GC wird in Bern nur sportlich geohrfeigt

In der Fankurve der Grasshoppers bleibt es diesmal ruhig. Es ist die einzige positive Nachricht für den Absteiger bei Meister YB.

Blickt niedergeschlagen ins Leere: Goalie Heinz Lindner muss mit GC gegen den Meister ein 1:6 hinnehmen.

Blickt niedergeschlagen ins Leere: Goalie Heinz Lindner muss mit GC gegen den Meister ein 1:6 hinnehmen. Bild: Freshfocus/Claudio de Capitani

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Die Aufmunterung war für die Spieler gedacht. «Starch bliibe Jungs» hiess es auf dem Spruchband, das vor dem Gästesektor prangte. Gerade so gut hätten die Zürcher Fans aber sich selber meinen können. Sie, die Unentwegten, die vier Tage nach der Schande von Luzern und dem durch eine Gruppe Ultras provozierten Spielabbruch den Weg ins Stade de Suisse gefunden hatten, um GC auch im bedeutungslosen Spiel beim Meister zu unterstützen. Der FCL hat gestern übrigens bei der Staatsanwaltschaft Luzern Strafanzeige wegen Nötigung, Rassismus und Sachbeschädigung eingereicht.

Eine Hundertschaft dürfte es gewesen sein – nach der Pause mit dem Zwischenstand von 0:3 etwas weniger. Und vor dem Schlusspfiff gingen auch die Treusten. Mit einem Schuss Selbstironie hatten sie vor der Partie geschrieben: «Mir sind denn mal im Knast». Diejenigen, die bis fast zuletzt ausharrten, sahen auch in der Schlussphase nichts Positives. Den Höhepunkt diesbezüglich setzte Diani mit einem weiteren verlorenen Tackling in der 88. Minute, Hoarau musste nur noch einschieben. Es war das zweite Tor des erst kurz vorher eingewechselten Franzosen und die Saisontore 93 und 94 von YB. Mehr hat in der Super League nie ein Team erzielt, Basels Rekord stand bei 92. Es ist die zweite Bestmarke, die YB dem ehemaligen Serienmeister entreisst, auch der Punkterekord ist seit gestern in Berner Besitz.

Auf dem Platz war der Unterschied zumindest ab dem 1:0 von Assalé Mitte der ersten Halbzeit so gross gewesen, wie man es aufgrund der Ausgangslage hatte erwarten können. Meister gegen Absteiger, 61 Pluspunkte Unterschied und ein Torverhältnis von Plus 57 zu Minus 27 – YB war nicht das geeignete Zielobjekt für den ersten Vollerfolg seit sechs Monaten, den Forte angestrebt hatte. «Wir wussten, dass es bei dieser Konstellation nicht einfach wird», sagte Forte, «was mich aber aufregt, sind die Geschenke beim zweiten, vierten und sechsten Tor.»

Sigurjonssons Aussetzer

Wie es um die Stärkeverhältnisse bestellt war, hatte eine Geste Fortes besser gezeigt als jeder Satz. Der GC-Nothelfer bedeutete Heinz Lindner mit einer Handbewegung, doch mit dem Abstoss etwas zuzuwarten, etwas Ruhe reinzubringen. Ein probates Mittel grundsätzlich, vor allem bei unentschiedenem Spielstand oder Vorsprung. In diesem Moment stand es aber aus Zürcher Sicht 0:4, es lief gerade einmal Minute 53, und wenn die Berner etwas zielsicherer gewesen wären, hätte längst ein Tennis-­Skore resultiert.

Unmittelbar nach der Pause musste Forte sich an einstiger Wirkungsstätte fragen, weshalb er sich das antut. Mit guten Vorsätzen waren seine Spieler aus der Kabine zurückgekehrt, sie wollten auf das 0:3 eine Reaktion zeigen. Zwei Minuten später stand es 0:4, weil ein Spieler den Ball am eigenen Strafraum höchst fahrlässig vertändelt hatte. Sein Name? Runar Sigurjonsson, als Captain eigentlich einer der Eckpfeiler auf dem Weg zu einem möglichen Neuaufbau. «Ich habe Rune nach dem Spiel gesagt: Alle dürfen einen solchen Fehler machen, aber du sicher nicht. Generell dürfen wir aber auch nicht dieses Spiel als Massstab nehmen, das wäre nicht fair.»

Das erste Spiel auf dem langen Weg, der in die Super League zurückführen soll, brachte noch keine Erleuchtung. Sechs Spieler, die am Sonntag in der Startformation standen, durften sich noch einmal zeigen, andere wie die im Winter aus der Bundesliga geholten Ravet und Caluby standen nicht im Aufgebot. Ein Indiz dafür, dass ihre Zeit zu Ende geht, ohne, dass sie ansatzweise etwas zu einer Verbesserung der Situation beigetragen hätten. Positive Noten verdienten sich Lindner und nach der Pause Pusic. Und dies nicht nur wegen dem zwischenzeitlichen 1:4.

Spieltelegramm:

Young Boys - Grasshoppers 6:1 (3:0)
22'330 Zuschauer. – SR Tschudi. – Tore: 23. Assalé (Gaudino) 1:0. 32. Assalé (Gaudino) 2:0. 39. Gaudino (Nsame) 3:0. 47. Nsame 4:0. 63. Pusic (Nedim Bajrami) 4:1. 73. Hoarau (Lotoma) 5:1. 88. Hoarau (Assalé) 6:1.
Young Boys: Von Ballmoos; Lotomba (80. Seydoux), Von Bergen, Kronig, Benito; Lauper; Sow (62. Hoarau), Gaudino; Assalé, Nsame (73. Wüthrich), Moumi Ngamaleu.
Grasshoppers: Lindner; Cvetkovic (22. Taipi), Ajeti, Zesiger (46. Lika); Asllani, Diani, Sigurjonsson, Pusic; Nedim Bajrami, Ngoy (89. Rustemoski); Djuricin.
Bemerkungen: YB ohne Fassnacht, Aebischer, Sulejmani und Camara (alle verletzt). Super-League-Debüt des 18-jährigen Jan Kronig. GC ohne Basic (gesperrt), Rhyner, Nathan, Kamber, Gjorgjev, Arigoni, Kastrati (alle verletzt), Ravet, Goelzer, Caiuby, Tarashaj und Pinga (alle nicht im Aufgebot). – Cvetkovic verletzt ausgeschieden. Verwarnung: 17. Diani (Foul).

Erstellt: 16.05.2019, 23:35 Uhr

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