FCB-Millionen für die Agenten

Schweizer Fussballclubs zahlen viel Geld an Spielervermittler. Ein Dokument zeigt, wie viel genau. Sogar der Staat hat sich eingeschaltet.

Renato Steffen war einer der Basler Transfers in diesem Jahr. Foto: Keystone

Renato Steffen war einer der Basler Transfers in diesem Jahr. Foto: Keystone

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Das Dokument heisst «Geleistete Vermittler-Vergütungen», liegt etwas ­versteckt auf der Site des Fussballverbands und zeigt Informationen, die von der Fussballwelt bisher wie ein Geheimnis gehütet wurden: die Gelder der Vereine an Spielerberater. Der FC Basel hat ­zwischen April 2015 und 2016 rund 2 Millionen Franken und damit am meisten aller Schweizer Clubs an Spieleragenten abgegeben. YB folgt auf dem zweiten Platz, mit einer Summe von 678'000 Franken, dann der FC Zürich (454'000) und die Grasshoppers (374'000).

Die Summen sind erstmals bekannt, weil die Fifa seit diesem Jahr den ­Verbänden vorschreibt, die Abgaben an Beratern zu erheben und veröffentlichen.

FC-Basel-Sportchef Georg Heitz sagt: «Dass wir am meisten zahlen, überrascht mich nicht.» Heitz weiss, dass Basel in diesem Jahr Spieler wie Janko, Steffen, Boëtius, Bjarnason, Kuzmanovic oder Hoegh verpflichtet hat. Er weiss auch, dass sein Club in der Schweiz die höchsten Löhne und Ablösesummen zahlt. Über die Höhe der einzelnen Beträge will Heitz nicht sprechen, er weist aber ­darauf hin, dass sich die Abgaben sowohl an der Transfersumme oder am Lohn orientierten, aber auch als pauschale Summe abgemacht werden könnten.

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Branchenüblich sind aktuell Abgaben zwischen 8 und 12 Prozent auf Lohn und Transfersumme. Als die Fifa vor rund einem Jahr eine Beschränkung von 3 Prozent vorschreiben wollte, ­reagierte die Beraterszene mit heftigem Protest, worauf die Fifa verzichtete.

Die Entschädigungen an die Berater können auf dreierlei Weise anfallen: bei Spielerkäufen. Bei Vertragsverlängerungen. Und mitunter bei Spielerverkäufen – dann nämlich, wenn der Verein einen Berater beauftragt, um einen Spieler von der Lohnliste zu bringen und ihn bei einem anderen Club zu platzieren.

133'000 Franken pro Spieler

15 Transaktionen sind beim FC Basel aufgeführt, das entspricht durchschnittlichen Beraterabgaben von 133'000 Franken. Auf die Summe angesprochen, sagt Heitz: «Sie mag hoch erscheinen, was auch darin begründet sein kann, dass gewisse Wechsel ablösefrei stattgefunden haben.» Heisst: Handgeld für den Spieler und damit eine höhere Provision für den Berater waren die Folge. Zudem seien die meisten Basler Zugänge (U-)Nationalspieler, was ebenfalls honorarsteigernd sei. Beim FC Zürich sind es bei 19 Transaktionen 23'900 Franken im Schnitt, bei GC 15 600 Franken (bei 24 Transaktionen).

Auffallend hoch sind Zahlen des türkisch kontrollierten Challenge-League-Clubs Wil (209'262 Franken). Auffallend tief die Entschädigungen bei Lugano (0 Franken!) und Sion: Obschon der ­Verein im vergangenen Jahr zehn Spielertrans­aktionen vorweist samt gestandenen Spielern wie Zverotic, Voser oder Zeman, betragen die Entschädigungen nur 80'000 Franken. Sion schreibt auf Anfrage, die Zahlen ­variierten von Jahr zu Jahr.

Ein zusätzlicher Treiber kann das ­Seco-Reglement zur Arbeitsvermittlung sein. Dieses besagt, dass jeder Arbeitsvermittler eine Bewilligung vom Seco und einen Schweizer Wohnsitz brauche. Bei den meisten ausländischen Spielern werden daher Schweizer Zwischenhändler eingeschaltet. Mehr Berater am Verhandlungstisch heisst auch höhere Provisionen. Es gibt gar Fälle, bei denen sich ein ausländischer Vermittler bei einem Club meldet und einen Spieler anpreist, der gar nicht sein Mandant ist. Zeigt der Club Interesse, nimmt der Berater Kontakt mit dem richtigen Agenten auf und schaltet noch einen Schweizer Agenten ein, sodass plötzlich 3 Berater am Verhandlungstisch sitzen.

Die Ausgaben der Schweizer Clubs kommen im internationalen Vergleich läppisch daher: In der Bundesliga führt Schalke die Tabelle mit 18,36 Millionen Franken an, und in England ist Liverpool der grösste Zahler (19,45 Mio). In der österreichischen Liga zahlt Salzburg am meisten (1,05 Millionen).

Erstellt: 13.04.2016, 16:17 Uhr

Die Gelder für Berater

Fehlbaren Fussballclubs droht Busse

Das Reglement des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) ist deutlich, jeder Arbeitsvermittler braucht eine Bewilligung und einen Schweizer Wohnsitz. Das gilt auch für die Spieleragenten im Fussball. Nur: Auf der Liste der 157 dokumentierten Spielertransaktionen der Schweizer Clubs stehen 16 Agenten, die zwischen Stuttgart und São Paulo wohnen – nur nicht in der Schweiz.

Betroffen sind Clubs wie Wil, Servette, Luzern, Aarau, Basel oder auch Sion. Bei mindestens einem Verein ist von einem Versäumnis die Rede, er will dieses korrigieren und mit dem Spieler einen neuen Vertrag aufsetzen. Das Seco hat aufgrund der TA-Recherchen Untersuchungen eingeleitet. Die fehlbaren Vereine riskieren eine Strafe von 40'000 Franken pro Fall. Keine Strafe droht den Spielervermittlern: Ohne Wohnsitz in der Schweiz sind sie nicht gerichtbar – und damit nicht belangbar.Das Seco lässt ausrichten, dass ein einmaliges Verfehlen mit einer Verwarnung geahndet wird. Erst bei einem zweiten Fall werde eine Busse fällig. (czu)

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