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Fussball könnte so schön sein

Von schönen und hässlichen Dingen, wenn 24'000 ans Spiel kommen.

Der volle Letzigrund gegen Napoli.
Der volle Letzigrund gegen Napoli.
Christian Merz, Keystone

Es erinnerte an früher, damals bei einem Spiel im Ausland in irgendeiner Stadt und einem Land, in dem wir die Sprache nicht verstanden. Wir sassen in einer Strassenbahn, immer mehr Leute drängten sich bei jeder Haltestelle hinein, eingepfercht waren wir, im Lautsprecher wurde etwas verkündet, das wir nicht verstanden, und plötzlich stand die Bahn still, nicht dort, wo wir dachten, aber alle gingen hinaus. Von einem Stadion nichts zu sehen, es blieb als einzige Möglichkeit, den anderen hinterherzulaufen.

So war es letzten Donnerstag. In Zürich, im 2er-Tram, das uns zum Letzigrund bringen sollte, es ist eine Stunde vor Spielbeginn. Bald kommt die Durchsage, das Tram fahre nur bis zur Kalkbreite, kaum einer in diesem Tram versteht es, es wird praktisch nur Italienisch gesprochen, und es sind offenbar viele, die nicht in Zurigo wohnen, «Napule» rufen sie. «E adesso?» fragt einer, aber weil draussen auf der Strasse viele in die gleiche Richtung laufen, tun sie es auch, irgendwo muss ja das Stadion sein.

So beginnt die Wanderung, immer mehr sind es, bald Hunderte, einige singen, es hat Kinder, auch Frauen, friedlich sind alle, in der inzwischen kalten Nacht, nachdem es tagsüber wie Frühling war. Dann wird es heller, die Scheinwerfer des Stadions, und das Gedränge noch grösser, einige sind offenbar schon länger hier, nicht beim ersten Bier, aber es ist weiterhin friedlich. Viele Polizisten stehen herum, schwer bewaffnet mit irgend­etwas, Pistolen sieht man, Schutzschilde vor dem Körper. Und auch ein furchterregender Panzerwagen steht da, mit Wasserwerfern und anderem.

Die Polizisten lachen, sind freundlich, geben Auskunft, sie sind nummeriert, wie die Spieler später, hier die 15, dort die 21, sie lassen sich fotografieren. Vor mir läuft einer, sein etwas schleppender Gang kommt mir bekannt vor, es ist Köbi Kuhn, später in der Halbzeit wird auf eine Ausstellung von ihm hingewiesen, «75 Jahre Kuhn». Vom Lautsprecher drinnen hört man draussen, dass man doch am nächsten Samstag wiederkommen soll, die FCZ-Frauen spielen dann gegen Yverdon.

Ich denke: Was für ein schönes Erlebnis könnte Fussball in Zürich sein, wenn 24’000 kommen, alle so lieb sind, erwartungsfroh und lächelnd, selbst jene, die offenbar hier sein müssen, um eingriffsbereit zu sein für anderes.

Es ist eine Illusion. Im Stadion auf dem Handy gibt es Pushmeldungen: Hooligans randalieren in Zürich, Krawalle, Bewusstlose auf dem Boden, Vermummte prügeln. Dort, wo wir gelaufen sind, auf der Badenerstrasse.

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