Flickflack, Salto – und ein Schuss wie eine Kanone

Alle Augen auf Aiyegun Tosin: Der Nigerianer war beim 3:2-Sieg des FC Zürich gegen Basel Mann des Spiels.

Das sagen die Zürcher und Basler Protagonisten nach dem Klassiker. (Video: Eva Tedesco)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Als sich Ancillo Canepa von den Journalisten verabschiedet, winkt er mit beiden Händen in die Runde. Als Ludovic Magnin den Pressesaal verlässt, winkt er mit beiden Händen.

Es sind nur kleine Gesten, ja, und doch sagen sie in diesem Moment so viel über die Befindlichkeit von Präsident und Trainer aus, die so viel mit der Befindlichkeit des ganzen Vereins zu tun hat. Der Chef und sein leitender Angestellter sind ganz aus dem Häuschen, als der Arbeitstag zu Ende ist. Es ist typisch für diesen FCZ, bei dem die Emotionen intensiv ausgelebt werden, im Guten wie im Schlechten.

Diesmal ist alles gut, fast ­alles. Wenn da nicht dieser Ausbruch von Magnin wäre, als er beim Schiedsrichter-Assistenten einen Eckball reklamiert und dafür die Rote Karte erhält. Die Aktion ist in diesem Moment erst recht überflüssig: Schiedsrichter Schnyder hat das Spiel nämlich schon abgepfiffen. «Die Reaktion ist dumm von mir», sagt Magnin, «aber das bin ich manchmal.»

«Eine Riesen-Genugtuung»

Aber sonst? Gibt es nichts, was die Welt des FCZ trüben könnte. Er hat gewonnen, und das erst noch gegen den FC Basel. Dreimal hat der FCZ vor diesem Sonntag gegen diesen FCB und YB gespielt, jedes Mal hat er 0:4 verloren. Da tut ihm das 3:2 an diesem stimmungsvollen Sonntag richtig gut. Wenn Canepa von einer «Riesen-Genugtuung» ­redet, sagt das alles.

Der FCZ ist schon viel kritisiert worden, nicht nur in dieser Saison, das ganze Jahr schon, er hat das selbst verschuldet mit vielen fragwürdigen Leistungen, vielen schlechten Ergebnissen und ein paar Transfers im Sommer, die nicht gerade den grossen Erfolg versprechen. Magnin hat trotzdem mantramässig gesagt: Es komme alles gut.

Ein Auftritt mit Charakter

Gegen Basel gelingt seiner Mannschaft die beste Leistung der Saison, wahrscheinlich des ganzen Jahres. Diesmal hat sie nicht nur gute Phasen, nicht nur gute 30, 45 oder 15 Minuten, diesmal hält sie von Anfang bis Ende durch. Sie legt einen willensstarken Auftritt hin, voller Leidenschaft und Moral. «Der Schlüssel zum Sieg ist die Intensität, ist der Charakter», berichtet ihr Trainer.

Sie steckt weg, dass sie nach einer Viertelstunde und einem Elfmeter von Campo in Rückstand gerät, sie steckt weg, dass sie das 2:2 kassiert, kaum hat die zweite Halbzeit begonnen. Um eine Antwort auf das 0:1 zu finden, braucht sie nur vier Minuten, für jene auf den Ausgleich auch nur gut zehn Minuten. Sie ist nicht mehr diese Mannschaft, die diese Saison schon so oft beim ersten Windstoss auseinandergefallen ist. Sie kämpft und trotzt. Und belohnt sich. Eine besondere Note ist, dass Blaz Kramer das Siegtor gelingt. Das ist zwar kein Kunststück, denn nach dem Zuspiel von Domgjoni steht das Goal weit offen, aber immerhin ist er erfolgreich nach vielen missglückten Einsätzen.

Mit Flickflack und Salto

Der Mann im Mittelpunkt aber heisst Aiyegun Tosin. Anfang September ist der 21-jährige ­Nigerianer mit einem Vertrag bis 2023 vom lettischen Ventspils nach Zürich gekommen. Um die 300'000 Franken hat er gekostet. Das Spiel gegen Basel zeigt, es könnte eine gute Investition sein.

Tor, Flickflack und Salto: Aiyegun Tosin begeistert den FCZ. Video: SRF

Tosin erzielt das 1:1 und bereitet das 2:1 vor, es sind Höhepunkte. Sein Tor: Campo schlägt einen schlimmen Fehlpass, Tosin ist zur Stelle, überfordert Bergström mit seinem Tempo und lässt Nikolic keine Chance. Mit Flickflack und Salto feiert er sein zweites Tor für den FCZ. Sein Assist: In der eigenen Platzhälfte dribbelt er Stocker und Frei auf einem Bierdeckel aus, an Xhaka rauscht er vorbei, und dann lanciert er Schönbächler mit dem Pass in die Tiefe. Schönbächler schliesst die Aktion mit dem Schuss in die tiefe Ecke ab.

Ein schwieriges Leben

Tosin schnell unter der Dusche, und Magnin vermeidet es, ihn speziell hervorzuheben. «Die Mannschaft erhält ein Sonderlob», sagt er, «kein Einzelspieler.» Aber er hat schon bei anderer Gelegenheit von Tosin geschwärmt. Tosin habe «brutal viel Speed», einen «Schuss wie eine Kanone» und eine «super Mentalität»: «Er hat ein schwieriges Leben hinter sich, er weiss, dass es Kampf braucht, um zu überleben. In der Defensive müssen wir aus ihm einen Europäer machen, in der Offensive soll er Afrikaner bleiben.» Ein Anfang ist gemacht.

Erstellt: 28.10.2019, 10:20 Uhr

Artikel zum Thema

Der FCZ stürzt Leader Basel

Video Dank Toren von Tosin, Schönbächler und Kramer kommen die Zürcher zu ihrem wertvollsten Sieg in dieser Saison. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Blogs

Sweet Home Einmal flachlegen, bitte

Mamablog «Spiel mir das Lied vom Trotz»

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Weisse Pracht: Schneebedeckte Chalet-Dächer in Bellwald. (18. November 2019)
(Bild: Jean-Christophe Bott) Mehr...