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Er muss spielen!

Thomas Müller hat beim FC Bayern aktuell ein Problem, und das droht auf die Nationalmannschaft abzufärben.

Bei den Bayern auf der Bank, im Nationalteam in der Startelf: Thomas Müller.
Bei den Bayern auf der Bank, im Nationalteam in der Startelf: Thomas Müller.
Keystone

Ein paar Tage sind vergangen, seit Thomas Müller Sätze gesagt hat, über die er mittlerweile vielleicht anders denkt. Könnte gut sein, dass er sich seine trotzigen Worte heute verkneifen würde, wie schon nach dem Bundesligaspiel in Bremen. Erst hatte er dem Reporter des ARD-Hörfunks noch spitz kundgetan, dass seine «Qualitäten» beim FC Bayern derzeit «scheinbar nicht hundertprozentig gefragt» seien. Weitere Nachfragen kurz darauf lächelte er bloss weg und ging.

Doch Müllers Worte sind in der Öffentlichkeit, und die halbe Fussballbranche, so scheint es, ist damit beschäftigt, sie wieder einzufangen. Ja, der Müller sei zwar unzufrieden, werde aber beim FC Bayern ungemein geschätzt, so sagten es Sportdirektor Hasan Salihamidzic und Verteidiger Mats Hummels unisono. Als Stürmer habe er «unglaubliche Qualitäten», so Hummels via «Bild». Die Botschaft: Müller soll bei Laune gehalten werden.

Bierhoffs Appell an die Bayern

Auch bei der Nationalmannschaft, die heute Abend in Prag gegen Tschechien (Anpfiff 20.45 Uhr, Liveticker bei SZ.de) einen wichtigen Schritt in der WM-Qualifikation machen will, ist Müller ein grosses Thema. Erst recht, seit der Bundestrainer in der DFB-Elf einen verschärften Konkurrenzkampf ausgerufen hat - und durchklingen liess, dass 2018 in Russland nur Spieler dabei sein werden, die auch im Verein ihre Leistung erbringen.

Diese Ansage könnte zum einen Julian Draxler auf sich beziehen, der bei Paris Saint-Germain neuerdings mit einem Konkurrenten wie Neymar um Einsatzminuten rangeln muss. Oder Mesut Özil, der wie der gesamte FC Arsenal derzeit neben sich zu stehen scheint. Und auch Müller, der weniger spielt, als er möchte, und der ahnt, dass in Trainer Carlo Ancelotti derzeit nicht der allergrösste Bewunderer seiner Kunst auf der Münchner Bank sitzt.

Nationalelfmanager Oliver Bierhoff wies ziemlich deutlich darauf hin, dass Müllers Situation im Verein für den DFB kaum hinnehmbar ist. «Er muss spielen!», forderte der Teammanager. Der gebürtige Oberbayer sei ja einer, wegen dem die Leute ins Stadion kämen, ob bei den Münchnern oder der Nationalmannschaft. Müller habe «unglaublich viel erreicht und eine unglaublich hohe Qualität», so Bierhoffs Appell nach München: «Ich hoffe natürlich, dass sich auch Bayern bewusst wird, dass er einfach eine Identifikationsfigur des Vereins ist.»

Löw: «Ein Freiticket hat niemand»

Gegen die Tschechen wird Müller in der Startelf stehen, Bundestrainer Löw machte an diesem Donnerstag jedoch klar, dass Identifikationspotential oder alte Verdienste nicht mehr viel zählen. Klar gebe es weiterhin «Fixpunkte» im Team, zu denen auch Müller gehört. Aber gerade im Sturm gebe es in der Nationalelf keine klare Hierarchie. «Ein Freiticket hat niemand», erklärte Löw. Jeder Spieler müsse zeigen, dass er unbedingt bei der Weltmeisterschaft dabei sein wolle - und sich im WM-Jahr am besten noch verbessern. Der Druck für Müller wird also steigen.

Der gab sich bei der Nationalelf gewohnt locker, aus dem Flugzeug fütterte Müller seine Social-Media-Profile mit Fotos, beim Training scherzte er mit dem Bundestrainer, scharte beim Auslaufen die Kollegen um sich - keine Spur von Verbitterung. «Da gibt es Spieler, die sich ganz anders verhalten», bemerkte Teamkollege Joshua Kimmich, was als Lob an Müllers tadellos professionelle Einstellung zu verstehen war. Übrigens, im Hinspiel vor elf Monaten traf Müller beim 3:0 gleich doppelt. Vielleicht nicht der schlechteste Gegner in schwieriger Zeit.

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