Eine Serie wie zuletzt in der Meistersaison

19 Punkte aus den letzten sieben Spielen, das gab es schon lange nicht mehr. Trotzdem bleiben die St. Galler auf dem Boden.

Quintillas Traumtor gegen den FC Lugano. (Video: SRF)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es ist ein Traumtor und Ausdruck der St. Galler Selbstverständlichkeit in dieser Saison: Es läuft die 90. Minute im Cornaredo als Jordi Quintillà den Ball an der Strafraumgrenze annimmt, einen kurzen Haken schlägt, um gleich darauf mit seinem stärkeren linken Fuss den Ball in die obere linke Torrecke zu zirkeln: Das 3:1 ist Quintillas zweiter Treffer an diesem Abend und gleichzeitig die Entscheidung im Spiel gegen Lugano.

Der 26-jährige defensive Mittelfeldspieler, der im Alter von 16 Jahren seinen Jugendverein Lleida verliess und in die Juniorenabteilung des FC Barcelona wechselte, ist ein Mann für die schönen Tore – bereits fünf Mal traf er von ausserhalb des Sechzehnmeterraums. Zwei direkt verwandelte Freistösse gegen YB und den FC Zürich, ein strammer Weitschuss-Treffer gegen Thun und nun die beiden Traumtore in Lugano – fünf Minuten nach Cedric Ittens ebenfalls sehenswertem Führungstreffer schoss Quintillà das zwischenzeitliche 2:0 auf Zuspiel von Victor Ruiz.

Quintillà und Ruiz – das kongeniale Duo

Die beiden Spanier sind Dreh-und-Angelpunkt im St. Galler Aufbauspiel und gleichzeitig das kreative Element. Der dribbelstarke Ruiz, der im Januar dieses Jahres von Tenneriffa aus der Tercera Divison (Vierthöchste Spielklasse Spaniens) in die Ostschweiz wechselte, blüht diese Saison so richtig auf. Mit fünf Assists (Höchstwert in der Super League) und zwei Toren ist er nicht nur St.Gallens bester Vorbereiter sondern auch bester Scorer des Teams – dicht gefolgt von Quintillà (Fünf Tore, ein Assist).

Neben dem kongenialen Duo kommen auch die jungen Stürmer der Espen immer besser in Fahrt. Itten meldete sich nach seiner langen Verletzungspause eindrücklich zurück. In seinen elf Einsätzen traf er bereits fünf Mal. Der 22-Jährige droht nun allerdings erneut auszufallen. Nach einem Foul von Luganos Mattia Bottani – der Tessiner traf Itten ohne böse Absicht mit gestrecktem Bein und sah dafür die rote Karte – musste der Stürmer mit Verdacht auf eine Knöchelverletzung vom Spielfeld. Nach der Verletzung von Jérémy Guillemenot würde ein Ausfall Ittens wohl schwer wiegen. Auch wenn Trainer Peter Zeidler mit Demirovic (vier Tore, ein Assist) und Boris Babic (zwei Tore, ein Assist) noch zwei weiter treffsichere junge Angreifer in seinen Reihen hat.

Mit 22,9 Jahren weist die Mannschaft von Zeidler den mit Abstand jüngsten Startelf-Schnitt der Liga auf. Allen voran die Viererabwehr um den 17-jährigen Ostschweizer Fussballer des Jahres 2019 Leonidas Stergiou und Yannis Letard (21) hat noch wenig Erfahrung. Captain und Rechtsverteiger Silvan Hefti bestritt zwar schon 133 Spiele in der Super League, ist aber erst 22-Jährig. Komplettiert wird die Verteidigung von Miro Muheim. Der 21-jährige Linksverteidiger kam im Januar 2018 aus dem Nachwuchs von Chelsea nach St.Gallen, er hat sich seitdem prächtig entwickelt und sich einen Stammplatz in der Hintermannschaft erkämpft. Überhaupt wirkt die Abwehr je länger je mehr gefestigt und die fehlende Erfahrung können Letard, Stergiou und Muheim mit Schnelligkeit und einer für ihr Alter aussergewöhnlichen Ruhe am Ball wettmachen.

«Wir müssen demütig bleiben»

Die Ruhe der Vereinsführung um Präsident Matthias Hüppi und Sportchef Alain Sutter scheint auf die Mannschaft abgefärbt und die Vertragsverlängerung von Zeidler und Sutter ihre Signalwirkungen nicht verfehlt zu haben: In der Ostschweiz wird längerfristig geplant und es soll etwas aufgebaut werden. Das klare Ziel hat sich seit Sutters Ankunft nicht verändert. Damals sagte er: «Die Ränge sollen Heimspiel für Heimspiel gefüllt sein. Die Zuschauer sollen einen Verein zum Anfassen haben und unabhängig vom Resultat zufrieden nach Hause gehen.»

Rund eineinhalb Jahre später ist der FC St.Gallen diesem Ziel schon einen deutlichen Schritt näher. Der dritte Platz in der Meisterschaft scheint zur Zeit gefestigt. Mit sechs Siegen und einem Unentschieden aus den letzten sieben Spielen dürfte der St.Galler Anhang mehr als zufrieden sein. Denn eine solche Serie gab es schon lange nicht mehr – das letzte Mal vor 20 Jahren, als der Meistertrainer Marcel Koller seine Mannschaft vom neunten Platz im Oktober 2019 bis im März 2020 an die Tabellenspitze führte – und diese nicht mehr verliess.

Von solchen Zahlenspielen wird sich Peter Zeidler jedoch kaum blenden lassen. Auch wenn er selbst sehe, dass in St.Gallen «etwas entstehen kann». In einem Interview der Sonntagszeitung sagte er: «Wir müssen demütig bleiben, es kommt auch wieder anders.» Ob es schon am kommenden Wochenende gegen den Tabellenvierten FC Sion anders kommt? Auf jeden Fall kann die Mannschaft um Scharfschütze Quintilla mit breiter Brust in die Partie starten.

Erstellt: 28.10.2019, 12:31 Uhr

Artikel zum Thema

«Ich bin voller Energie, von morgens bis abends»

Interview Peter Zeidler ist mit dem FC St. Gallen auf den 3. Platz gestürmt. Wieso er selbst für 10 Millionen Lohn nicht nach China ginge. Mehr...

YB führt früh und siegt souverän

Video Die Berner besiegen Feyenoord Rotterdam 2:0 und führen die Gruppe in der Europa League nach drei Runden an. Mehr...

Flickflack, Salto – und ein Schuss wie eine Kanone

Video Alle Augen auf Aiyegun Tosin: Der Nigerianer war beim 3:2-Sieg des FC Zürich gegen Basel Mann des Spiels. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Kommentare

Blogs

Mamablog Papas Alleswisserei nervt

Geldblog Warum auch Arbeitslose AHV-pflichtig sind

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Schwingt das Tanzbein: U2-Sänger Bono Vox während eines Konzerts im australischen Brisbane. (12. November 2019)
(Bild: Chris Hyde/Getty Images) Mehr...