit Xhaka, der unumstrittene Chef auf dem Rasen, verwertet den Elfmeter souverän, den Dzemaili herausgeholt hat. Diese Überzeugung fehlte ihm noch an der EM, als er mit seinem Fehlversuch das Penaltyschiessen gegen Polen entschied.

Breel Embolo steuert das 3:0 bei. Wunderbar anzuschauen, wie er den Ball über Goalie Penedo lupft. Der 21-Jährige hat seit dem September 2016 auf diesen Moment im Nationalteam gewartet. Steven Zuber trifft zum 4:0, sein dritter Treffer für die Schweiz. Der Erfolg tut ihm gut, nachdem er bei Hoffenheim seinen Stammplatz verloren hat.

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Bilder: Die Schweiz überrennt Panama

1:0 in der 22. Minute: Blerim Dzemaili eröffnet nach schöner Vorarbeit von Mario Gavranovic das Skore.
1:0 in der 22. Minute: Blerim Dzemaili eröffnet nach schöner Vorarbeit von Mario Gavranovic das Skore.
Urs Flueeler, Keystone
Wiederholungstäter: Schon gegen Griechenland hat der Routinier getroffen.
Wiederholungstäter: Schon gegen Griechenland hat der Routinier getroffen.
Walter Bieri, Keystone
Krönung einer starken Leistung: Der starke Mario Gavranovic trifft zum 4:0 kurz nach der Halbzeitpause.
Krönung einer starken Leistung: Der starke Mario Gavranovic trifft zum 4:0 kurz nach der Halbzeitpause.
Urs Flueeler, Keystone
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Das 6:0 schliesslich gelingt Fabian Frei, die letzte Vorarbeit dazu leistet ­Josip Drmic mit dem Absatz in seinem ersten Länderspiel seit zwölf Monaten. Auch Haris Seferovic, bei der Einwechslung wohlwollend begrüsst, hat seinen guten Moment, als er auf spektakuläre Art den Pfosten trifft.

Mitte Mai muss Petkovic der Fifa ein erstes Kader von 35 Spielern benennen. Er kann es im Wissen tun, dafür ein breites Angebot zu haben. Aber er gibt den Mahner: «Wir sind nicht genug gut, um grosse Proklamationen zu machen. Wir müssen mit den Füssen auf dem Boden bleiben.»

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