Trotz gewichtiger Ausfälle sind sie die Favoriten

Am Samstag beginnt für das Nationalteam die EM-Qualifikation. Eine weitere Endrundenteilnahme ist Pflicht – daran ändern die Absenzen nichts.

Das sagt Nati-Trainer Vladimir Petkovic zum Start in die EM-Qualifikation 2020. (Video: Tamedia)

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2018 war das Jahr der wild wechselnden Gefühle. Mit der WM, dem Serbien-Spiel, dem Aus gegen Schweden, mit dem Gefühl, das Vladimir Petkovic als «Kriegszustand» empfand, und dem 5:2 gegen Belgien zum Abschluss.

2019 beginnt für den 55-jährigen Nationalcoach und seine Mannschaft am Montag über Zürich, im Luxushotel, das lange Jahre geschlossen war und zwischendurch als Asylzentrum und Studentenheim gedient hatte. Mindestens 550 Franken kostet jetzt das normale Zimmer. Coach und Spieler können es sich gut gehen lassen.

2020 bringt eine Endrunde, die auf zwölf Länder und zwölf Stadien zwischen Bilbao und Baku verteilt ist. Wer den Anspruch der Schweizer hat, für den ist die Qualifikation Pflicht.

Vier Monate haben sie sich nicht mehr gesehen, seit sie sich mit dem Spektakel gegen Belgien die Qualifikation für das Finalturnier der Nations League sicherten. Nun hält Petkovic Hof im hoteleigenen 2-Stern-Restaurant, das zum Presseraum umfunktioniert worden ist, und sagt: «Wir gehen step by step.»

Schritt für Schritt, das tönt nicht aufregend, sondern nach der Sprache des Sportlers, der vor lauter Zielen das Naheliegende nicht vergessen will. Darum hat Petkovic auch nicht das Final Four im Juni in Portugal im Kopf, «überhaupt nicht», wie er betont. Sondern zuerst einmal diese beiden Spiele vom Samstag in Georgien und drei Tage später gegen Dänemark. Denn Tiflis und Basel sind die ersten Stationen in der Qualifikation für die nächste EM.

2020 bringt eine Endrunde, die auf zwölf Länder und zwölf Stadien zwischen Bilbao und Baku verteilt ist. Wer den Anspruch der Schweizer hat, für den ist die Qualifikation Pflicht. Dazu reicht schon der 2. Gruppenrang. Petkovic interessiert nicht weiter, dass notfalls als Ausweg noch immer die Hintertür über die Playoffs der Nations League bleibt, um sich einen EM-Platz zu sichern. Er ruft die direkte Qualifikation zum Ziel aus.

Dänemark als bester Gegner

Dänemark, Irland, Georgien und Gibraltar heissen der Hierarchie nach die vier Gegner. Dänemark: Das ist der Europameister von 1992, aktuell die Nummer 10 der Welt, Achtelfinalist der letzten WM, wo es von Kroatien erst im Elfmeterschiessen besiegt wurde. Es hat mit Goalie Kasper Schmeichel und Stratege Christian Eriksen zwei überragende Spieler. Petkovic sagt: «Mit Dänemark spielen wir um Platz 1.»

Irland: Die ausgelassen begossenen Tage hatten die «boys in green» Ende der 80er-, Anfang der 90er-Jahre, als sie an drei Turnieren teilnahmen. Seit 2002 waren sie an keiner WM mehr, 2016 schieden sie an der EM im Achtelfinal gegen Gastgeber Frankreich aus. Spielerisch dürften sie für die Schweiz keine Herausforderung sein, «aber», sagt Petkovic, «sie sind sehr physisch». Und die Nummer 22 der Welt.

Georgien: Die Nummer 91, Aufsteiger in der Nations League in die Liga C. Das letzte war für die Georgier das beste Jahr ihrer Geschichte überhaupt, weil sie von zehn Spielen acht gewannen und nur eines, in Luxemburg, verloren. Allerdings kamen die Gegner nicht aus der Beletage des Fussballs, sondern sind in der Fifa-Liste zwischen den Rängen 87 und 182 zu finden. Petkovic sagt: «Die Georgier sind stolz, sie sind ein unangenehmer Gegner. Aber wir sind Favoriten.» Der Hinweis auf die Favoritenrolle muss als Credo für die gesamte Qualifikation gelten.

Gibraltar: der Exot in dieser Gruppe, die Fifa-Nummer 194 (von 211). Er spielt daheim auf Kunstrasen, und Petkovic erwartet darum auswärts eine Aufgabe wie in der letzten Qualifikation in Andorra, wo die Schweiz deutlich überlegen war, sich am Ende jedoch zu einem 2:1 zitterte. Die Spieler von der Affeninsel waren in zwei Qualifikationen für EM und WM überfordert (20 Niederlagen mit total 5:103 Toren), dafür freuten sie sich in der Nations League an zwei Siegen in Armenien und gegen Liechtenstein.

Shaqiris Leiste

Petkovic ist entspannt, als er am Nachmittag nach vorne schaut. Das alte Jahr ist aufgearbeitet, diese Tage eben, die für ihn mit zu viel Polemik und der einen oder anderen Rücktrittsforderung zu viel verbunden waren. Auch wenn er nun bemerkt, das sei «Schnee von gestern», der Sieg gegen Belgien wirkt bis heute nach. Das 5:2 bildet die Basis, dass der Coach seine Arbeit nicht von vorne beginnen muss, sondern weiterführen kann.

Kaum angereist, kam die Hiobsbotschaft: Xherdan Shaqiri wird der Nationalmannschaft verletzt fehlen. (Bild: Toto Marti/freshfocus)

23 Spieler hat er ursprünglich in Zürich versammelt. Am Abend erfährt er, dass Xherdan Shaqiri ausfällt. Der Offensivgeist, der zuletzt beim FC Liverpool kaum noch Einsatzzeiten bekommen hat, muss sich mit einer Entzündung in der Leistengegend für die ersten beiden Qualifikationsspiele abmelden. Nach dem formstarken Haris Seferovic ist er der zweite gewichtige Ausfall.

Doch Petkovic ist keiner, der über die gross redet, die nicht verfügbar sind. Bei ihnen fehle keiner so sehr, dass sie ohne ihn nicht spielen könnten, sagt er. «Wir haben viele wichtige Spieler. Immer wieder ist einer von ihnen ausgefallen. Und trotzdem ist es gut gegangen.»

Video: Steven Zuber und Remo Freuler beim Zusammenzug in Zürich.

Die Nati muss die Tore von Haris Seferovic kompensieren. Freuler und Zuber sagen, wie der Benfica-Stürmer zu ersetzen ist. (Video: Tamedia)

Erstellt: 18.03.2019, 23:50 Uhr

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