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Gefeiert und dann gleich gefeuert

Friedhelm Funkel, ein Trainer aus einer anderen Zeit des Fussballs. Noch ohne Bumbumbum-Musik.

MeinungFredy Wettstein
47 Jahre im Profifussball, sechsmal in die 1. Bundesliga aufgestiegen: Friedhelm Funkel.
47 Jahre im Profifussball, sechsmal in die 1. Bundesliga aufgestiegen: Friedhelm Funkel.
Keystone

Stellen Sie es sich vor: Sie hätten heute Morgen zu Ihrem Chef ins Büro gehen müssen, er wäre mit einem Blumenstrauss dort gestanden und hätte Ihnen gratuliert, Ihre Leistungen im letzten Jahr seien überragend gewesen. Ihre Firma hätte dies nachher intern veröffentlicht und im Namen aller gratuliert.

Aber stellen Sie sich vor: Am Nachmittag werden Sie wieder ins Büro gebeten, jetzt steht dort neben dem Chef die Leiterin des Personaldienstes, und die beiden haben unerfreuliche Nachrichten, das sehen Sie sofort am Gesichtsausdruck: Ihnen wird gekündigt, ihre Leistungen in den ersten Wochen des neuen Jahres würden nicht mehr stimmen.

So ging es Friedhelm Funkel, 65 seit Dezember. Funkel stand in der letzten Woche in Düsseldorf auf der Kleinkunstbühne des Savoy-Theaters, einem Ort mit viel Tradition, es gab grossen Applaus für ihn, er wurde zum zweiten Mal nacheinander als «Düsseldorfs Trainer des Jahres» ausgezeichnet – «Herzlichen Glückwunsch, Coach», verbreitete die Medienstelle von Fortuna Düsseldorf. Vor anderthalb Jahren hatte Funkel den Club wieder in die 1. Bundesliga geführt, und obwohl alle glaubten, die Rheinländer würden sogleich wieder absteigen, blieben sie oben.

Dann, 13 Stunden nach den Glückwünschen, gab es wieder eine Medienmitteilung: «Vorstand von Fortuna Düsseldorf stellt Friedhelm Funkel frei.» Im Dezember war der Vertrag mit ihm noch verlängert worden, ins neue Jahr ist die Fortuna mit zwei weiteren Niederlagen gestartet.

Funkel stammt aus einer anderen Zeit des Fussballs, 17 Jahre war er Spieler, 30 Jahre Trainer, er war immer einer mit einem realistischen Blick auf die Welt, vielleicht arbeitete er deshalb auch nur für Clubs, die keine grossen Träume hatten, Clubs wie Uerdingen, Bochum, Rostock, Aachen oder Duisburg. Sechsmal stieg er mit seinen Mannschaften in die 1. Bundesliga auf, ein Rekord, siebenmal ist er nun entlassen worden.

Er sagt, der menschliche Umgang sei das Wichtigste, und der gehe leider ist dieser digitalen Welt immer mehr verloren, deshalb macht er seine Überweisungen heute noch persönlich auf der Bank und nicht im Internet. Statt «Matchplan» sagt er «Gegnervorbereitung», das sei doch das Gleiche. «Lebt sparsamer», riet er manchmal seinen Spielern.

Er habe so viel Glück gehabt in seinem Leben, sagt Friedhelm Funkel. Er hätte gerne weitergemacht. Jetzt hat er aber endgültig genug. Diese Bumbumbum-Musik in der Kabine, die habe er manchmal fast nicht mehr ausgehalten.

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