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Er tritt einem schon mal auf die Füsse

Boris Smiljanic folgt auf Murat Yakin als Trainer des FC Schaffhausen. Der Schatten seines Vorgängers ist lang – dafür darf er endlich seine eigenen Ideen verwirklichen.

Hat keine Lust, Politiker zu sein: Boris Smiljanic, neuer Trainer des FC Schaffhausen. Foto: Sabina Bobst
Hat keine Lust, Politiker zu sein: Boris Smiljanic, neuer Trainer des FC Schaffhausen. Foto: Sabina Bobst

Jetzt ist er weg. Der Mann, dank dem dieser Club innert acht Monaten eine beachtliche Metamorphose durchmachte. Vom Abstiegskandidaten zum Aufstiegsaspiranten. Das ist die Geschichte des FC Schaffhausen unter Murat Yakin, einer schillernden Persönlichkeit des Schweizer Fussballs. Seine Ankunft in Schaffhausen war so überraschend wie sein Abgang. GC, eine alte Liebe, steckt im Schlamassel. Darum verabschiedete er sich kurz nach Saisonstart, nach sechs Ligaspielen und ebenso vielen Siegen. Die nächste Reanimation ist gefragt.

Ein Abschiedsspiel gab es gleichwohl. 3:1 gewann Schaffhausen gegen Vaduz vor knapp zwei Wochen. Schon damals im Stadion: Boris Smiljanic, sein Nachfolger. Er sah, wie seine künftigen Spieler den alten Trainer feierten, ihn in die Luft warfen. «Zu Recht», sagt der Neue.

Wenige Tage vor seinem ersten Spiel als Coach in der Challenge League in Genf steht der 40-Jährige auf dem Kunstrasen des nagelneuen Schaffhauser ­Stadions und sagt: «Die Fussstapfen sind gross, keine Frage.» Die ganze Liga warte nun darauf, dass Schaffhausen mit ihm, dem Neuankömmling, ein erstes Mal ausrutsche. «Damit kann ich leben.» Smiljanic wollte das ja, eine neue Aufgabe. Mit mehr Verantwortung. Vor allem aber mit mehr Freiheiten.

Schattenseiten der Jugendarbeit

Nachdem der Innenverteidiger seine Karriere 2012 nach 256 Super-League-Partien bei den Grasshoppers beendet hatte, wurde er noch im selben Sommer Assistenztrainer der U-21. Zweimal in Folge spielten sie gegen den Abstieg, dann übernahm Smiljanic als Cheftrainer. Erst führte er die Mannschaft auf Rang 4, in den Folgejahren zweimal auf den 2. Platz. «Wir waren das Barcelona der 1. Liga», wagt der Aargauer einen etwas verwegenen Vergleich.

Es war eine gute Zeit, nur waren da aber eben auch immer diese Vorgaben, an die er gebunden war. Das Meinungsspektrum bei GC war gross. Nicht selten hörte Smiljanic, was gut wäre, wer spielen sollte und welches Spielsystem angebracht wäre. Auch, weil sich die Jugendmannschaften an der Spielphilosophie der Profis orientieren. «Man muss Spieler ausbilden, die zum System der Profis passen, deshalb kann man sich als Nachwuchstrainer nie wirklich frei entfalten», erzählt Smiljanic.

An seinem neuen Arbeitsort hat er nun freie Hand. Er geniesst das, sagt aber auch: «Ich werde die Vorarbeit von Yakin nicht gleich über den Haufen werfen.» Der Grund ist einfach: «Es hat gut funktioniert.» Schaffhausen führt die Liga ohne Verlustpunkte an.

Er und Yakin würden ohnehin eine ähnliche Idee von Fussball haben, findet Smiljanic. Nüchtern sei die, das Credo simpel: «Die Spieler sollen in bestimmten Situationen die richtigen Entscheide treffen.» Veranschaulichen will er das an einem Beispiel im Strafraum. «Wenn ein Verteidiger in einer heiklen Situation einen Gegenspieler ausdribbelt und ihm das gelingt, flippt das Stadion aus. Aber eigentlich ist es ein falscher Entscheid. Er müsste den Ball einfach wegschlagen, auch wenn das weniger attraktiv ist.»

Smiljanics Visionen sind klar. Ebenso sein Führungsstil. Er nennt ihn «eine Art demokratische Diktatur». Wenn sich irgendwer an etwas stört, soll er das sagen können. Das findet er wichtig. Aus seiner Zeit als Jugendtrainer nimmt er vor allem eines mit: dass Ehrlichkeit die vielleicht wertvollste Tugend ist. Es sei schwer gewesen, Talenten zu eröffnen, dass es ihnen fürs Profigeschäft nicht reiche, ihnen mit wenigen Worten Zukunftsängste zu bescheren. Aber es hat ihn als Person weitergebracht. Früher habe er öfters die Faust im Sack gemacht. «Heute bin ich offener und direkter.»

«Ich will nichts schönreden»

Das ist auch ein Grund, warum aus Smiljanic kein Sportchef wurde, dieser Job ist ihm zu politisch. «Ich bin kein Politiker, ich mag nichts schönreden, ich bin geradeaus und habe kein Problem, jemandem mal auf die Füsse zu treten.» Also sagt er über die Kooperation zwischen GC und Schaffhausen zwar: «Sie ist für beide Seiten von Vorteil.» Als verlängerten Arm der Grasshoppers, die ihren Nachwuchs zu ihm schicken, sieht er sich aber nicht: «Für mich ist die Kooperation momentan sekundär. Ich muss jetzt mit diesem Team Erfolg haben.»

Vertraglich ist er nur an Schaffhausen gebunden, bis Ende Saison mit Option auf eine Verlängerung. Und Boris ­Smiljanic will seinen neuen ­Verein prägen, «etwas bewegen». Das ist seit jeher sein Anspruch, wenn er ­irgendwo antritt. Deshalb sagt er auch, dass er trotz seiner drei Länderspiele kein Schweizer Nationalspieler gewesen sei. «Ich habe dem Team schlichtweg zu wenig gebracht.» Er hofft schwer, das dereinst nicht über seine Zeit in Schaffhausen ­sagen zu müssen.

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