Eine Protestwelle bedroht den Clásico

Bei Barcelona gegen Real Madrid rückt der Fussball heute für ­einmal in den Hintergrund.

Heute empfängt der FC Barcelona mit Superstar Lionel Messi der Erzrivalen Real Madrid. (Bild: Emilio Morenatti/Keystone)

Heute empfängt der FC Barcelona mit Superstar Lionel Messi der Erzrivalen Real Madrid. (Bild: Emilio Morenatti/Keystone)

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Als ob nicht sportlich schon genug auf dem Spiel stehen würde in diesem Clásico. Punktgleich stehen der FC Barcelona und Real Madrid an der Tabellenspitze der spanischen Liga, dazu teilen sich Lionel Messi und Karim Benzema die Führung im Rennen um die Torjägerkrone (je zwölf Tore). Es geht um nichts weniger als die Vorherrschaft in Spaniens Fussball – für diese zwei Spieler, vor allem aber fürs Kollektiv. Und dennoch: Fussball war in den letzten Tagen eher das Randthema, wenn es um den Clásico (ab 20 Uhr im Liveticker) ging.

Die Zahlen, die derzeit im Zentrum stehen, sind nicht etwa die vielen Gegentore Barças, die Spielminuten von Federico Valverde, Reals Aufsteiger im Mittelfeld, oder der Vergleich der Passquoten von Toni Kroos und Frenkie de Jong. Nein, es geht darum: 3000 Sicherheitskräfte sind aufgeboten, über 20'000 Menschen werden wenige Stunden vor Anpfiff heute um 20 Uhr auf den Strassen rund um Barcelonas Stadion Camp Nou erwartet.

Sympathisant Guardiola

Es sind keine Fussballfans, zumindest sind sie es nicht an diesem Tag. Es sind Demonstranten, angetrieben von der neuen Organisation «Tsunami Democràtic», sie haben ein viel grösseres Anliegen als den Fussball. Der demokratische Tsunami ist eine Protestwelle, initiiert nach den ausgesprochenen Gefängnisstrafen für neun katalanische Separatistenführer. Wer diese Bewegung anführt, ist unklar. Startrainer Pep Guardiola und der frühere Barça-Präsident Joan Laporta sind die berühmtesten Sympathisanten. Wegen der Unruhen in Katalonien findet das vielleicht prestigeträchtigste Clubspiel der Gegenwart an einem Mittwochabend statt: Erstmals angesetzt war der Clásico auf den 26. Oktober, er wurde aber wegen Sicherheitsbedenken verschoben.

Die Lage in Katalonien hat sich auch 53 Tage danach noch nicht beruhigt, der Tsunami Democràtic hat auf 16 Uhr eine grosse Kundgebung angekündigt. Gerade die Gegner der Separatisten befürchten, dass die weltweite Aufmerksamkeit für den Clásico von diesen zu Propagandazwecken genutzt wird. Deshalb sagte der aus Katalonien geflüchtete Politiker Juan Carlos Girauta: «Ich bitte Real Madrid, sich nicht instrumentalisieren zu lassen und deshalb nicht anzutreten. Auch wenn das eine Forfait-Niederlage zur Folge hätte.» Er dürfte selber wissen, dass dieser Wunsch ungehört bleiben dürfte.

Wegen der angespannten Lage verbringen Barça und Real die Stunden vor der Abfahrt ins Stadion im gleichen Hotel, fahren gleichzeitig ins Camp Nou. Die verschärften Sicherheitsvorkehrungen besagen auch, dass die Teams bereits zwei Stunden vor Anpfiff im Stadion sein müssen.

Und spätestens ab 20 Uhr, so hoffen die reinen Fussballfans (und die Ligaverantwortlichen), soll wieder der Sport und der Kampf um die Tabellenspitze im Zentrum stehen. Zumindest bis zum Schlusspfiff.


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

Die Sendung ist zu hören auf Spotify, bei Apple Podcasts oder direkt hier: Hier finden Sie alle Folgen an einem Ort.

Erstellt: 18.12.2019, 15:32 Uhr

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