FCZ-Erinnerungen an die Horrorshows in Wil

Einst verlor der FC Zürich dreimal in vier Jahren gegen das unterklassige Wil. Nun reist er im Schweizer Cup wieder in die Ostschweiz – und sieht sich einer brisanten Affiche gegenüber.

Die Spieler des früheren B-Ligisten Wil (SG) jubeln, nachdem der letzte Penalty des FC Zürich verschossen worden ist (21. Februar 1998). Foto: Keystone/Christoph Ruckstuhl

Die Spieler des früheren B-Ligisten Wil (SG) jubeln, nachdem der letzte Penalty des FC Zürich verschossen worden ist (21. Februar 1998). Foto: Keystone/Christoph Ruckstuhl

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Erst zitterte mächtig die Latte, nachher brach es aus dem Fehlschützen heraus. «Peinlich. Dämlich. Unvermögen», zeterte René Weiler, «wir hätten nun wirklich gewarnt sein müssen.»

21 Jahre ist diese Aussage alt, getätigt hat sie Weiler nach der Niederlage des FC Zürich im Cup-Achtelfinal gegen den damaligen NLB-Club FC Wil. Weiler war der entscheidende Fehlschütze im Penaltyschiessen, und sein Schuss an die Latte machte wahr, was beim FCZ damals niemand für möglich gehalten hätte: dass der Club aus der grossen Stadt dem Verein aus der Ostschweizer Provinz schon wieder unterliegt – zum dritten Mal nach 1995 und 1997.

Der FC Wil – längst kein Angstgegner mehr

Es war eine kleine Horrorshow, was die Zürcher, alle drei Male von Raimondo Ponte trainiert, jeweils im Kleinstadion Bergholz vollführten. Im ersten Duell liessen sie sich von einem weiten Einwurf übertölpeln und verloren 0:1. Im zweiten waren sie chancenlos und mit dem 1:3 noch gut bedient. «FC Zumutung» titelte der «Tages-Anzeiger», und nach Spielschluss soll Ponte seine Spieler in der Kabine kurzerhand eine halbe Stunde lang zusammengestaucht haben. Es kam das dritte Aufeinandertreffen, ein 0:0, und die Niederlage im Penaltyschiessen.

Heute nun fährt der FCZ wieder einmal in die Ostschweiz, doch von einem Angstgegner kann längst nicht mehr geredet werden: 1999 und 2008 haben die Zürcher weitere Cupspiele in Wil gewonnen, sieben Siege resultierten zudem aus zwölf Meisterschaftsspielen. Und doch liest sich die Affiche brisant. Auf der einen Seite der Club aus der Challenge League, gut in die Saison gestartet und von Ciriaco Sforza prominent trainiert, auf der anderen Seite der FCZ, der noch nicht gefestigt scheint und entsprechend die Saison begonnen hat – zuletzt, es ist schon drei Wochen her, war er beim 0:4 in Bern klar unterlegen.

Trainer Ludovic Magnin ist sich der heiklen Ausgangslage bewusst. «Wil hat viel Selbstvertrauen, wir haben wenig», sagt er und warnt: «Wil ist in dieser Situation sehr gefährlich für uns.» Von Understatement trotzdem keine Spur beim Romand. «Wir sind der Favorit und haben die bessere Mannschaft, doch das müssen wir zeigen.»

Wie die Nordiren

Vor allem gefragt: Einstellung und Wille, es mit einem zähen Unterklassigen notfalls 120 Minuten lang aufzunehmen. Magnin hat sich das EM-Qualifikationsspiel der Deutschen in Nordirland angesehen und war begeistert von der Kampfbereitschaft der Nordiren. Er traut sie auch Wil zu und mahnt: «Es ist klar, was uns erwartet. Im Stadion wird es heiss sein. Die Wiler werden über ihrem Niveau spielen und die ­Zuschauer jeden versprungenen Ball von uns feiern.»

Magnin zieht den Vergleich zum Cupfinal 2018, als der FCZ als Aussenseiter gegen Meister YB im Stade de Suisse anzutreten hatte – und 2:1 gewann. «Da haben wir gezeigt, was der Kleine gegen den Grossen machen muss, um Erfolg zu haben», ist seine ­Erkenntnis daraus, wobei der FCZ kein Unterklassiger war. Das Spiel ist eine der liebsten Cup­erinnerungen seiner Karriere – neben den beiden Finalsiegen im DFB-Pokal als Spieler von Bremen (2004) und Stuttgart (2007).

Erstellt: 14.09.2019, 16:29 Uhr

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