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EM-Traum entglitt der U21 in der Verlängerung

Die Schweiz führte in Spanien 1:0, kassierte ein Tor in der Nachspielzeit und verlor 1:3. Zur Sensation, eines der besten Nachwuchsteams der Welt zu eliminieren, fehlte nicht viel. Die Spanier ihrerseits reisen erstmals seit 2000 zu einer U21-EM.

Getroffen: Shkelzen Gashi erzielte den einzigen Treffer der Schweizer.
Getroffen: Shkelzen Gashi erzielte den einzigen Treffer der Schweizer.
Keystone

92 Minuten waren gespielt, aufreibende, ruppige und hektische 92 Minuten. Gut anderthalb Stunden, die von der spanischen U21 dominiert wurden, in denen sich die Schweizer aber durch Einsatzwillen, Herz und Leidensfähigkeit auszeichneten. Dann lief die 93. Minute, und zwischen Spanien und der Schweiz stand es im Barrage-Rückspiel 1:1 – was der Schweiz die EM-Qualifikation gebracht hätte. Sisinio drosch eine Direktabnahme wuchtig ins Tornetz, und dies brachte dem ohnehin schon höchst intensiven Spiel die Verlängerung.

Dort blieben die Spanier jenes dominante Team, das sie während der 95 Minuten zuvor gewesen waren. Es fehlte ihnen jedoch an Präzision, zunehmend hektischer wurden sie. Die Schweizer kämpfen und ackerten weiter, standen zu Zehnt tief in der eigenen Hälfte und hofften auf Entlastung – die es kaum gab. Bis zum nächsten Dolchstoss in der 113. Minute: Raul Garcia stocherte einen Eckball aus kurzer Distanz über die Linie. Dieses Tor hätte den Spaniern gereicht, um sich nach dem 1:2 im Hinspiel für die EM 2009 in Schweden zu qualifizieren. Und sie verteidigten den Vorsprung auch bis zuletzt, vor allem, weil Torhüter Asenjo einen Freistoss von Johan Vonlanthen mit einer brillanten Reaktion parierte. Erstmals seit dem Jahr 2000 nimmt Spanien an einer U21-EM teil.

Lange vor den turbulenten Ereignissen in der Verlängerung war die Schweiz in der 25. Minute aus heiterem Himmel zum perfekten Start ins Rückspiel gekommen. Shkelzen Gashi nutzte nach einem weiten Befreiungsschlag des eigenen Torhüters Yann Sommer Abstimmungsprobleme in Spaniens Defensive aus und traf flach ins weite Eck. Aber: Die Spanier zeigten die Wucht, die sie im Hinspiel hatten vermissen lassen, die Technik und Extravaganz, mit der sie die Schweiz von der ersten Spielminute an unter Druck zu setzen vermochten – in der Startphase gelangten sie zu einem Spielanteil um die 70-Prozent-Grenze und zwei grossen Möglichkeiten. Nur wurde Spanien ob des plötzlichen Rückstands zunehmend aktionistischer, und deswegen liess es bis zum Ende der ersten Halbzeit beste Chancen aus.

Zur Pause verstärkte Trainer Lopez Caro die Offensive, indem er Newcastle-Akteur Xisco an die Seite von Starstürmer Krkic (FC Barcelona) einwechselte. Und in der 50. Minute, Augenblicke nach einer ungenutzten Grosschance Vonlanthens nach einem Sololauf, schlug dieser sogleich zu: Nach einem Eckball köpfelte Xisco zum 1:1-Ausgleich ein, der zwar nicht zur EM-Qualifikation reichte, unter den 8000 Zuschauer im Kleinstadion von Lorca bei Murcia aber trotzdem Euphorie entfachen liess.

Diese trug die Spanier zu einem regelrechten Powerplay, dem die Schweizer ausser defensiver Solidität nichts entgegenzusetzen hatten. Javi Garcia schoss knapp vorbei, Sommer rettete gegen Piqué und Beg Ferati mit einem Fallrückzieher gegen einen Schuss Xiscos auf der Linie. Die Schweizer verteidigten mit 22 Füssen, und trotzdem blieb aus ihrer Sicht die eine bange Frage: Reicht das, um das 1:1 über die Zeit zu zittern gegen diese hemmungslos angreifenden Spanier mit ihrer stupenden Technik und einer Ballkontrolle, wie sie auf dieser Altersstufe selten zu sehen ist? Die Antwort von Sisi in der 93. Minute war kurz und satt. Und das 2:1 war auch verdient.

Trotzdem brachte es den Schweizer Trainer Pierre-André Schürmann zum Kochen: In der Nachspielzeit, vor dem Tor, wollte der Westschweizer Patrik Baumann einwechseln, um Zeit zu schinden. Er habe dem vierten Offiziellen längst signalisiert, dass er wechseln wolle, sagte Schürmann – doch obwohl das Spiel in der Folge zweimal unterbrochen war, liess das Schiedsrichtergespann den Wechsel nicht zu. «Das war respektlos uns gegenüber», enervierte sich Schürmann, und er tat dies auch dem gegnerischen Trainer kund, als dieser sich im Kabinengang für das Spiel bedankte. Nur versteht Lopez Caro ausser spanisch nichts, und Schürmann sprach englisch.

Der Trainer verhehlte seine grosse Enttäuschung nicht, ein solches Ende schmerze, und er habe beim 1:2 einen Schlag bekommen. «Das hat die Mannschaft nicht verdient», sagte er, «ich bin enttäuscht für sie, meinen Staff und die ganze Schweiz.» Die U-21 bot in den zwei Spielen der EM-Barrage zwei ausserordentliche Leistungen, sie legte eine Einstellung und Leidenschaft zu Tage, wie sie in der Geschichte des Schweizer Fussballs nicht selten zu sehen gegeben hatte. Die Krönung in Gestalt der ersten EM-Qualifikation seit 2004 blieb ihr indessen vergönnt, und es kommt somit zum grossen Umbruch in der U-21: Die Jahrgänge 1986 und 87, also Spieler wie Reto Ziegler, Fabrizio Zambrella, Blerim Dzemaili, Johan Vonlanthen oder Pirmin Schwegler, werden künftig nicht mehr spielberechtigt sein.

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