Okafor schiesst den FCB in den Cup-Viertelfinal

Der FCB gewinnt dank einem Treffer in der Nachspielzeit, Luzern und Sion siegen knapp. Winterthur bezwingt den FC Thun und steht ebenfalls im Viertelfinal.

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Das hätte ins Auge gehen können. Aber Fabian Frei (75.) und Noah Okafor (92.) erlösten den FC Basel vor der grössten Cup-Pleite seit acht Jahren. Alan Eleouet löste hektisches Blättern in den Statistikbüchern aus. Denn der Stürmer von Stade Lausanne-Ouchy brachte die Mannschaft aus der Challenge League nach 61 Minuten in Führung. Bahnte sich da eine Sensation an? Nur: FCB-Niederlagen gegen ein unterklassiges Team suchte man in den letzten Jahren vergebens. Seit 13 Jahren stand Rotblau immer mindestens im Viertelfinal. Man musste weit zurückblättern. Letztmals verloren Frei, Streller und Co. unter Trainer Thorsten Fink gegen Biel 1:3. Das war 2011. Kann der FCB acht Jahre später die Blamage abwenden?

Lausanne konnte gut mithalten

Die Basler kamen im Cup-Achtelfinal nur langsam in die Gänge. Der Challenge Ligist konnte vor allem in den ersten 20 Minuten gut mithalten, hatte in der 13. Minute durch Amdouni sogar eine Topchance. Danach aber entwickelte Rotblau mehr und mehr Durchschlagskraft. Alderete (26.) und Ademi kamen zu guten Gelegenheiten, vergaben aber knapp. Die beste Möglichkeit hatte Kevin Bua (29.) auf dem Fuss. Auch der Genfer vertändelte fahrlässig. So stand es zur Halbzeit 0:0. Die Basler mussten sich steigern, wenn sie die nächste Runde erreichen wollten.

Aber reichte die Kraft? Basel-Madrid-Basel-Zürich-Basel-Nyon. Rund 2800 Kilometer legte der FCB innert sechs Tagen bis zum Kickoff im Cup zurück und tanzte gegen die Waadtländer bereits auf der dritten Hochzeit. Zwischen dem Sieg in der Europa League auswärts bei Getafe (1:0) und der 2:3-Niederlage beim FCZ lagen nicht einmal 72 Stunden. Und nur vier mehr waren es zwischen dem Ligaspiel im Letzigrund und dem Cup-Achtelfinal bei Stade Lausanne-Ouchy, das seine Heimspiele im Exil im Centre Sportif de Colovray in Nyon austrägt.

Sieg dank Treffer in der Nachspielzeit

Für Trainer Marcel Koller durften die Strapazen keine Ausrede sein. «Wenn wir verlieren, sind wir raus. Wir wollen als Titelverteidiger weiterkommen. Hierfür stelle ich die beste Mannschaft auf», sagte Marcel Koller. Deshalb wollte der FCB-Trainer auch nichts anbrennen lassen und setzte – Schweizer Cup beim Unterklassigen hin oder her – auf die Europa-League-Elf (nur Riveros war neu). Aber seine bislang so erfolgreichen Euro-Fighter mussten erst einstecken.

Koller reagierte auf den Rückstand, brachte mit Noah Okafor (65. für Bua), Edon Zhegrova (69. für Zuffi) und Afimico Pululu (87. für Stocker) frische Kräfte. Zhegrova stand auch am Ursprung zum Ausgleich. Der 20-Jährige dribbelte sich flink durch die Abwehr und bediente Fabian Frei (75.). Der Routinier schoss zum 1:1 ein. Für Frei, der letzten Donnerstag den Siegtreffer gegen Getafe erzielte, war es das fünfte Pflichtspieltor der Saison. Und Trainer Koller bekam gleich noch einmal Recht für seine vorgenommenen Wechsel. Noah Okafor traf in der Nachspielzeit mit einem herrlichen Distanzschuss zum erlösenden 2:1 und die mutigen Lausanner mitten ins Herz.

Thun – ein weiteres Winterthurer Opfer

Vor Matchbeginn entschuldigt sich der Stadionsprecher für das garstige Wetter in Winterthur und erklärt die 5100 Zuschauer zu den ersten Siegern des Abends. Weil sie trotzdem den Weg auf die Schützenwiese gefunden haben.

Bereuen müssen sie ihr Kommen nicht. Schon nach einer Minute zeigt das Heimteam, wie es gedenkt aufzutreten: ohne falschen Respekt vor Thun, dem angeschlagenen Gast aus der Super League. Es ist Davide Calla, der rechtzeitig fit gewordene Captain, der da noch vergibt. Eine halbe Stunde macht er es besser: Der Routinier, lange Jahre in der Super League daheim, ist mit einem cleveren Lob erfolgreich. Die Führung für das Heimteam aus der Challenge League ist verdient. Und sie hält Bestand. Simone Rapp nähert sich zwar gleich mehrmals dem 1:1 an, dominant ist der Auftritt des Oberklassigen aber nie. Und so schaltet Winterthur nach St. Gallen einen weiteren Club aus der Super League aus. Thun stürzt derweil vor dem Duell mit dem FC Zürich am Samstag noch tiefer in die Krise.

GC fliegt trotz Video-Schiedsrichter aus dem Cup

Erst neun Minuten waren gespielt, als die Grasshoppers wohl zum ersten Mal in ihrer Vereinsgeschichte froh waren, dass sie das Stadion mit dem FC Zürich teilen. Dank der Super-League-Infrastruktur des Stadtrivalen konnte Schiedsrichter Lionel Tschudi auf den Video-Assistenten zurückgreifen. Und so wurde aus einem frühen Elfmeter für Luzern eine gelbe Karte für Ibrahima Ndiaye wegen einer Schwalbe.

Am Ende aber reichte auch das nicht, um GC in den Viertelfinal des Schweizer Cups zu bringen. Weil der Gegner einen Blessing Eleke in seinen Reihen hatte. Der verbrachte etwas mehr als 82 Minuten irgendwo an der linken Seitenlinie. Zwei, drei Mal liess er seine Klasse aufblitzen, als er seinen Gegenspielern den Ball locker-lässig zwischen den Beinen hindurch schob. Im Grossen und Ganzen aber wirkte Eleke eher desinteressiert daran, was sich im Letzigrund abspielte.

Aber dann machte sich der Stürmer des FC Luzern doch noch auf in den Sechzehner der Grasshoppers. Und entschied dann auch gleich diesen Achtelfinal im Schweizer Cup. GC-Goalie Mirko Salvi konnte einen Schuss von Otar Kakabadze eben noch abwehren. Aber der Abpraller flog auf Umwegen auf Elekes Kopf – und der nickte ein zum 1:0-Sieg der Luzerner.

Mehr Durchschlagskraft erforderlich

Ein Klassenunterschied war zuvor kaum auszumachen gewesen zwischen dem Dritten der Challenge League und dem Fünften der Super League. Die Partie dümpelte im kaltnassen Herbstregen meist so vor sich hin. Und lange konnte GC darauf hoffen, einen Lucky Punch zu landen.

Doch dazu hätte es mehr Durchschlagskraft in der Offensive gebraucht. Mehr Geschwindigkeit in den Umschaltmomenten. Mehr Mut, auch einmal mehr als bloss einen oder zwei Spieler in den gegnerischen Strafraum zu bringen. So aber kam GC zu seiner grössten Chance erst in der Nachspielzeit. Bezeichnend, dass es ein Freistoss war, der Baba Souare zum Abschluss kommen liess. Sein Kopfball aus wenigen Metern landete aber genau in den Händen von Goalie Marius Müller. So verabschiedete sich GC mit einer 0:1-Niederlage aus dem Cup – und kann sich ganz auf den Kampf um den Barrageplatz in der Challenge League konzentrieren.

Sion mit Mühe eine Runde weiter

Obwohl der FC Sion durch Kasami auswärts in Linth bereits nach zehn Minuten in Führung ging, taten sich die Sittener gegen den Erstligisten in der Folge schwer. Die Linther kamen zwischen der 24. und der 33. Minute gleich zu zwei Grosschancen auf den Ausgleich: Zuerst schlenzte Ilic den Ball nur um Zentimeter am Lattenkreuz vorbei, danach sah Sabanovic seinen noch abgefälschten Kopfball von Sion-Goalie Mitrushkin mirakulös pariert. Kurz vor Ende der ersten Halbzeit kamen dann aber die Walliser dem zweiten Treffer des Spiels am nächsten, als Seydou Doumbia mit seinem Kopfball nur den Pfosten traf.

Nach der Pause blieben gefährliche Torszenen auf beiden Seiten Mangelware. Schuld daran war vor allem der aufgrund des starken Regens immer schlechter bespielbare Glarner Rasen. Als die Linther in der Nachspielzeit der Partie noch verzweifelt den Ausgleich suchten, verpassten zuerst Zock und Lenjani die Entscheidung, ehe Kasami Sekunden vor Schluss von der Mittellinie zum 2:0 ins leere Tor traf – und damit den Schlusspunkt setzte.

Telegramme

Stade Lausanne-Ouchy - Basel 1:2 (0:0)

Nyon. 750 Zuschauer. SR Klossner. Tore: 63. Eleouet 1:0. 75. Frei 1:1. 93. Okafor 1:2.

Basel: Nikolic; Widmer, Cömert, Alderete, Riveros; Xhaka, Frei; Stocker (78. Pululu), Zuffi (63. Zhegrova), Bua (65. Okafor); Ademi.

Bemerkungen: Basel ohne Omlin, Van Wolfswinkel, Kuzmanovic, Ramires (alle verletzt).

Winterthur - Thun 1:0 (1:0)

5100 Zuschauer. SR Hänni. Tor: 36. Callà 0:1.

Thun: Hirzel; Gelmi (66. Karlen), Havenaar, Sutter; Glarner, Tosetti, Stillhart, Castroman, Kablan (77. Hefti); Rapp (79. Munsy), Chihadeh.

Bemerkungen: Thun ohne Hediger, Ziswiler, Bigler, Salanovic (alle verletzt) und Righetti (krank).
Verwarnungen: 21. Havenaar. 30. Kablan. 38. Sutter. 57. Stillhart. 81. Callà. 83. Hefti (alle Foul).

Grasshoppers - Luzern 0:1 (0:0)

2976 Zuschauer. SR Tschudi. Tor: 83. Eleke 0:1.

Luzern: Müller; Kakabadse, Knezevic, Lucas, Sidler; Voca, Grether; Males (78. Matos), Ndiaye, Eleke; Margiotta (89. Mistrafovic).

Bemerkungen: Luzern ohne Schwegler, Ndenge, Schulz, Arnold und Binous (alle verletzt). 36. Lattenkopfball Eleke.

Linth 04 - Sion 0:1 (0:1)

2700 Zuschauer. SR Fähndrich. Tore: 10. Kasami (Lenjani) 0:1. 97. Kasami 0:2.

Sion: Mitrjuschkin: Maceiras, Ndoye, Abdellaoui, Lenjani; Zock (89. Facchinetti), Toma; Kasami, Grgic (75. Kouassi), Fortune; Doumbia (66. Uldrikis).

Bemerkungen: Sion ohne Sion ohne Rafael, Fickentscher und Khasa (alle verletzt). 45. Pfosten-Kopfball von Doumbia. 92. Gelb-Rote Karte gegen Ismaili (Linth). Verwarnungen: 12. Lenjani. 47. Kasami. 83. Uldrikis (alle Foul). (ete/dwu/fra/kvo)

Erstellt: 30.10.2019, 18:41 Uhr

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