FCZ dreht das Spiel, YB mit Spektakelsieg im Spitzenspiel

Die Zürcher feiern den dritten Sieg in Folge, während bei YB - St. Gallen sogar sieben Tore fallen. Basel schlägt Lugano zudem klar.

Die Vorentscheidung: Marco Schönbächler trifft gegen Sion zum 3:2. (Video: SRF)

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Eine Bemerkung muss Ludovic Magnin zum Schluss noch loswerden. Der FCZ hat zwar eben Sion bezwungen, das 4:2 ist der dritte Meisterschaftssieg in Serie. Aber in die Aufarbeitung mischen sich auch kritische Töne des Trainers. Er sagt: «Es war vieles nicht gut in der ersten Halbzeit.»

Kaum hat der Nachmittag im Letzigrund begonnen, führen die Zürcher. Schönbächler flankt, Kramer profitiert von der Passivität seines Gegenspielers Ruiz. Magnin staunt, weil er es sich nicht gewohnt ist, dass sein Team gleich die erste Chance verwertet. Aber seine Freude darüber verfliegt ziemlich schnell. Und das hat viel mit Kololli zu tun, der auf der linken Seite verteidigen sollte, sich aber Aussetzer erlaubt, die Magnin in Rage bringen. Zuerst lässt er sich von Maceiras überlaufen – nach dessen Flanke drückt Toma den Ball über die Linie. Dann verliert er den Ball, setzt aber nur halbherzig nach und kann Toma nicht mehr an der Hereingabe hindern. Das Endprodukt ist Lenjanis 2:1 für den Gast.

Nathan köpfelt Mitrjuschkin an und trifft dann doch zum 2:2. (Video: SRF)

Kräftiges Signal von Magnin

Die Zürcher wirken defensiv anfällig, und Magnin weiss, dass er handeln muss. Er verpasst Kololli mit der Auswechslung kurz vor der Pause einen gehörigen Denkzettel. Hinterher erklärt der Trainer in energischem Ton: «Ich musste reagieren. Punkt. Aus. Wenn ich nichts unternommen hätte und ein drittes Gegentor gefallen wäre, hätten alle gefragt: Wieso macht Magnin nichts?» Er sendet mit der Massnahme ein kräftiges Signal aus, «an die Mannschaft, aber auch an die Zuschauer». Bedeuten soll es: So kann es nicht weitergehen.

Es geht auch nicht so weiter. Weil sich die Zürcher nun zusammenreissen und ausgleichen, bevor Teil 1 der Partie vorüber ist. Nathan scheitert zuerst mit einem Kopfball an Goalie Mitrjuschkin, setzt aber hartnäckig nach und imponiert damit seinem Chef. Dieser hebt den «riesigen Willen» des Innenverteidigers hervor und erklärt das 2:2 «zum Schlüsselmoment» des Spiels.

Antonio Marchesano trifft zum 4:2 und krönt seine starke Leistung. (Video: SRF)

Der FCZ macht einen stabileren Eindruck, und er hat mit Marco Schönbächler den Spieler, der an den entscheidenden Szenen beteiligt ist und sich eine vorzügliche Note verdient. Zuerst glückt ihm nach Vorarbeit von Kramer das 3:2, dann bremst ihn Maceiras regelwidrig im Strafraum. Marchesano beseitigt mit dem Penalty zum 4:2 die letzten Zweifel: Die Zürcher laufen nicht mehr Gefahr, Punkte abzugeben, nicht gegen ein Team, das keine Lust mehr zeigt, Fussball zu spielen. «Uns war in der Pause bewusst, dass wir uns steigern müssen, wenn wir erfolgreich sein wollen», sagt Schönbächler. Und mit einem Schmunzeln fügt er an: «Es ist schön, dass wir für einmal vier Tore erzielt und nicht vier erhalten haben.»

Unter der Woche hat Magnin von einer positiven Atmosphäre berichtet, die er rund um den FCZ wahrnimmt. Das 3:2 gegen Basel und das 1:0 in Thun nimmt er als Belege dafür, dass sich etwas tut in der Mannschaft. «Und jetzt», sagt er noch, «jetzt können die Spieler selber bestimmen, wohin die Reise führt: Gewinnen wir bis zur Winterpause noch ein paarmal, haben wir schöne Weihnachten. Wenn wir aber nur verlieren, haben wir Unruhe.»

Der FCZ peilt schöne Festtage an. Schönbächler findet jedenfalls, man dürfe sich nach oben orientieren. Die Laune ist gut bei ihm nach diesem 4:2, mit dem Tabellenplatz 4 verteidigt wird. Nur bei einem hält sich an diesem Sonntag das Vergnügen in engen Grenzen: Kololli ist bereits geduscht, als seine Kollegen nach dem Match in die Garderobe zurückkehren. Und aus seinem Gesicht lässt sich ablesen, wie er sich gerade fühlt. (pmb.)

Die weiteren Tore des Spiels zwischen Zürich und Sion:

Marco Schönbächler mit der Flanke, Blaz Kramer mit dem Tor. 1:0 für den FC Zürich. (Video: SRF)

Prompte Antwort der Gäste: Bastien Toma trifft zum Ausgleich. (Video: SRF)

Und sogleich die Führung erzielt: Emir Lenjani trifft nach Kolollis Ballverlust und Tomas Flanke. (Video: SRF)

YB sichert sich die Tabellenführung spektakulär

Achtung, fertig, los! Bereits die Startphase geriet verrückt in diesem Spitzenkampf zwischen YB und St. Gallen. Die Ostschweizer drückten getreu ihrem Vollgas-Trainer Peter Zeidler von Beginn weg aufs Tempo, während die Young Boys nicht ganz verbergen konnten, dass ihre Beine vom Spiel am Donnerstag gegen Feyenoord (1:1) noch etwas müde waren.

St. Gallen also stürmte an, führte früh durch ein Tor von Babic, der nur kurze Zeit später noch die Unterlatte traf. YB hatte Mühe in der Abwehr, Zesiger kam ein ums andere Mal zu spät - und traf dann plötzlich vorne per Kopfball zum 1:1. Es war ein wildes Hin und Her, beide Teams kämpften mit offenem Visier - und blieben gerade in der Luft gefährlich. Itten staubte nach 25 Minuten nach einem sehenswerten Absatztrick Demirovics ab, nur fünf Minuten später glich Fassnacht per Kopfball nach einer Garcia-Flanke aus.

Zesigers erster YB-Doppelpack zum Sieg

2:2 stand es zur Pause nach enorm intensiven 45 Minuten. YB-Goalie von Ballmoos konnte wegen Adduktorenbeschwerden nicht zur zweiten Halbzeit antreten, Routinier Wölfli sprang ein. Die zweite Halbzeit begann YB wacher: Wieder traf Zesiger, wieder nach einem Corner, wieder per Kopf. Doch auch diesmal hatte die Berner Führung nicht lange Bestand. Sörensen unterschätzte im YB-Strafraum eine Flanke von Muheim, Demirovic köpfelte zum 3:3 ins Tor.

Längst war in diesem wilden, mitreissenden Spiel auch ein 4:4, ein 5:5, ein 6:6 denkbar. YB aber blieb in der hitzigen Schlussphase cooler: Nsame traf nach starker Vorarbeit von Ngamaleu zum 4:3, St. Gallen war zu keiner Reaktion mehr fähig. Die Young Boys bleiben dank dem knappen Sieg Leader, die Ostschweizer hinter dem FCB zweiter Verfolger.(mrm)

Basel ungefährdet zum 3:0

Mit einem Erfolgserlebnis verabschiedet sich der FC Basel in die Nationalmannschaftspause. Dank Toren von Kemal Ademi, Fabian Frei und Arthur Cabral besiegten die Basler Lugano auswärts 3:0 (2:0).

Im Duell der beiden Europa-League-Teilnehmer, die am Donnerstag im Einsatz gestanden hatten, liess der Favorit von Anfang an nichts anbrennen. Dank den frühen Toren Ademis und Freis (13. und 32. Minute) wurde es für die Tessiner äusserst schwierig, gegen den Cupsieger zu Punkten zu kommen. Bei beiden Treffern liessen die Gäste den Ball geschickt zirkulieren und fanden damit die Lücke in der Abwehr der Luganesi. Das Heimteam hingegen kam erst in den Schlussminuten zu gefährlichen Aktionen im Basler Strafraum.

Somit bleibt der FCB den Young Boys in der Tabelle auf den Fersen. Der Rückstand der Basler auf den Leader beträgt nach wie vor einen Zähler, ehe es am 1. Dezember im St.-Jakob-Park zum Direktvergleich der zwei Spitzenteams kommt. (dw)


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

Die Sendung ist zu hören auf Spotify, bei Apple Podcasts oder direkt hier:

Telegramme und Rangliste:

Zürich - Sion 4:2 (2:2)
8564 Zuschauer. – SR Klossner.
Tore: 3. Kramer 1:0. 7. Toma 1:1. 12. Lenjani 1:2. 45. Nathan 2:2. 49. Schönbächler (Kramer) 3:2. 76. Marchesano (Foulpenalty) 4:2.
Zürich: Brecher; Rüegg, Nathan, Omeragic, Kololli (42. Pa Modou); Janjicic (60. Britto), Domgjoni; Tosin, Marchesano (90. Ceesay), Schönbächler; Kramer.
Sion: Mitrjuschkin; Maceiras, Bamert, Ruiz, Abdellaoui (65. Kasami); Aguilar (78. Uldrikis), Toma, Kouassi; Grgic; Luan (48. Itaitinga), Lenjani.
Bemerkungen: Zürich ohne Sohm (gesperrt), Mahi, Mirlind Kryeziu, Hekuran Kryeziu und Charabadse (alle verletzt). Sion ohne Doumbia, Song, Ndoye, Adão, Zock, Khasa, Raphael und Fickentscher (alle verletzt). 17. Lattenschuss von Marchesano. Verwarnungen: 44. Lenjani (Foul). 61. Kouassi (Foul). 82. Omeragic (Foul).

Lugano - Basel 0:3 (0:2)
3620 Zuschauer. – SR Tschudi. Tore: 13. Ademi 0:1. 32. Frei 0:2. 94. Cabral 0:3.
Lugano: Baumann; Yao, Maric, Daprelà, Lavanchy; Custodio (89. Holender), Vecsei (66. Covilo); Dalmonte (33. Lovric), Carlinhos, Aratore; Gerndt.
Basel: Omlin; Widmer, Cömert, Alderete, Petretta; Xhaka (74. Zuffi), Frei; Zhegrova (90. Pululu), Stocker, Bua; Ademi (70. Cabral).
Bemerkungen: Lugano ohne Bottani (gesperrt), Sabbatini, Crnigoj, Da Costa, und Sulmoni (alle verletzt). Basel ohne Okafor, Van Wolfswinkel, Ramires und Kuzmanovic (alle verletzt). 84. Lattenschuss Aratore. Verwarnungen: 22. Cömert (Foul). 24. Frei (Foul). 54. Custodio (Unsportlichkeit). 82. Maric (Foul).

Young Boys - St. Gallen 4:3 (2:2)
28'645 Zuschauer. - SR Schnyder.
Tore: 4. Babic 0:1. 23. Zesiger 1:1. 25. Itten 1:2. 30. Fassnacht 2:2. 50. Zesiger 3:2. 55. Demirovic 3:3. 80. Nsame 4:3.
Young Boys: Von Ballmoos (46. Wölfli); Janko (66. Lotomba), Sörensen, Zesiger, Garcia (82. Bürgy); Fassnacht, Lustenberger, Aebischer, Ngamaleu; Assalé, Nsame.
St. Gallen: Stojanovic; Hefti, Stergiou, Letard, Muheim; Görtler, Quintilla (85. Bakayoko), Ruiz; Itten; Babic (70. Guillemenot), Demirovic.
Bemerkungen: Young Boys ohne Sulejmani, Lauper, Camara, Sierro, Gaudino (alle verletzt) und Martins (U21). St. Gallen ohne Nuhu und Lüchinger (beide verletzt). 7. Lattenschuss Babic. Verwarnungen: 31. Zesiger (Foul). 44. Muheim (Foul). 43. Letard (Foul). 52. Quintilla (Foul). 73. Guillemenot (Unsportlichkeit). 87. Fassnacht (Foul). 92. Stergiou (Foul). 93. Aebischer (Foul).

Erstellt: 10.11.2019, 15:48 Uhr

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