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Fritz, der lachte immer

Was von FCZ-Stürmerlegende Fritz Künzli am meisten in Erinnerung bleiben wird.

MeinungFredy Wettstein
Das Künzli-Lächeln: fröhlich, entspannt, herzlich, strahlend. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)
Das Künzli-Lächeln: fröhlich, entspannt, herzlich, strahlend. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Es sind Bilder aus einem alten Fotoalbum, in denen wir diese an vier Ecken eingeklebt hatten und sie dann auch immer wieder herausfielen. Die Bilder sind aufgenommen mit einer kleinen Instamatic-Kamera von Kodak, es war, steht ­geschrieben, der 20. April 1967, ein blauer Himmel über ­Zürich. «Volles Stadion» hatte ich dazu vermerkt, 19 000 Zuschauer waren im alten Letzigrund, «Basler Invasion» bei einem anderen, viele tausende FCB-Fans waren gekommen – und dann gibt es dieses Bild. Aufgenommen hinter dem einen Tor, damals durften wir Kinder und Jugendliche uns wenige Meter dahinter hinsetzen, eine erste kleine Südkurve, aber sehr friedlich und ganz sittlich, wir mussten ruhig sitzenbleiben, niemand hätte es gewagt, auf den Rasen zu rennen.

Dieses Bild: «Ein Dokument! Penalty!» steht dazu geschrieben, in zittriger Schnürlischrift, «Fritz Künzli lässt ­Marcel Kunz keine Chance. 2:2!» Und es gibt im Buch auf der nächsten Seite noch ein zweites Bild, es ist inzwischen ziemlich vergilbt und auch unscharf, jetzt ist Künzli etwas näher dran, so nah, wie man mit dieser kleinen Kamera fotografieren konnte, es muss nach seinem Tor gewesen sein – und man sieht sein Gesicht, und er lächelt, er lächelt das Künzli-Lächeln. Fröhlich, entspannt, herzlich, strahlend.

«Ein Dokument! Penalty!». (Bild: Privat)
«Ein Dokument! Penalty!». (Bild: Privat)

Ein Sonnyboy

Alle, die sich jetzt an den am Sonntag mit erst 73 Jahren verstorbenen Künzli erinnern, erwähnen dies und meistens als erstes: Fritz, der lachte immer. Er lachte als Fussballspieler, er lachte in der Bar, und viele erinnern sich heute, dass sie ihn damals in vielen Bars und Dancings getroffen haben, er lachte beim Jassen, was er so liebte, er lachte jeden an, den er traf, er war immer positiv, er ging lächelnd durchs Leben, und dürfte man den Begriff Sonnyboy nur für einen einzigen Menschen auf dieser Welt gebrauchen, dann für ihn, den Mann mit dem sonnigen Gesicht und den Locken aus dem Zigerschlitz.

Auch in den letzten Monaten und Wochen, als es ihm immer schlechter ging und er wie alle, die unter dieser schrecklichen Krankheit Alzheimer leiden, nicht mehr wusste, was heute ist und was gestern war, er überhaupt nichts mehr wusste und sein Gegenüber nicht mehr erkannte, auch in dieser Zeit sagten jene, die ihm zuletzt wieder im Spital begegneten: Er hat gelächelt. Er hat mich angelächelt, wie immer, aber er wusste nicht, wen er anlächelte. Es ist vielleicht das schönste Lächeln.

Nicht seine Spiele, seine Tore, seine Titel bleiben ewig mit ihm verbunden. Es ist sein Lachen. Das Künzli-Lachen.

Die Abdankungsfeier für Fritz Künzli findet am Samstag, 11. Januar 2020, um 10.30 Uhr, in der Pfarrkirche St. Martin in Schwyz statt.

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