Eine Revanche vor den wichtigsten Spielen der Clubgeschichte

YB ist überzeugend in die Saison gestartet. Heute empfängt der Meister den Cupsieger FCZ zum Spitzenkampf. Und Ende August geht es um die Champions-League-Qualifikation.

Kämpft ab 16 Uhr wieder gegen den FCZ:YB-Aussenverteidiger Kevin Mbabu.

Kämpft ab 16 Uhr wieder gegen den FCZ:YB-Aussenverteidiger Kevin Mbabu. Bild: Keystone

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Es ist bisher ein ungewöhnlich entspannter Sommer für die Young Boys. Vieles ist im Fluss in diesen Saisonstartwochen, die in den letzten Jahren regelmässig von Fehlstarts, Trainerdebatten, Partien im 3-Tage-Rhythmus geprägt waren. 2018 ist anders. Der Meister hat die Spielzeit mit zwei 2:0-Siegen gegen GC und in Lugano souverän lanciert, der Wechsel von Meistercoach Adi Hütter zu Gerardo Seoane hat nicht zu fundamentalen Veränderungen geführt. Auch Seoane setzt auf das erfolgreiche 4-4-2-System der Titelsaison. Er sagt: «Ich bin kein Trainer, der alles neu erfinden muss.»

Und während der Rivale Basel kriselt und die Schlagzeilen dominiert, steigt im Stade de Suisse am Sonntag (16 Uhr) fast unbemerkt ein erster Höhepunkt der jungen Super-League-Saison. YB empfängt Zürich im Duell der einzigen verlustpunktelosen Teams. Erster gegen Zweiter, Meister gegen Cupsieger, es ist eine Art Supercup und für die Young Boys ganz sicher die Gelegenheit zur Revanche. Nach ausgedehnten Titelfeierlichkeiten hatten sie im Cupfinal Ende Mai keinerlei Spannung mehr aufbauen können und einen weiteren Pokal beinahe hergeschenkt. «Leider ist es uns damals nicht gelungen, noch einmal in den totalen Wettkampfmodus zu schalten», sagt Christoph Spycher. «Die Monate als Gejagter hatten Substanz gekostet.» Und der Sportchef meint: «Es gibt leider kein Patentrezept, wie man damit umgeht, wenn ein Verein 32 Jahre auf einen Meistertitel gewartet hat.»


Video: Die grosse YB-Meisterparty

So feierten die Berner ihren ersten Meistertitel seit 1986. Video: Tamedia/SDA

Zwar werden es 2019 ebenfalls 32 Jahre her sein, dass YB letztmals den Cup gewonnen hat. Doch die 1:2-Niederlage gegen Aussenseiter Zürich im Final vor genau zehn Wochen hat in Bern keine tiefen Spuren hinterlassen, die so sehnsüchtig erwartete Meisterschaft vielmehr für ein intensives Hochgefühl auf allen Ebenen gesorgt. Bereits sind über 15'000 Dauerkarten verkauft worden, und wenn sich die Young Boys Ende Monat erstmals für die Champions League qualifizieren sollten, dürfte diese Zahl noch signifikant steigen.

Nicht nur wegen des Gipfeltreffens heute gegen den FCZ steht YB vor äusserst heissen Wochen. Das betrifft auch den Transfermarkt, auf dem der Meister von den Leistungsträgern bisher einzig Innenverteidiger Kasim Nuhu (zu Hoffenheim) verloren hat. Zwar wurde und wird fast die Hälfte des Stammteams mit Clubs grosser Ligen in Verbindung gebracht, doch die Berner plagen im Gegensatz zu den letzten Jahren keine wirtschaftlichen Zwänge. «Wir haben klare Vorstellungen, welche Ablösesummen wir erhalten möchten», sagt Spycher. Der seit längerer Zeit nicht mehr restlos überzeugende Stürmer Roger Assalé könnte YB verlassen.

Viele Interessenten für Mbabu – aber noch kein Verkauf

Und auch Spycher wundert sich, warum der überragende Rechtsverteidiger Kevin Mbabu noch in Bern ist. Mbabu ist der wohl auffälligste Akteur der Liga, er überzeugt mit Dynamik, Flankenstärke, Dribbelfreude, es gibt jede Menge Interessenten. Und deshalb würde es überraschen, sollte der 23-Jährige nicht bald ins Ausland gehen. Spycher sagt, er werde froh sein, wenn der August vorbei und das Transferfenster geschlossen sein werde. «Die Super League ist nun mal eine Ausbildungsliga, es kann jederzeit zu einem Abgang kommen.»

Unter allen Umständen verhindern möchten die Young Boys ein Wechseltheater rund um die Qualifikationsspiele zur Champions League. Diesmal greifen sie als Meister erst im Playoff Ende August ein, es werden die vielleicht bedeutendsten und ganz bestimmt lukrativsten Partien der Vereinsgeschichte sein. Eine Teilnahme an der Königsklasse wäre mit Einnahmen von rund 30 Millionen Franken verbunden, der sportlich wie finanziell erstaunliche YB-Aufschwung ginge ungebremst weiter.

Die letzte Hürde auf dem Weg in die Gruppenphase wird weniger hoch sein als in den letzten Jahren. Die Young Boys sind an der Auslosung am Montag zwar ungesetzt, doch selbst gegen den PSV Eindhoven als auf dem Papier stärkstmöglichen Gegner wären sie nicht krasser Aussenseiter. Und erst recht nicht gegen die Sieger der Duelle Salzburg - Tetovo, Celtic - AEK Athen sowie Astana - Dinamo Zagreb.

Erstellt: 05.08.2018, 15:10 Uhr

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