Er ist der erfolgreichste Fussballer der Geschichte

Gastgeber Brasilien ist im Final der Copa América am Sonntag in Rio gegen Peru deutlich favorisiert. Captain Dani Alves kann seinen 41. Titel gewinnen.

Oft unterschätzt und wenig beachtet, jetzt im Fokus: Dani Alves, ein Verteidiger mit Zug nach vorne. (Bild: Mauro Pimentel/AFP)

Oft unterschätzt und wenig beachtet, jetzt im Fokus: Dani Alves, ein Verteidiger mit Zug nach vorne. (Bild: Mauro Pimentel/AFP)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Copa América 2019 macht keinen guten Eindruck: schwache Spiele und grobe Fouls, müde Stars und ungenügende Spielleiter, teure Tickets und halb leere Stadien. Immerhin hat es Gastgeber Brasilien in den Final von Sonntagabend im Maracanã geschafft. Gegner in Rio de Janeiro ist nicht Argentinien oder Chile, Uruguay oder Kolumbien, sondern der krasse Aussenseiter Peru.

Nach dem 0:2 im Halbfinal gegen Brasilien sagte Argentiniens Lionel Messi, die Brasilianer würden im südamerikanischen Fussballverband alles kontrollieren.

Alves vertritt seinen Freund Neymar als Captain und Leader

Es war ein heftiger Vorwurf Messis, nachdem die Argentinier in mehreren Situationen mit dem Schiedsrichter gehadert hatten. Auch die meisten nationalen Verbände des Kontinents geben keine besonders vorteilhafte Figur ab und stehen unter Korruptionsverdacht. Brasiliens Nationaltrainer Tite sagt, es gehe am Sonntag einzig um Fussball: «Bringen wir die Sache ordentlich zu Ende.» Er freut sich sehr auf seine Premiere im Maracanã nach drei Jahren Amtszeit: «Wenn du in diesem Stadion nicht gecoacht hast, bist du kein richtiger brasilianischer National­trainer.»

Auf dem Platz kontrollieren die Brasilianer in diesen Copa-Wochen tatsächlich vieles. Sie sind ausgezeichnet organisiert und stabil, kampfstark und kühl, in Abwesenheit des mal wieder verletzten Neymar agieren sie ungewöhnlich zurückhaltend. Das 2:0 gegen Argentinien war ein perfektes Sinnbild ihrer Spielweise. Messi trat zwar erstmals am Turnier überzeugend auf, stärker aber war Brasiliens überragender Goalie Alisson, der an der Copa nach fünf Einsätzen noch ungeschlagen ist. Stilsicher verteidigt die Abwehr um Thiago Silva und Marquinhos sowie Vorkämpfer Casemiro im Aufbau. Vorne sind Philippe Coutinho sowie Gabriel Jesus, Roberto Firmino und Aufsteiger Everton, der Neymar vertritt, fleissig und mannschaftsdienlich.

Neymar lässt sich auf den Tribünen und im Nachtleben von Rio blicken, er will angeblich seine Rückkehr von Paris Saint-Germain zu Barcelona erstreiken, auf dem Rasen aber wird er nicht vermisst. «Keiner ist grösser als die Seleçao», sagt Dani Alves, der gute Freund Neymars und Captain in dessen Abwesenheit.

Dani Alves ist vermutlich der wichtigste Akteur der Auswahl. 36 ist er mittlerweile schon, auf dem Feld aber wieselflink unterwegs, als wäre er 18. Gegen Argentinien leitete er das 1:0 herrlich ein, gefiel mit Engagement und Einfluss, verlor nie die Übersicht und selten den Ball. Derzeit ist Alves gerade vereinslos, sein Vertrag bei PSG lief vor wenigen Tagen aus, aber die Branchenriesen von Barcelona über Juventus bis Manchester City beschäftigen sich mit dem pass­sicheren, dynamischen, offensivstarken Rechtsverteidiger.

Der Traum: 2022 mit 39 endlich Weltmeister werden

Alves ist oft unterschätzt und wenig beachtet worden. Weil er nicht im Zentrum agiert. Weil er ein Abwehrspieler ist. Und weil er abseits des Feldes kaum Schlagzeilen liefert. Dabei ist er der erfolgreichste Fussballer der Geschichte. 40 Titel hat er in seiner langen Karriere gewonnen, mit Sevilla und Barcelona, Juventus und Paris sowie mit dem Nationalteam. Mehr als Ryan Giggs, Zlatan Ibrahimovic, Cristiano Ronaldo, Messi, Pelé und all die titelsammelnden Spanier um Xavi, Sergio Ramos und Andres Iniesta. Für Brasilien hat Alves 114 Länderspiele bestritten, er wurde U-20-Weltmeister 2003, gewann den Konföderationen-Cup 2009 und 2013 und war Mitglied des letzten Teams, das an der Copa triumphierte. Das war vor 12 Jahren, wobei Alves im Schatten Maicons stand, einer anderen grossen brasilianischen Abwehrkraft auf rechts mit Offensivdrang. Vier Einsätze bestritt Alves, im Final gegen Argentinien wurde er eingewechselt und traf zum 3:0-Endstand. «Das war ein schöner Erfolg», sagt er. «Aber ich hätte niemals gedacht, dass wir danach so lange auf eine Finalteilnahme warten müssen.»

Längst gilt Alves als bester Rechtsverteidiger der Historie, ernsthaft gefährdet wohl einzig durch Landsmann Cafu, Weltmeister 1994 und als Captain 2002. Der WM-Pokal fehlt Alves im Trophäenschrank, vermutlich würde er ihn gegen alle vielleicht bald 41 Titel tauschen. An der nächsten WM 2022 in Katar wird Alves 39 sein, aber kürzlich meinte er wie der 34-jährige Abwehrchef Thiago Silva, es sei ein Ziel, dann noch dabei zu sein. «Ich kann auf höchstem Niveau mithalten», sagt Alves. «Und es ist immer eine Ehre, im Nationalteam zu spielen.»

Vorerst geht es heute darum, die aktuelle Mission zu beenden. Und manchmal hat sogar Dani Alves einen neymaresken Moment. So liess er nach dem 3:0-Sieg Perus im Halbfinal gegen Titelverteidiger Chile seine fast neun Millionen Follower auf Twitter zweideutig wissen: «Das wars!»



Dieser Text stammt aus der aktuellen Ausgabe. Jetzt alle Artikel im E-Paper der SonntagsZeitung lesen: App für iOSApp für AndroidWeb-App

Erstellt: 07.07.2019, 17:54 Uhr

Artikel zum Thema

Messi sieht bei Copa-Sieg die Rote Karte

Video Argentinien setzte sich im Spiel um Rang 3 gegen Chile 2:1 durch. Viel mehr interessierte aber ein umstrittener Platzverweis gegen Lionel Messi. Mehr...

Argentinier verlangen Einsicht in Schiedsrichter-Protokoll

Video Nach dem 0:2 im Halbfinal der Copa América gegen Brasilien kritisiert der argentinische Verband Fehlentscheide massiv. Auch Messi beschwert sich heftig. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Der Herbst ist da: Ein Mann entfernt in St. Petersburg Laub von seinem Auto. (23. Oktober 2019)
(Bild: Anton Vaganov) Mehr...