Fan-Proteste wegen Cupfinal-Preisen – es geht um viel mehr

Vier Fankurven wehren sich gegen ihrer Meinung nach zu hohe Ticketpreise beim Cupfinal. Der Streit ist Symptom für tiefer gehende Konflikte im Schweizer Fussball.

Die Fans des FC Zürich protestieren vor der Partie gegen die Young Boys gegen das Kombiticket, das beim Cupfinal vorgeschrieben wird.

Die Fans des FC Zürich protestieren vor der Partie gegen die Young Boys gegen das Kombiticket, das beim Cupfinal vorgeschrieben wird. Bild: Keystone

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In der Regel werfen sie sich ­lieber ausgewählte Unfreundlichkeiten an den Kopf. Aber für einmal ­stehen die Fankurven der Schweizer Clubs Seite an Seite. Zumindest jene der vier Cup-Halbfinalisten aus Basel, Luzern, Thun und Zürich.

Unter dem Titel «Cupfinal für alle» haben sie an Ligaspielen gegen die ihrer Meinung nach zu hohen Eintrittspreise für den Cupfinal 2019 protestiert. Dort wird ein Billett hinter dem Tor 50 Franken kosten. Auf der Haupttribüne liegen die Preise zwischen 100 und 120 Franken. Das lasse «den Besuch des Cupfinals zu einer Luxusangelegenheit verkommen», schreiben die Kurven.

Die Botschaft ist beim Schweizerischen Fussballverband (SFV) zwar angekommen. Er hat sich wegen der Proteste auch mit den Kurven in Verbindung gesetzt. An den Preisen aber wird er nichts ändern. Einerseits verweist er darauf, dass Kinder in Begleitung eines Elternteils auf der Gegentribüne nur 30 Franken bezahlen. Andererseits rechnet er schon mit den aktuellen Preisen mit leicht roten Zahlen.

1,8 Millionen Franken kostet ihn die Veranstaltung, was vor allem an den hohen Sicherheitskosten liegt. Eigentlich, rechnet der Verband deswegen vor, müsste er etwas über 60 Franken pro Ticket verlangen.

Sowieso ist der Preisstreit nur das Symptom tiefer gründender Konflikte. Aus dem einstigen Volksfest Cupfinal, bei dem der Platzsturm der siegreichen Fans nach Schlusspfiff zum Ritual gehörte, ist längst ein vergifteter Apfel geworden. In ihm kristallisieren sich all die Probleme, die den Schweizer Clubfussball umtreiben. Es geht um den Umgang mit Fans und deren Ansprüche auf möglichst grosse Autonomie. Es geht um Vermarktung, Traditionen und die Angst vor Ausschreitungen.

2014 kam es beim Final zwischen dem FCZ und dem FCB in Bern zu Ausschreitungen in der Stadt. Vor allem Zürcher Anhänger waren es, die für Sachschäden von über 40'000 Franken sorgten. Und damit für jene Schlagzeilen, die spätestens seit jener Partie aus jedem Final einen sportpolitischen Eiertanz machen. Bern wollte danach bis 2018 gar nicht mehr Austragungsort sein (bis die Young Boys als Finalist feststanden).

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Mit der Angst vor Randale stiegen auch die Sicherheitskosten. Für den Final 2019 rechnet der Verband mit 250'000 Franken für die Security im Stadion und 350'000 Franken für die Polizei ausserhalb. Die Stadt Bern übernimmt weitere 350'000 Franken an Polizeikosten.

Dazu kommt eine weitere Massnahme, die Bern dem Verband vorschreibt: Er muss ein Kombiticket anbieten. Der Stadt geht es dabei darum, die Fans möglichst gebündelt anreisen zu lassen. Auch, um sie besser kontrollieren zu können.

Im Preis für den Cupfinal 2019 ist deswegen die Reise mit einem Extrazug inbegriffen. Für den SFV ist das ein Argument für die eigene Preispolitik. In der Liga kosten Tickets für den Gästesektor zwar nur zwischen 20 und 25 Franken. Aber mit dem Billett für den Extrazug kommt eine Auswärtsreise auch auf 40 bis 45 Franken zu stehen. So gerechnet beträgt der Aufschlag für das Finalspiel fünf bis zehn Franken.

Die Angst vor dem Kombitickets

Genau die Extrazüge aber sind den Kurven ebenfalls ein Dorn im Auge. Sie haben Angst davor, dass via Cupfinal in der Liga schleichend obligatorische Kombitickets eingeführt werden könnten. Dass also künftig Auswärtsfans nur noch ans Spiel kommen, wenn sie mit vorgeschriebenen Verkehrsmitteln anreisen. «Fans sollen selber bestimmen dürfen, wie sie zum Stadion anreisen», schreiben sie. Auch dieser Streit um die autonome Anreise wird hierzulande regelmässig ausgefochten. Er wird aber bloss beim Cupfinal für eine breite Öffentlichkeit sichtbar.

Über allem steht, dass der Cup in seiner 93. Austragung nicht in seiner Blütezeit steht. Zwar hat der Verband kürzlich einen weiteren Werbepartner gefunden. Aber noch immer ist ein Sponsoren-Slot offen. 2016 mussten gar die ausbezahlten Prämien halbiert werden. Seither teilen sich die 64 Teilnehmer noch 716 000 Franken. Die beiden Finalisten erhalten je 100'000 Franken. Zum Vergleich: Der deutsche Pokalsieger 2019 erhält 5,15 Millionen.

Rein monetär stehen Aufwand und Ertrag beim Schweizer Cup in so schlechtem Verhältnis zueinander, dass ein kühler Unternehmensberater wohl empfehlen würde, den Wettbewerb einfach einzustellen.

Aber das wäre ein zu grosser Bruch mit der Geschichte. Da dürften sich die Traditionalisten im Verband und in den Kurven einig sein.

Erstellt: 24.04.2019, 09:49 Uhr

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