FCB-Niederlage wirft unbequeme Fragen auf

Wie in der Vorsaison starten die Basler mit einer knappen Niederlage in den europäischen Wettbewerb. Vieles erinnert an das Duell gegen Thessaloniki.

In der Nachspielzeit: Basel kassiert gegen anrennende Eindhoverner das 2:3 und macht sich die Aufgabe im Rückspiel selber schwer. (Video: Teleclub)

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Auf diese Schlussphase hätte Marcel Koller gerne verzichtet. Er hätte das Spiel beim PSV Eindhoven am liebsten in der 88. Minute angehalten und den Rest einfach abgeschnitten. Aber zu den Gemeinheiten des Fussballs gehört es nun mal, dass man um die branchenüblichen 90 Minuten nicht herum kommt – und dass es häufig noch ein bisschen weitergeht. Und so endete der Dienstagabend für Koller damit, dass er sich nicht über einen 2:1-Sieg des FC Basel freuen konnte, sondern sich über eine 2:3-Niederlage ärgern musste.

Es hätte Koller einige Fragen erspart, wenn man diese Partie nach 88 Minuten abgepfiffen hätte. Zum Beispiel, warum seine Spieler es trotz der warnenden Rufe ihres Trainers nicht schafften, dem Druck der Gastgeber auszuweichen. Und es wäre auch nur eine Randnotiz gewesen, dass Koller vor dem 2:3 den defensiven Mittelfeldspieler Eder Balanta aus- und dafür den stürmenden Mittelfeldspieler Afimico Pululu einwechselte. So aber musste Koller vor dem Abflug aus Holland noch einige unbequeme Fragen beantworten.

«Dachten, er hätte eine Zerrung»

«In der Schlussphase wäre es wichtig gewesen, dass wir den Gegner beschäftigen», sagte der Trainer, «das hat nicht geklappt». Und natürlich habe er den robusten Balanta nicht ausgerechnet in dieser hektischen Phase vom Platz nehmen wollen, «aber wir dachten, er hätte eine Zerrung». Aber trotzdem wollte er nicht von seiner Analyse des Vorabends abweichen, als er erklärt hatte, dass die Basler trotz der Niederlage noch alle Chancen hätten.

Und er hatte ja recht. Eine knappe Niederlage, verbunden mit zwei Auswärtstoren, hätten die meisten Basler – inklusive Koller – vor dem Anpfiff jederzeit entgegen genommen. Aber nicht so, nicht mit dem schalen Gefühl, dass man in Holland eine hervorragende Ausgangslage für das Rückspiel verpasst hat. «Es ist kein gutes Gefühl, wenn du mit einer Niederlage nach Hause fährst, obwohl du 2:1 geführt hast. Aber im Fussball ist alles möglich», sagte Eray Cömert. Und er war in Gedanken vermutlich wieder in der Vorsaison.

Die junge Innenverteidigung

Vor einem Jahr sind die Basler auch mit einer knappen Niederlage von ihrem ersten Auslandseinsatz zurückgekehrt. Sie hatten gegen Paok Thessaloniki 1:2 verloren, was nicht so schlecht war, wenn man bedenkt, dass sie ohne einen echten Rechtsverteidiger angetreten waren: Der eben erst verpflichtete Silvan Widmer war krank, Taulant Xhaka verletzt und Raoul Petretta ab der 44. Minute nicht mehr einsatzfähig. Yves Kaiser übernahm.

Albian Ajeti erzielte damals das späte Basler Tor, aber auch das konnte die Risse innerhalb des Vereins nicht mehr kitten. Schon auf dem Rückflug war anhand der Aussagen von Raphael Wicky und Marco Streller zu interpretieren, dass der Trainer nicht glücklich war mit der Tatsache, dass er in einem derart zentralen Spiel ohne vorzeigbaren Rechtsverteidiger antreten musste. Zwei Tage später war Wicky dann nicht mehr Trainer.

Ähnliche Überwerfungen sind in den nächsten Tagen nicht zu erwarten. Um turbulente Trennungen von wichtigen Mitarbeitern hat sich der Club in diesem Jahr schon in der Sommerpause gekümmert. Der FCB wird nicht wieder mitten im Saisonauftakt knietief im eigenen Chaos versinken. Doch das heisst nicht, dass es sportlich anders läuft. Der FCB muss nächsten Dienstag gewinnen, um die nächste Runde auf dem Weg in die Champions League zu erreichen.

Zwei Tore aus drei Schüssen

Ein 1:0 würde den Baslern reichen, egal ob nach 90, 92 oder 98 Minuten. Aber man fragt sich, wie das gehen soll. Zwar zeigten die Basler in Eindhoven eine fast in Vergessenheit geratene Effizienz: Aus drei Schüssen resultierten zwei Tore. Aber es ist aktuell schwer vorstellbar, dass die Basler gegen diesen Gegner ohne Gegentor bleiben können.

Das hat einerseits mit den schnellen PSV-Stürmern zu tun, aber auch mit der Basler Innenverteidigung. Dort hat der Club einen Paradigmen-Wechsel vollzogen, weg von geballter Routine und hin zu einem jugendlichen Pärchen. Eray Cömert (21) und Omar Alderete (22) waren in Eindhoven an beiden Basler Toren beteiligt, aber auch an allen Gegentoren. Auf sie wird es besonders ankommen, wenn die Basler nächste Woche eine Chance haben wollen. «Sicher ist es von Vorteil, wenn der Nebenmann nicht so häufig wechselt. Aber Omar und ich passen gut zusammen und werden mit jedem Spiel besser harmonieren», sagte Cömert gestern.

Und das wird auch dringend nötig sein, damit das Duell gegen PSV nicht so endet wie das im Vorjahr. Das Rückspiel gegen Thessaloniki verloren die Basler bekanntlich mit 0:3.

Erstellt: 24.07.2019, 18:35 Uhr

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