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GC und die Neonazis

Nach dem Vorfall vom letzten Samstag sind die Vereinsoberen von GC gefordert.

Mit diesem Transparent haben GC-Fans beim Spiel vom Samstag ihre Trauer bekundet. Bild: Twitter
Mit diesem Transparent haben GC-Fans beim Spiel vom Samstag ihre Trauer bekundet. Bild: Twitter

Rechtsextreme Äusserungen sind in den Schweizer Stadien selten geworden. Vergangenen Samstag aber haben einige Fans der Grasshoppers eines bekannten deutschen Neonazis gedacht. «Ruhe in Frieden lieber Thomas», stand auf einem Transparent in der Fankurve beim Spiel gegen YB. Gemeint war Thomas Haller, der letzte Woche einem Krebsleiden erlag.

Haller war ein einschlägig bekannter rechtsextremer Aktivist, der Ende 90er-Jahre das Netzwerk HooNaRa gründete – der Name ist eine Abkürzung für Hooligans-Nazis-Rassisten. Nachdem sich die Gruppe 2007 aufgelöst hatte, betrieb er einen Sicherheitsdienst und war weiterhin aktiv bei den rechtsextremen Chemnitzer Fangruppen, die beim Neonaziaufmarsch vergangenen Sommer eine tragende Rolle spielten. Auch der Staatsschutz ermittelte gegen Haller im Zusammenhang mit den Morden des NSU.

«Ruhe in Frieden lieber Thommy», war gleichzeitig mit der Aktion in Zürich im Stadion des Chemnitzer FC (CFC) auf einem Transparent zu lesen. Der Unterschied zu Zürich: Ein ganzes Stadion gedachte Haller. Die Stadionanzeige zeigte ihn übergross, die Fans hielten Schals in die Luft – eine schauerliche Szenerie.

Die Aktion der Zürcher Fans beunruhigt, weil sie eindeutig ist.

Die Folgen der Trauerbekundung: Angestellte des CFC mussten gehen, darunter auch der Geschäftsführer, Sponsoren zogen sich zurück, eine Empörungswelle brandete durch Deutschland.

Wenn ein ganzes Stadion inklusive Spielern und Offiziellen einem Neonazi huldigen, ist das nicht dasselbe, wie wenn das ein paar wenige Fans mit einem Banner tun. Dennoch: Die Aktion der Zürcher Fans beunruhigt, weil sie eindeutig ist. Von einigen gemässigten GC-Fans ist zwar zu hören, dass das Banner eine Aktion einiger weniger Unbeirrbarer war, die sich entweder nicht bewusst waren, was sie taten, oder einfach nur provozierten. Haller sei neben seinem Auftreten als Neonazi eben auch eine zentrale Figur in der Chemnitzer Fanszene gewesen. Eine Grösse, mit der sogar eine Chemnitzer SPD-Stadträtin sympathisierte. GC-Fans pflegten schon sehr lange eine Fanfreundschaft mit den Anhängern des CFC.

Gerade diese Fanfreundschaft aber alarmiert. Einige Bilder, die dem TA vorliegen, zeigen eine mutmasslich führende Figur der GC-Fankurve im Verbund mit deutschen Neonazis. Auf anderen sind Exponenten der tonangebenden Zürcher Gruppierung Blue White Bulldogs zu sehen – Seite an Seite mit rechtsextremen deutschen Fans. Es ist also naiv, zu glauben, dass jene, die vergangenen Samstag das Transparent hochhielten, nicht wussten, was sie taten.

Es liegt an der Vereinsführung, diesen Vorfall so zu gewichten, wie er es verdient, und darauf entsprechend zu reagieren.

Zu sagen, dass damit der Rechtsextremismus wieder zurück in den Schweizer Stadien sei, ist übertrieben. Aber der Vorfall von vergangenem Samstag zeigt, dass er lebendig ist. Und dass die Fankurven, die von sich selber sagen, sie funktionierten selbstregulierend, nichts dagegen unternehmen. Nichts unternehmen können, wie sie sagen.

Es liegt an der Vereinsführung, diesen Vorfall so zu gewichten, wie er es verdient, und darauf entsprechend zu reagieren. Zwar distanzierte sie sich in einer Mitteilung von der Aktion. Auch stünden sowieso Gespräche mit den Fans an. Aber als Zeichen, dass Rechtsextremismus in den Stadien keinesfalls toleriert werden kann, ist mehr nötig als nur deutliche Worte.

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