Ein Stängeli als Dämpfer für den Aufschwung

Barcelona gewinnt den spanischen Supercup der Frauen gleich 10:1. Das veranlasst den Trainer des Verliererteams zu scharfer Kritik.

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Ja, tatsächlich. Es war ein Final. Einer zwischen zwei Teams aus der höchsten Liga. Zwischen dem Leader und dem Sechstplatzierten. Und dennoch ist das Verdikt vernichtend: 10:1 gewinnt der FC Barcelona mit der in der 27. Minute eingewechselten Schweizer Nationalspielerin Ana-Maria Crnogorcevic gegen Real Sociedad San Sebastián. Für Barça ist es eine Gala, für Real Sociedad eine Blamage – und für den Verband mit seinem neu geschaffenen Supercup ein Debakel.

Denn eigentlich ging es für die Fussballerinnen in Spanien zuletzt nur in eine Richtung: aufwärts. Insbesondere die erste WM-Teilnahme des Landes sorgte für einen Boom, dazu kamen die Männer-Clubs, die mehr begannen, auch in Frauenteams zu investieren – und die grossen Stadien zu öffnen. Über 60'000 Fans füllten bereits Atléticos Wanda Metropolitano, die spektakuläre «Kathedrale» San Mamés von Athletic Bilbao lockte ebenfalls schon Zehntausende an Zuschauerinnen und Zuschauern an. Nicht einmal der Streik Mitte November 2019 aufgrund der zu tiefen Bezahlung vieler Spielerinnen konnte den Aufschwung gross bremsen. Im Gegenteil: Er generierte noch mehr Schlagzeilen in den Medien, der Rückhalt in der Bevölkerung wuchs. Doch dann kam dieser Final.

Geteilte Ohnmacht

«Barça hatte keine Gegnerinnen», schrieb die spanische Zeitung «La Vanguardia». Eine Feststellung, die sogar Real-Sociedad-Trainer Gonzalo Arconada teilte. Immerhin, er fühlt sich mit dieser Ohnmacht nicht alleine: «Praktisch alle Teams in unserer Liga können mit diesem Barcelona nicht mithalten.»

Dann richtete er seine Kritik an den spanischen Fussballverband: «Die Verantwortlichen müssen sich überlegen, ob das Ziel des Wettbewerbs erreicht wurde. Es gab keine andere Möglichkeit, als dass Barça gewinnt und wir gedemütigt werden.» Arconada sieht eine gefährliche Entwicklung: «Man muss reflektieren, ob es gut ist, dass viele Ausländerinnen auf dem Platz stehen, während Einheimischen nur die Rolle als Ersatzspielerinnen bleibt.» Während Real Sociedad nur mit Spanierinnen auskam, spielten bei Barça total vier Ausländerinnen.

Mehr und härteres Training

Logischerweise nicht ganz so dramatisch sieht es Lluís Cortés. «Das Resultat widerspiegelt die Stärkeverhältnisse der beiden Teams bei weitem nicht», sagte Barças Trainer nach Spielschluss. Im Gegenteil: «Ich bin mir sicher, dass wir eine lange, lange Zeit nicht mehr so hoch gewinnen werden.» Dass Barcelona aufgrund ausländischer Hilfskräfte die Liga dominiert, glaubt Cortés nicht: «Wir haben uns auf diese Saison hin entschieden, qualitativ und quantitativ einen Sprung zu machen. Nun trainieren wir öfter und härter.» Er weigert sich, zu glauben, dass sein Team, das ohne Niederlage die Liga anführt, unbesiegbar sei.

Auf Augenhöhe waren Barça und San Sebastián immerhin ganz zu Beginn. Weil der seit Monaten geforderte Mindestlohn für Erstligaspielerinnen trotz Versprechen nach wie vor nicht vertraglich zugesichert ist, standen die 22 Spielerinnen in den ersten Sekunden still. Die Spielerinnengewerkschaft liess verlauten, dies sei so etwas wie die letzte Warnung, ansonsten werde wieder gestreikt. Nach dem Boom zuletzt wartet auf den spanischen Fussballverband also plötzlich wieder viel Arbeit.


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

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(fas)

Erstellt: 10.02.2020, 19:02 Uhr

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