Eiskaltes Luzern verschärft Thuns Krise

Der FC Thun verpasst zu Hause gegen den FC Luzern den Befreiungsschlag und bleibt Schlusslicht der Super League. Das Romand-Derby endet Unentschieden.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Wir müssen uns endlich belohnen», hatte Luzerns Trainer Thomas Häberli noch vor dem Spiel gefordert. «Wir sind lieber jetzt Letzte als Ende Saison», sagte Thuns Coach Marc Schneider. Nach dem Spiel, nach diesem Treffen im Tabellenkeller zwischen den beiden formschwachen Teams, da hatten sie irgendwie beide Recht, Häberli, der Sieger, und Schneider, der Verlierer. Nach der bitteren 0:2-Niederlage ist Thun noch immer Letzter, Schneider dürfte das noch immer besser gefallen, als wenn es denn am Saisonende so wäre. Und Häberlis Luzern hat sich belohnt, es ist ein wichtiger Sieg in der Fremde.

Und er kam einigermassen glückhaft zustande. Weil Thun besser ins Spiel kam, weil Thun auch besser im Spiel blieb. Aber die Tore schoss Luzern. Am Anfang kam es, wie man sich das so vorstellt, wenn sich die beiden schlechtesten Offensivabteilungen der Saison gegenüberstehen. Viele Aktionen gab es nicht in den Strafräumen - und wenn, dann mangelte es an Selbstvertrauen, an Konsequenz. Eleke scheiterte nach einem Patzer der Thuner Abwehr mit seinem Lob, Rapp nach einem Steilpass an Luzerns Goalie Müller.

Rapp scheitert Mal um Mal

Rapp, beim Thuner Debakel vor einer Woche bei St. Gallen (0:4) noch auf der Bank, erhielt die Bälle, die er braucht: hoch und scharf kamen sie in den Strafraum. Aber Rapp scheiterte, Mal um Mal, einmal per Kopf, dann aus kurzer Distanz. Tosetti, Thuns eifrigster Flankentreter, meldete sich nach einer Verletzung zurück, mehr als 20 Flanken sollte er bis Spielende schlagen.

Torlos war es zur Pause, und nur kurz nach Wiederanpfiff lag der Ball dann endlich im Tor - in jenem von Thun. Da ging es für die Thuner plötzlich viel zu schnell, Schürpf spielte auf Margiotta, der zog noch von der Strafraumgrenze ab, 1:0 für Luzern. Thun zeigte sich etwas überrascht, nicht aber geschockt, machte weiter mit dem Angriffsspiel. Stillhart setzte seine Direktabnahme aus wenigen Metern übers Tor, dann köpfelte der eingewechselte Salanovic aus kürzester Distanz vorbei. Und mit dem nächsten Luzerner Konter traf der erst 18-jährige Males, eben erst eingewechselt hatte ihn Trainer Häberli.

Umstrittene Elfmeter-Szene im Romand-Derby

Auch das zweite Romand-Derby der Saison endete 2:2. Für den Ausgleich sorgte Routinier Nuzzolo nach einem Penalty, der viel diskutiert wurde. Schiedsrichter Stefan Horisberger taxierte ein Foul von Servettes Maccoppi an Raphaël Nuzzolo für penaltywürdig. Nuzzolo (76.) schnappte sich den Ball und glich vom Penaltypunkt zum 2:2 aus und beendete seine Torflaute nach rund einem Monat. Der Strafstoss blieb fragwürdig, den der Unparteiischen in seinem ersten Super-League-Spiel gab.

Nuzzolo verteidigte Horisberger. «Ich spekuliere auf den Ball und spüre den Druck meines Gegenspielers von hinten, der mich am Torschuss hinderte. Auf Video kann man den Druck nicht spüren und die Szene deshalb auch nicht beurteilen. Den Elfmeter kann man meines Erachtens geben – und dann ist auch noch der VAR da.» Das war am Samstagabend Alain Bieri, der in Volketswil Horisberger unterstützte. Bieri griff aber nicht ein. Wohl auch, weil der Pfiff kein klarer Fehlentscheid war. Allerdings mussten sich die Genfer an der eigenen Nase fassen, dass sie dieses Spiel noch aus der Hand gegeben haben.

Servette vergibt auswärts 2:0-Führung

Man durfte durchaus von einem Traditionsduell sprechen: Das Derby zwischen Xamax und Servette war bereits das 100. Aufeinandertreffen der Clubs aus der Romandie. Mit besseren Vorzeichen für die Neuenburger: Seit der Neugründung 2012 haben die Xamaxiens kein Spiel gegen Servette verloren. Zudem wollten die Hausherren an das erste Erfolgserlebnis der Saison (1:0 in Lugano) anschliessen und auch den ersten Heimsieg folgen lassen.

Das Vorhaben war gut, nur spielte Servette da nicht mit. Nach einem Doppelschlag lag der Aufsteiger nach 18 Minuten 2:0 in Führung. Erst fasste sich Varol Tasar (15.) ein Herz und zog aus rund 24 Metern ab. Xamax-Goalie Walthert machte sich sehr lang, konnte aber nichts ausrichten. Damit belohnte sich der Torschütze selber mit einem Geschenk, denn Tasar feierte am Freitag seinen 23. Geburtstag. Drei Minuten später bediente Alex Schalk den im Strafraum freistehenden Gaël Ondoua. Der Nigerianer hatte leichtes Spiel und schon stand es 2:0.

Magnins Gardinenpredigt zur Pause

Krise bei Genf nach vier Spielen ohne Sieg? Nicht die Spur. Die Gäste waren gnadenlos effizient. Xamaxien Raphaël Nuzzolo (41.) bot sich die Chance zum Anschlusstreffer, aber der Stürmer verzog knapp. Aber nun war auch das Heimteam im Spiel, das bis dahin eine enttäuschende Darbietung zeigte. Trainer Joël Magnin hatte es eilig, seine Mannschaft in die Kabine zu beordern. Es setzte wohl eine Gardinenpredigt ab.

Sie zeigte Wirkung. Xamax legte eine Schippe drauf. Erfolgreich. Nuzzolo brachte eine Ramizi-Flanke irgendwie mit dem Kopf zu Gaëtan Karlen. Der Siegtorschütze in Lugano traf wieder. Nach 50 Minuten stand es nur noch 1:2. Das Romand-Derby war lanciert. Pikant: Ende August führte Xamax in Genf zur Pause mit dem gleichen Resultat. Das Spiel endete 2:2. Und dann kam es zu dieser Szene, die zum Penalty führte. Unter dem Strich ging die Punkteteilung in Ordnung, bringt jedoch weder Xamax noch Servette wirklich viel.

Telegramme:

Thun - Luzern 0:2 (0:0)

4619 Zuschauer. - SR Piccolo.

Tore: 51. Margiotta (Schulz) 0:1. 79. Males (Margiotta) 0:2.

Thun: Hirzel; Glarner, Havenaar, Sutter, Hefti (85. Munsy); Stillhart (75. Chihadeh), Fatkic; Tosetti, Castroman, Vasic (68. Salanovic); Rapp.

Luzern: Müller; Kakabadse, Lucas, Knezevic, Sidler; Ndiaye (83. Demhasaj), Schulz (91. Cirkovic), Voca, Schürpf; Margiotta, Eleke (77. Males).

Bemerkungen: Thun ohne Hediger, Bigler, Karlen, Ziswiler (alle verletzt), Joss und Righetti (krank). Luzern ohne Schwegler, Ndenge, Grether und Arnold (alle verletzt). Verwarnungen: 67. Ndiaye (Foul). 76. Havenaar (Foul). 89. Demhasaj (Foul).

Neuchâtel Xamax - Servette 2:2 (0:2)

5819 Zuschauer. - SR Horisberger.

Tore: 15. Tasar (Schalk) 0:1. 18. Ondoua (Schalk) 0:2. 50. Karlen 1:2. 78. Nuzzolo (Foulpenalty) 2:2.

Neuchâtel Xamax: Walthert; Neitzke, Oss, Xhemajli; Seydoux, Corbaz, Ramizi, Kamber; Haile-Selassie (31. Doudin), Karlen (82. Seferi), Nuzzolo.

Servette: Frick; Sauthier, Rouiller, Sasso, Gonçalves; Tasar (69. Cognat), Maccoppi, Ondoua (81. Kyei), Schalk (61. Souici); Koné, Imeri.

Bemerkungen: Neuchâtel Xamax ohne Di Nardo, Dugourd, Mveng und Farine (alle verletzt). Servette ohne Stevanovic, Cespedes (beide gesperrt), Iapichino, Busset (beide verletzt) und Wüthrich (geschont). Verwarnungen: 1. Kamber (Foul), 48. Ramizi (Foul), 58. Maccoppi (Foul), 63. Koné (Foul), 74. Nuzzolo (Unsportlichkeit), 78. Frick (Foul), 83. Kyei (Foul).

(mrm/ete)

Erstellt: 05.10.2019, 21:32 Uhr

Artikel zum Thema

FC Basel gewinnt mühelos gegen Luzern

Mit einer souveränen Vorstellung und 3:0 Toren gewinnt der FC Basel gegen den FC Luzern. Die Basler übernehmen somit wieder die alleinige Tabellenführung. Mehr...

Die Super League ist spannend wie noch nie

Jetzt mischt auch Sion mit. Nach sieben Runden wurde aus dem Duell YB gegen den FCB ein Dreikampf um die Tabellenspitze. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Hochwasseralarm: Touristen im Gänsemarsch auf einem Laufweg auf dem Markusplatz in Venedig. (13. November 2019)
(Bild: Stefano Mazzola/Getty Images) Mehr...