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Eine WM als Dorfturnier

Jetzt kündigt sich an, was uns ab 2026 an Qualität erwartet.

Bloss der Vorgeschmack, was uns bei einer aufgeblasenen WM erwartet: Englands John Stones überlistete den Torhüter von Panama, Jaime Penedo, zum 4:0. Die Partie endete 6:1. Bild: Keystone
Bloss der Vorgeschmack, was uns bei einer aufgeblasenen WM erwartet: Englands John Stones überlistete den Torhüter von Panama, Jaime Penedo, zum 4:0. Die Partie endete 6:1. Bild: Keystone

Als 1930 die erste WM stattfand, war die Teilnahme für die Europäer noch ein Abenteuer. Drei Wochen dauerte die Schifffahrt an den Austragungsort Uruguay. Nur Frankreich, Rumänien, Jugoslawien und Belgien taten sich das an. 13 Mannschaften nahmen total teil.

Ab 1954 waren es konstant 16 Teil­nehmer, 1982 wurde aufgestockt auf 24 und 1998 auf 32. Das war das Jahr, als sich Sepp Blatter auf den Fifa-Thron hievte. Mit 32 lief das ganz gut, für kleine Vertreter war mehr als genug Platz. Blatter blieb, der Modus auch, und als Blatter vor vier Jahren bei der WM in Brasilien unterwegs war, sagte er: «Sollten wir uns wundern, wenn unser Spiel eines Tages auf einem anderen Planeten gespielt wird? Dann haben wir nicht nur eine WM, wir haben einen interplanetaren Wettbewerb.» Vielleicht hat sich die Justiz darum ein Jahr später gedacht: Halten wir ihn schonend an und entfernen ihn aus dem Amt.

Infantinos Rechnung

Zu der Zeit war das Thema einer Aufstockung der WM schon im Umlauf. Michel Platini, damals noch Präsident der Uefa mit Ambitionen auf das Fifa-Amt, hatte von 40 Mannschaften geredet. Worauf Blatter giftelte: ­«Warum nicht gleich 64 oder 128 Teilnehmer?»

Nachdem sich Blatter und Platini aus ihren Ämtern manövriert hatten, sprang Gianni Infantino in die Bresche. Und Infantino setzte im Herbst 2016, ein halbes Jahr nach seiner Wahl zum Fifa-Chef, gleich einen drauf. Nicht 40, nein 48 Teams! Vier Monate später war die Aufstockung vom Fifa-Council einstimmig beschlossen. Die Herde folgte brav ihrem Meister.

Statt 64 Spielen gibt es ab 2026 schon 80 Spiele. Mehr Spiele versprechen mehr Einnahmen für die Fifa. Und mehr sichere Stimmen für Infantino von kleinen Verbänden, die sich auf einmal an einer WM sehen. Die Rechnung ist simpel. Dass immer weniger Länder für die Organisation einer solchen Mammutveranstaltung infrage kommen, kümmert Infantino in diesem Zusammenhang offensichtlich nicht weiter.

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Der Präsident jedenfalls argumentierte auf seine verquere Art: 16 Spiele mehr seien ja bloss vier mehr pro Jahr. Diese Zeitung fühlte sich darauf an Monty Pythons «Meaning of Life» erinnert: Da stopft einer im Restaurant alles in sich hinein, was die Karte zu bieten hat, und wird immer dicker. Am Ende bleibt nur noch ein Pfefferminzbonbon. Das isst er auch noch. Und platzt.

Italiens Chance

Im Moment haben wir es noch gut. Wir sind ja bescheiden geworden. In Russland sind nur 32 Mannschaften unterwegs. Dabei sind auch das schon zu viele, wo es um Klasse und Qualität geht. Nach nur zwei Runden standen in zwei Gruppen die Achtelfinalisten bereits fest. Und sind insgesamt acht Mannschaften ausgeschieden.

Saudiarabien, Tunesien oder Panama sind bloss der Vorgeschmack, was uns bei einer aufgeblasenen WM erwartet. Dafür braucht es nicht einmal viel Vorstellungskraft. Die Höhe ihrer Niederlagen, 0:5, 2:5 oder 1:6, ist Ausdruck genug der Über­forderung. Und künftig wird es noch mehr Mannschaften geben, die mauern wie Island, weil sie sonst nichts haben und können. Die WM wird in der ersten Phase mit 16 Gruppen à drei Teams qualitativ schnell einmal zum Dorfturnier. Besserung ver­sprechen erst die Sechzehntelfinals, wenn die Grossen endlich aufeinandertreffen.

Vielleicht hat die Aufstockung doch noch etwas Gutes. Dann haben auch Italien und Holland wieder grössere Chancen, sich für eine Endrunde zu qualifizieren.

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