Ergreift der FCZ die günstige Gelegenheit?

Nach dem Abstiegskampf bleibt den Zürchern keine Zeit zu grübeln. Jetzt will sich das Team direkt in die Europa League spielen.

Obschon der FCZ in dieser Saison nicht oft Grund zum Jubeln hatte, kann er noch auf den 3. Platz vorstossen.

Obschon der FCZ in dieser Saison nicht oft Grund zum Jubeln hatte, kann er noch auf den 3. Platz vorstossen. Bild: Ennio Leanza/Keystone

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Irgendwann wird er sich die Zeit schon nehmen. Aber nicht jetzt. «Was soll ich Energie dafür verbrauchen?», fragt Ludovic Magnin. Sollen sich vorerst andere den Kopf darüber zerbrechen, wie es sein kann, dass sein FC Zürich innert weniger Tage den Abstiegskampf hinter sich gelassen hat – und nun plötzlich um einen direkten Platz in der Europa League spielen darf.

Es ist eine wundersame Wendung, die auch mit einer gewissen Beliebigkeit in dieser Liga zu tun hat. Bisweilen wirkt es ja so, als ob die Teams auf den Rängen drei bis acht die Resultate ihrer Direktduelle nach dem Zufallsprinzip auswürfeln liessen.

Wobei Magnin das naturgemäss etwas anders sieht. Der FCZ-Trainer glaubt nicht an Zufall oder Glück, er geht davon aus, dass sich harte Arbeit irgendwann einmal auszahlt: «Die Frage ist bloss: Bekommst du genügend Zeit?» Beim FCZ scheint das der Fall gewesen zu sein. Magnin streicht hervor, wie Vorstand, Spieler und Trainerteam «gemeinsam funktionieren». Er geht fest davon aus, dass sich die kollektiv erdauerten Wochen in der Abwärtsspirale im Endeffekt positiv auswirken werden: «Das Team ist in den schweren Momenten zusammengewachsen. Nur eine intakte Mannschaft überlebt den Abstiegskampf.»

Und so könnte es den Zürchern gleich gehen wie dem Mann in dem angejahrten Witz, der zum Dieb wird, weil hinter der Ladenkasse niemand steht ausser dem Werbeplakat mit der Aufschrift: «Ergreifen Sie die günstige Gelegenheit!»

Noch zwei Siege bis Europa

Auch der FCZ könnte ziemlich billig zu seinem Platz in Europa kommen. Zwei Siege gegen Luzern und St. Gallen reichen, um sicher die Qualifikation zur Europa League zu spielen. Sogar der Sprung in die Gruppenphase ist eventuell mit weniger als 50 Punkten zu erreichen. So wenige Zähler brauchte es für Rang drei seit der Einführung der Super League 2002 nie.

Für Magnin ist klar: «Ich traue meinem Team zu, dass es die letzten beiden Partien gewinnt.» Zwar haben seine Spieler seit den goldenen Tagen im Herbst konstant ohne Konstanz gespielt. Aber Magnin hat beobachtet, wie die Siege gegen Xamax und Thun seine Spieler verwandelt haben. Plötzlich gelingen im Training wieder Spielzüge, plötzlich ist das Selbstvertrauen zurück.

Ja, Magnin selbst merkt, wie die gebannte Abstiegsgefahr auch sein Leben verändert. Eigentlich ist der Romand einer, der die Arbeit auch mal vor der Haustür lassen kann. Aber als der Barrageplatz immer näher kam, da gelang ihm das plötzlich nicht mehr, da drehte das Kopfkarussell zu Hause weiter. Gerne bis weit in die Nacht hinein.

Es war schliesslich die erste Krise, die Magnin in seiner Karriere als Trainer erlebte. Sie hat beim stets so jungenhaft wirkenden 40-Jährigen auch äusserlich Spuren hinterlassen. Fast wirkt es so, als habe Magnin seit dem vergangenen Sommer nicht bloss eine, sondern gleich mehrere Saisons durchlebt.

Und noch ist die Spielzeit nicht vorbei. Noch muss der FCZ beweisen, dass er tatsächlich gereift ist. Dass er die Chance nicht einfach fortwirft, die ihm diese wirre Super League bietet. Ganz ohne Zweifel ist Magnin nicht. Bereits fürchtet er, dass zwei Siege in Folge reichen könnten, damit seine Untergebenen die Defensivarbeit vernachlässigen.

Nef seit Januar vertröstet

Das wäre dann grobfahrlässig. Und ein weiterer Grund für den FCZ, sowohl die Arbeit des Trainers, als auch das Kader im Sommer einer eingehenden Überprüfung zu unterziehen.

Es gibt sowieso Stimmen im FCZ, die darauf drängen, die Mannschaft einem gröberen Umbau zu unterziehen. Ob diesem auch der 37-jährige Alain Nef zum Opfer fällt, ist weiter unbekannt. Seit Januar wird der Innenverteidiger, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, vertröstet. Jetzt sagt Magnin, er würde zwar gerne mit Nef weiterarbeiten: «Aber es gibt noch andere Parameter.»

Erstellt: 22.05.2019, 16:37 Uhr

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