GC will raus aus dem Tohuwabohu

Mit dem Spiel am Samstag in Basel beginnt für Uli Forte das Abenteuer, den Ligaerhalt irgendwie zu schaffen – der neue Trainer verströmt jedenfalls viel Kraft.

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Das Sprachbild stammt von Uli Forte, gemalt für den «Tages- Anzeiger» vom 1. Juni 2013. «Die Mannschaft ist eine Schafherde, die unterwegs ist, und ich bin der Hirte, der schaut, dass alle dabeibleiben und keiner verloren geht.»

Kaum stand es in der Zeitung, machte sich bei GC keiner der Spieler auf und davon, der Hirte selbst war es. Forte lief gleichentags im Eiltempo zu YB über. «Verpiss dich du Bastard!», riefen ihm die Fans zu, als er am Abend gegen Lausanne noch ein letztes Mal für GC an der Seitenlinie stand.

Fünf Jahre und zehn Monate später rufen sie Forte via Transparent vor der Haustür oder auf dem Trainingsgelände noch immer zu: «Verpiss dich!», und nennen ihn einen «Bastard». Ein Freund hat ihm darum gesagt: «Du hast Eindruck gemacht.»

Fortes Abenteuer startet in Basel

Forte ist zurück bei GC, auf dem Campus von Niederhasli, als Trainer, der am Dienstag angetreten ist, vielleicht doch noch die Wende zum Guten und den Ligaerhalt zu schaffen. Eine Viertelstunde zu spät ist er am Freitag für das Mediengespräch, nicht aus Unhöflichkeit, er hat eben so viel länger trainieren lassen und das hinter grossen schwarzen Planen, um nicht ausspioniert zu werden.

Wundersam wäre die Wende, weil GC tief im Schlamassel steckt und fünf Punkte nur schon auf Xamax und den Barrageplatz aufholen muss. Acht Spiele bleiben Forte dafür. Die Reise, er nennt sie «Abenteuer», beginnt heute mit dem Besuch in Basel.

Da ist nun die Frage, ob der St.-Jakob-Park unbedingt der beste Ort zum Start ist. Oder ob gerade deshalb, weil drei Punkte hier kein Muss sind – «für keine Mannschaft der Schweiz», wie Forte sagt, «vor allem nicht für GC». Bald drei Jahre liegt der letzte Sieg von GC in Basel zurück.

Forte möchte, dass seine Mannschaft heute einfach einen guten Match macht und er eine Steigerung sieht. Er wünscht sich, sie gewinnt an Selbstvertrauen vor den Spielen, in den sie wirklich punkten muss. Das erste dieser Spiele steht in einer Woche gegen Thun an, «da müssen wir einen Exploit landen», sagt er. Und vor allem dann in zwei Wochen auswärts bei Xamax.

Überschäumend

Wenn Forte redet, liegt Kraft in der Stimme, auch wenn sie nach dem Training leicht heiser ist. Das Melancholische von Tomislav Stipic ist dem Überschäumenden von Forte gewichen, das passt zur Einschätzung seines früheren Sportchefs bei YB. «Er kann sofort etwas bewirken, die Menschen schnell hinter sich bringen», hat Fredy Bickel Anfang dieser Woche gesagt, «er kann die Spieler dazu bewegen, das auch sich herauszuholen, was in ihnen steckt.»

Nur, was steckt in dieser zusammengewürfelten Gruppe? Das ist die Frage nach 28 Runden dieser Krisensaison, in der Thorsten Fink und Stipic zusammen auf 38 Spieler zurückgegriffen haben. Forte nennt diesen Personalverschleiss «Tohuwabohu».

Am neuen Chef ist es, Stabilität und Selbstvertrauen ins Team zu bringen. Yoric Ravet zum Beispiel, im Winter mit grossen Erwartungen vom SC Freiburg ausgeliehen, ist wegen der taktischen Massnahmen Stipics offenbar verunsichert. «Jeder weiss, dass er kein Rechtsverteidiger ist», sagt Forte und macht damit, was er vielleicht nicht bewusst tun will: Er kritisiert Vorgänger Stipic dafür, den Flügelstürmer Ravet gegen Sion in der Defensive eingesetzt zu haben.

Oder Caiuby, der andere teure Zugang im Winter, der so viel bewirken sollte: Er ist bislang eine Enttäuschung wie Ravet, aufgefallen nur dadurch, dass er nach Ballverlusten stehen blieb und die Arme verwarf. Und das kam oft vor. Über ihn sagt Forte: «Er muss von Defensivaufgaben befreit werden.» Darum ist gut möglich, dass Caiuby heute den gesperrten Marco Djuricin im Sturmzentrum ersetzt.

Als Forte die Spieler am Dienstag erstmals traf, wirkten sie auf ihn körperlich nicht in Topverfassung. «Okay», nennt er es freundlicherweise. Das ist nicht Stipics Verschulden. Ihm blieb gar nicht die Zeit, um die Mängel wettzumachen, die Fink zu verantworten hat.

Der Appell an die Fans

Forte hat auch Spieler angetroffen, die «zweifelnd und gehemmt» sind. Das überrascht nicht, weil sie seit dem 25. November nicht mehr gewonnen haben und eine Bilanz von 4:35 Punkten aufweisen. Er hat darum «x Gespräche» geführt, angefangen bei Heinz Lindner. Der Torhüter tritt diese Saison als Einziger so auf, als wäre er unbeeindruckt von der allgemeinen Verunsicherung um ihn herum. «Heinz», hat Forte ihm gesagt, «ich mache alles, dass du bleibst.» Aber auch er muss schon einsehen, dass das ein «Ding der Unmöglichkeit» ist. Lindner ist im Sommer ablösefrei.

Ab sofort baut Forte auch wieder auf Arlind Ajeti. Der Bruder des FCB-Stürmers Albian war einer der sechs Spieler, die Stipic aus seinem Kader strich. «Er spielt für Albaniens Nationalteam», sagt Forte, «der hat doch Qualitäten.» Ajeti hat für heute nur ein Problem. Er ist leicht angeschlagen.

Dann bleibt noch eine Frage: Wie wird Forte heute von den GC-Fans begrüsst? «Was sie gegen mich haben, ist eine persönliche Sache», sagt er, «das werde ich mit ihnen bilateral regeln. Die Mannschaft darf es nicht tangieren.»

Erstellt: 13.04.2019, 17:28 Uhr

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