Koller wirft die Maschine FCB wieder an

In einer turbulenten Partie gewinnt der FC Basel gegen das Schlusslicht GC 4:2 – auch dank Jonas Omlin.

FCB-Goalie Jonas Omlin pariert zwei Penaltys. (Video: SRF/Tamedia)

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Das war eine Woche. Sie hat den Menschen in Basel zugesetzt. Die Hitze machte Stadt und Land mau. Die Tramschienen gingen gar kaputt. 1.-August-Festbesucher wurden in Muttenz mit Kabelbindern abgeführt. Der FC Basel verlor inferior gegen Paok Saloniki. Zur gleichen Zeit fing Urs Fischer, einstiger FCB-Trainer und nun jener Union Berlins, Hobbyfischer und vor einem Jahr vom Hofe FCB gejagt, seinen ersten Fisch in den Berliner Flüssen. Kurz darauf hat auch der FC Basel endlich wieder einmal etwas am Haken. Marcel Koller wird als neuer Trainer vorgestellt. Der Hoffnungsträger. Der Topkandidat. Ein starker Trainer. Ein erfahrener dazu. So wurde er genannt. Und so legte er los.

40 Minuten vor dem Spiel gegen GC nimmt Koller seinen Platz auf der Bank ein, sehr früh also, als wolle er ganz Basel zeigen: Ich bin da. Hinter ihm klatschen die Leute auf der Tribüne, es ist ein Klatschen, das in sich die Hoffnung auf bessere Zeiten trägt. Alle wissen, da ist ein Neuer da. Koller trägt Anzughose, Hemd und Lackschuhe. Es ist ein Kontrapunkt zu Vorgänger Raphael Wicky, der stets mit Trainerhosen seine Mannschaft zu coachen versuchte. Koller tigert auf dem Platz rum und bespricht sich mit seinem Assistenten Carlos Bernegger.

Leader Frei, starker Omlin

Mit gleichem Verve beginnt die Partie. 50 Sekunden sind vorbei, und Albian Ajeti steht alleine vor GC-Goalie Lindner. Ein paar Minuten später ist es Dimitri Oberlin, der ein Tor schiessen kann, doch der Mann heisst Dimitri Oberlin – und scheitert. Noch ein paar Minuten später ist es so weit, Ajeti legt mit der Hacke ab, Luca Zuffi schlenzt den Ball in die Ecke. Ein Stadion eruptiert, der Frust einer Woche entlädt sich im Jubel, Koller streckt kurz die Hände in die Höhe und versorgt sie sogleich wieder in seinen Hosensäcken. Es folgen drei weitere Tore aus Kombinationen, die vor Tagen noch kühnes Wunschdenken waren. Ajeti überzeugt, Fabian Frei zeigt, dass er ein Leader sein kann, Van Wolfswinkel spielt solidarisch, Serey Die glänzt gar mit technischen Kunststücken – und der sehr starke Omlin hält zwei Penaltys und seiner Mannschaft den Sieg.


Video: Der FCB stellt Trainer Koller vor


Basel zeigt eine Spielfreude, die unter Wicky verloren ging, die Interimstrainer Alex Frei nicht hervorzuholen vermochte und die nun Koller wieder zum Vorschein bringt. Fabian Frei sagt, sie hätten gespürt, welche «Respektsperson mit grosser Erfahrung» an der Seitenlinie stehe. Koller selbst sagt, es sei schwierig, in zwei, drei Tagen etwas zu bewirken. Vielleicht war es seine schlichte Präsenz, die dieser Mannschaft eine Reaktion ermöglichte, vielleicht auch ein mediokeres GC, das Basel immer wieder Räume liess. Sicher ist aber, dass Koller bereits in seinen ersten Tagen in Basel Spuren hinterliess.

Der FC Basel hat ein neues Gesicht

Der Verein hat mit Koller ein neues Gesicht bekommen, und man kommt fast zum Schluss, die Basler Verantwortlichen sind froh darum. Weil sie das Gesicht verloren haben oder niemand mehr dieses Gesicht sein will.

So war in diesen schlimmen Basler Tagen keine Linie in der Aussendarstellung feststellbar. Einmal stand in dieser Krisenwoche Präsident Bernhard Burgener vor die Journalisten, dann Verwaltungsrat und Sportchef Marco Streller, dann auch dessen Freund, Verwaltungsrat, U-18-Trainer und Interimscoach Frei und schliesslich auch noch Roland Heri, der Geschäftsführer. Er sagte krude Sätze wie: «Wir werden uns männlich und erwachsen austauschen.»

Ein Stück weit eingenickt

Wie ein männlicher Austausch aussieht, hat er nicht erklärt. Doch nach dieser Woche zeigt sich, dass die Basler ein Stück weit eingeknickt sind. Das zeigt besonders die Personalie Marco Schällibaum. Dieser hätte Assistenztrainer werden sollen von Marcel Koller, was dieser aber nicht wollte. Lieber war ihm Carlos Bernegger, damals schon bei GC sein Assistent. Das wiederum wollten die Basler nicht. Doch Koller setzte sich durch. Das zeigt die Macht von Koller und die Verzweiflung der Basler. Denn der Widerstand gegen Bernegger war gross. Es ist kein Geheimnis, dass Alex Frei und Bernegger sich keine Postkarten aus den Ferien schicken. Zu lädiert war ihr Verhältnis am Schluss in Luzern, wo Bern­egger Trainer und Frei Sportchef war. Doch die Basler gaben nach, sie brauchten Koller unbedingt.

Eingeknickt sind die Basler aber auch fundamental. Die «Basler Zeitung» schrieb es diese Woche ziemlich treffend, als sie feststellte, der FC Basel sei «wieder auf Feld 1». Tatsächlich haben die früheren Macher Georg Heitz und Bernhard Heusler darauf hingearbeitet, dass die Maschine FCB läuft, unabhängig davon, wer auf der Kommandozentrale steht. Die Macht im Club hatten während ihrer Ägide Präsident und Sportchef – und nicht der Trainer.

Nun scheint dieses Modell am Ende. Koller scheint in Basel als Trainer so viel Einfluss zu haben, wie es zuletzt Christian Gross hatte. Koller soll die Maschine wieder zum Laufen bringen. Mit seiner Erfahrung, die die anderen Entscheidungsträger im Club nicht haben.

Koller muss sich ein Stück weit neu erfinden

Doch wie soll er das machen? Koller ist bekannt dafür, dass er gerne mit schnellem Umschaltspiel agiert. Ob das in der Super League zum Ziel führt, ist allerdings fraglich. Der FCB ist meist Favorit, er muss das Spiel machen, die Räume sind eng, Platz zum Umschalten: meist beschränkt. Koller muss sich also ein Stück weit neu erfinden. Kann er das? Das GC-Spiel legt dies nahe.

Es ist ein Sieg, der Basel guttut, der aber auch zeigt, wo es harzt. Dafür braucht es nur einen Blick an die Seitenlinie zu Marcel Koller. Wenn seine Mannschaft verteidigen muss, dann verwirft der 57-Jährige immer wieder die Arme, sie ist in der Defensive anfällig, dazu verunsichert und fahrig. Kommt dazu, dass sie bereits nach 75 Minuten sehr müde wirkt. Koller hat Arbeit vor sich.

Erstellt: 05.08.2018, 08:09 Uhr

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