Fortes Absturz und das Handicap von GC

Nach der Trennung von Uli Forte hofft Geschäftsführer Fredy Bickel, den neuen Trainer schon am Montag präsentieren zu können.

Nach ordentlichem Start schieben GC-Geschäftsführer Fredy Bickel (M.) und Präsident Andras Gurovits Trainer Uli Forte aus dem Bild. Foto: Reto Oeschger

Nach ordentlichem Start schieben GC-Geschäftsführer Fredy Bickel (M.) und Präsident Andras Gurovits Trainer Uli Forte aus dem Bild. Foto: Reto Oeschger

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Die Zahlen sagen viel über Uli Forte und über GC. Forte hat bei GC in der Meisterschaft gerade einmal 9 seiner 29 Spiele gewonnen, und der Club hat in den letzten 35 Monaten seit der Entlassung von Pierluigi Tami gleich fünf Trainer verbraucht.

Jetzt ist er auf der Suche nach dem nächsten, weil er sich am Samstag zur Trennung von Forte durchgerungen hat. Diesem ist das 1:4 am Freitag bei Stade Lausanne-Ouchy zum Verhängnis geworden, dieser unglaublich schlechte Auftritt bei einem kleinen Gegner, der letzte Saison noch zwei Ligen unter GC in der Anonymität gespielt hatte.

Der Entscheid vom Samstag ist das erwartete Ende eines Engagements, für das es von Anfang an nur eine dünne Basis gab. «Verpiss dich», stand auf einem Transparent, das GC-Sympathisanten vor das Haus von Forte hängten, als er im April vergangenen Jahres zu GC zurückkehrte. Der Ton war gesetzt, Forte beklagte sich nicht darüber, er glaubte, in Gesprächen mit den Fans liesse sich das regeln. Die hat es nie gegeben.

Der Unmut der Geldgeber

Forte stieg mit GC ab, dann musste er ohne Geld eine neue Mannschaft basteln, und als das erste halbe Jahr in der Challenge League vorbei war, lag GC auf Platz 2. Forte glaubte trotz viel zäher Auftritte, gute Arbeit geleistet zu haben. Als das neue Jahr begann, folgten das 1:1 in Chiasso und das 1:2 daheim gegen Vaduz, und das reichte schon, um die Stimmung zum Brodeln zu bringen. «Forte raus!», tönte es in allen Kreisen, es wurde zum Schlagwort, das alles beeinflusste und das eines zeigte: Forte hat nie wirklich Rückhalt im Verein genossen.

Mögliche Investoren sollen Reaktionen gefordert haben, in den Gönnervereinigungen wuchs der Unmut, und das alles liess Andras Gurovits nicht unberührt. Der Interimspräsident rang schon länger mit sich, ob es eine Zukunft mit Forte geben kann. Der Freitag hat ihm endgültig die Antwort geliefert.

Als Forte im letzten ­April vom damaligen Präsidenten Stephan Rietiker verpflichtet wurde, äusserte sich auch Fredy Bickel in dieser Zeitung dazu. Bickel hatte Forte einst nach Bern zu YB geholt und ihn nach gut zwei Jahren, im August 2015, entlassen. Also sagte er über ihn: «Er hatte auch ein Problem: Er war immer gleich. Irgendwann kannte die Mannschaft seinen Tonfall. Er nützte sich ab. Darum mussten wir uns von ihm trennen.» Bickel war zu der Zeit als Sportchef bei Rapid Wien noch weit weg vom Campus. Darum konnte er sich so äussern.

Forte biss danach im September die Zähne zusammen, als ­Bickel in der Funktion des Geschäftsführers zu GC zurückgeholt wurde. Auch wenn sich beide um freundliche Töne bemühten: Es war klar, dass sie nie Freunde fürs Leben werden. Nun hat eben durchgeschlagen, dass Forte weder der Trainer von Gurovits oder Bickel noch der Fans war. Er war nur der Trainer von Rietiker, aber der war im Juni nach zehn Wochen davongelaufen.

Ein Coach für drei Monate

GC hat noch immer alle Chancen, mit dem Barrageplatz das minimale Saisonziel zu erreichen. Darum haben die Verantwortlichen Gurovits und Bickel nun gehandelt. Bickel liess letzte Woche im Haus-TV klar erkennen, dass er mit dem Erreichten nicht zufrieden ist. «Man darf von dieser Mannschaft mehr erwarten, als man von aussen das Gefühl hat», sagte er an dieser Stelle. Und gab klar zu verstehen, dass er schon diese Saison aufsteigen will.

Forte war in dieser Beziehung immer viel defensiver, schon das Erreichen des Barrageplatzes wäre für ihn ein grosser Erfolg gewesen. Zu seinem Nachteil wurde, dass drei der vier Spieler, die mit Saisonbeginn die Mannschaft tragen sollten, die Erwartungen nicht annähernd erfüllt haben: nicht Marko Basic, nicht Veroljub Salatic, nicht Nassim Ben Khalifa. Befriedigend ist einzig Mirko Salvi, der Goalie.

Nächsten Freitag spielt GC gegen Kriens, es wird die erste Aufgabe für den neuen Trainer sein. Bickel hat viele Stunden mit der Suche nach diesem Mann verbracht, «wir haben Vorgaben und Einschränkungen», sagt er. Übersetzt heisst das: GC kann keinen grossen Lohn bieten; die Zukunft ist ungewiss, weil keiner weiss, wie es über diese Saison hinaus weitergeht: und darum holt GC nur einen Trainer, der bereit ist, auch bloss für rund drei Monate zu kommen.

Der letzte Punkt hat mögliche Kandidaten abgeschreckt. Trotzdem hat Bickel eine Hoffnung: dass er Fortes Nachfolger schon am Montag präsentieren kann.


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Erstellt: 09.02.2020, 22:23 Uhr

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