GC profitiert irgendwie vom FCZ – und ärgert sich am Ende trotzdem

Die Grasshoppers scheiden mit einem 0:1 gegen Luzern im Cup aus. Der Captain hätte mehr erwartet.

Der GC-Captain hat sich von diesem Abend mehr erhofft.

Der GC-Captain hat sich von diesem Abend mehr erhofft. Bild: Ennio Leanza/Keystone

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Seine Stimme ist unglaublich sanft. Aber was Veroljub Salatic kurz nach 21 Uhr in den Katakomben des Letzigrunds sagt, ist kraftvoll: Der Captain der ­Grasshoppers ist angesäuert. Und je länger er über den Abend redet, umso deutlicher wird er. Schliesslich sagt er: «Klar, wir könnten jetzt sagen, dass die Jungs es gut gemacht haben. Aber am Ende ist ein 0:1 einfach zu wenig.»

Spätestens da steht fest: Ja, die Grasshoppers sind zwar als Unterklassiger in diesen Cup-Achtelfinal gestiegen. Aber sie haben sich gegen den FC Luzern trotzdem einiges ausgerechnet. Und tatsächlich ist an diesem Abend auch kaum ein Klassenunterschied zwischen den beiden Teams zu entdecken. Das liegt allerdings mindestens ebenso sehr am Auftritt der ­Luzerner wie an jenem der Grass­hoppers. Während rund 80 Minuten passt sich das Spiel dem herbstlich-kühlen Regen an: Es plätschert einfach so vor sich hin. Und auch darüber ärgert sich­ ­Salatic nach der Partie gehörig, wenn er feststellt: «Wir hätten sie einfach mehr unter Druck setzen müssen.»

So bleibt der Eindruck haften, dass sich GC zwar ganz ordentlich verkauft hat gegen den Fünften der Super League. Dass es aber irgendwie nicht wirklich ­alles versucht hat, um nach ­Servette den zweiten höherklassigen Gegner auszuschalten. Es nützt den Grasshoppers am Ende auch nichts, dass es für einmal vom Lokalrivalen profitiert. Oder in der 11. Minute wohl zum ersten Mal in ihrer Geschichte froh sind, dass sie sich das Stadion mit dem FC Zürich teilen.

Nur weil der FCZ in der Super League spielt, ist der Letzigrund mit allem ausgerüstet, was ein ­Video-Assistent braucht. Und prompt kommt er zum Einsatz, als Mirko Salvi einen Schuss fallen lässt – und Ibrahima Ndiaye über den Zürcher Goalie fliegt. Erst sieht Schiedsrichter Lionel Tschudi einen Penalty. Aber schliesslich wird aus der Situation eine Verwarnung für Ndiaye, der die Flugposition schon eingenommen hat, ehe ihn Salvi ­berühren kann.

Nur 2976 Zuschauer

Es gibt Abende, an denen zieht eine Mannschaft Kraft aus solchen Szenen. Bei GC aber verpufft der Effekt irgendwo in der Leere des Leichtathletikrunds, in dem sich gerade einmal 2976 Zuschauer verlieren. Nicht, dass die Zürcher nicht engagiert wirken. Die Defensive, etwas überraschend mit einer Dreierkette, ist über weite Strecken solide und aufmerksam. Aber gegen vorne fehlt meist die Geschwindigkeit in den Umschaltsituationen. Und wenn der Ball trotzdem einmal in die Nähe des gegnerischen Sechzehners kommt, sind dort selten mehr als zwei Zürcher anzutreffen.

Es ist kein Zufall, dass die beste GC-Chance durch einen Freistoss zustande kommt. Innenverteidiger Baba Souare köpft den Ball aus wenigen Metern direkt in die Hände des Luzerner Keepers Marius Müller. Da läuft bereits die Nachspielzeit – und GC rennt einem Rückstand hinterher. Blessing Eleke hat in der 83. Minute einen ­Abpraller per Kopf verwertet. Es ist eine der wenigen Szenen, in denen Luzern so etwas wie Druck aufbauen kann. Das reicht, um die Viertelfinals zu erreichen.


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

Die Sendung ist zu hören auf Spotify, bei Apple Podcasts oder direkt hier:

Erstellt: 30.10.2019, 23:50 Uhr

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