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FCB: Edon Zhegrova wird Opfer des Kosovo-Konflikts

Bei der FCB-Reise nach Krasnodar fehlt neben den Langzeit-Verletzten auch der angeschlagene Raoul Petretta sowie Flügelangreifer Edon Zhegrova – ein Visum zu erhalten wäre für ihn zumindest mit grossem Aufwand verbunden gewesen.

Wird am Schwarzen Meer nicht zaubern: Edon Zhegrova, 20-jähriger kosovarischer Fussball-Profi.
Wird am Schwarzen Meer nicht zaubern: Edon Zhegrova, 20-jähriger kosovarischer Fussball-Profi.
Keystone

Vielleicht hätte Edon Zhegrova am Schwarzen Meer ja gezaubert. Denn Zauber, das steckt in seinen Füssen, das weiss man in Basel, obwohl der 20-jährige Leihspieler keine Hauptrolle beim FCB einnimmt. Denn dass er vielleicht gerade wegen dem Zauber in seinen Füssen auch ordentlich ballverliebt ist, das wissen sein Trainer und alle Beobachter.

Was man nicht wissen will, aber immer wieder erfährt: Sport hat sehr wohl etwas mit Politik zu tun. Denn der Profi-Sportler Zhegrova wird nicht am Schwarzen Meer zaubern, wenn der FC Basel dort heute (16.50 Uhr MEZ) in der Europa League antritt. Der FC Basel und sein Spieler haben auf einen Visumsantrag verzichtet, weil dieser nicht ohne grosse Entbehrungen hätte gestellt werden können.

Zhegrova ist zwar in Deutschland aufgewachsen, aber einzig im Besitz des kosovarischen Passes. Dies, während die russische Regierung Serbien nahe steht, das formell noch immer Anspruch auf das Gebiet des Kosovo erhebt. Im slawischen Bruder wissen die Serben ihren engsten Verbündeten auf ihrer Seite: Russland zählt zu jenen Staaten, welche die Unabhängigkeit des Kosovo nicht anerkennen. Mit China verhindern die Russen zudem durch die Ausübung des Veto-Rechts im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen die Aufnahme des Kosovo in die UNO.

Um (womöglich) ein Visum für die Russland-Reise zu erhalten, hätte Zhegrova weit mehr unternehmen müssen als etwa ein Schweizer Bürger. Dem FCB wurde unter anderem beschieden, dass er für einen Teil des Prozederes hätte nach Belgrad reisen müssen. Also in die Hauptstadt jenes Landes, das mit seiner kosovarischen Heimat unverändert im Konflikt steht.

Dass man bei Rotblau von diesem demütigenden Gang nach Canossa mit ungewissem Bescheid absah, ist nachvollziehbar. Umso mehr, wenn man die aktuelle Ausgangslage berücksichtigt: Der FC Basel ist mit zehn Punkten bereits vor den letzten zwei Gruppenspielen für die K.o.-Phase der Europa League qualifiziert und hat damit das wichtigste Ziel erreicht. Nun genügt ihm in jedem Fall ein Sieg, um die Gruppe als Erster abzuschliessen.

Trotzdem bedauert man beim FC Basel natürlich, dass man ohne Zhegrova gereist ist. Zumal der Aussenangreifer in dieser Partie für mehr als nur ein paar Minuten in Frage gekommen wäre. Am Sonntag folgt das wichtige Spitzenspiel zuhause gegen den BSC Young Boys. Dort wird man – in Abwesenheit des gesperrten Valentin Stocker – auf einen frischen Noah Okafor und einen frischen Kevin Bua auf den Flügeln angewiesen sein

Roland Heri, CEO des FC Basel, sagt dazu: «Es ist immer ärgerlich, wenn ein Sportler nicht so reisen kann, dass er seinem Beruf nachgehen kann. Wir sind - wie viele andere Clubs wohl auch - im ständigen Austausch mit der Uefa, um diese Situation zu verbessern. Sie sollte aber nicht nur für Sportler, sondern für alle Menschen besser werden.»

Zhegrovas Fall erinnert an den armenischen Angreifer Henrich Mchitarjan. Der Arsenal-Profi verzichtete im Frühjahr nach langem Hin und Her auf den Europa-League-Final in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku. Zwischen Aserbeidschan und Armenien schwelt ein Konflikt um die Region Bergkarabach. Mchitarjansmögliche Teilnahme am grossen Spiel in Baku wurde deswegen zum Politikum.

Auch für den FC Basel ist es nicht neu, dass ihm die internationale Politik das Sportleben erschwert: Als die Basler im Sommer 2013 in der Qualifikation zur Champions League auf Maccabi Tel-Aviv trafen, wurde von arabischer Seite viel Druck auf die beiden Ägypter im damaligen FCB-Team und dabei vor allem auf Mohamed Salah ausgeübt. Sie sollten nicht gegen den Club aus dem israelischen Feindesland antreten und schon gar nicht auf israelischem Boden.

Die damalige FCB-Führung um Präsident Bernhard Heusler und Sportdirektor Georg Heitz führte einige Gespräche mit dem heutigen Liverpool-Star, bevor klar war, dass Salah den Sport höher gewichtet als die Politik. Dieser setzte dennoch Zeichen: Im Heimspiel (1:0), indem er vor der Partie die Schuhe band, anstatt zum Handshake mit dem Gegner anzutreten. Im Rückspiel, indem er bei diesem Handshake per Faust abklatschte – und indem er beim 3:3 das Tor zum 2:0 erzielte.

Zumindest die Kaderzusammenstellung für die Europa-League-Reise gibt noch keinen Aufschluss darüber, mit wievielen Stammkräften die Basler Startelf in Krasnodar aufwarten wird: FCB-Trainer Marcel Koller stellte die Reisegruppe so zusammen, dass sich am Flughafen nur jene Profis nicht einfanden, die für den Vergleich in Russland unpässlich sind - oder die in der bisherigen Saison keine Rolle spielten.

Zuhause blieben neben Zhegrova folglich die Langzeit-Verletzten Ricky van Wolfswinkel (rekonvaleszent nach Aneurysma-Eingriff), Zdravko Kuzmanovic (rekonvaleszent nach Achillessehnen-OP), Eric Ramires (rekonvaleszent nach Muskelbündelriss im Oberschenkel) und der gesperrte Taulant Xhaka sowie die Jungprofis Yves Kaiser, Julian Vonmoos, Tician Tushi und Yannick Marchand. Zu diesen Abwesenden hinzu gesellt sich ausserdem Raoul Petretta. Der Linksverteidiger wird nicht zum ersten Mal in dieser Saison von Hüftproblemen beeinträchtigt.

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